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Anglizismen

Dieser Eintrag stammt von Wolf Am 2.11.2006 @ 13:53 In Sprache | 1 Kommentar

Angeregt vom SPIEGEL 40/2006 und dessen Titelgeschichte “Rettet dem Deutsch” habe ich am 2. Oktober begonnen [1] meine Seiten - oder zumindest den deutschsprachigen Teil auf Anglizismen hin zu überprüfen und zu überarbeiten, wo es mir sinnvoll erscheint. Ich war doch bass erstaunt, wieviel ich unbedacht eingebaut habe, obwohl auch passende und geläufige deutsche Ausdrücke zur Hand gewesen wären. Ich habe nun nicht wenige Anglizismen entdeckt, teilweise ersetzt und die verbliebenen in die korrekte Schreibweise überführt und, wo ich sie fand, nach Möglichkeit kursiv gesetzt. Es ist durchaus möglich, daß ich im ersten Durchgang dabei den einen oder anderen übersah. Entsprechende Hinweise nimmt jedes Elektropostformular dankbar entgegen - vorzugsweise die auf diesen Seiten befindlichen!

Man stößt dabei aber auch auf merkwürdige Grenzen (⇒ sh. Bildergalerie), oder wie würdet Ihr ein Bild, daß Ihr digitalisiert habt mittels optischer Abtastung (also mit Hilfe eines scanners) bezeichnen? Würdet Ihr nicht auch sagen, Ihr hättet es gescannt? Tatsächlich findet man das Wort ja auch im Rechtschreibduden. To scroll bedeutet übersetzt “rollen”. Gerade was das WWW betrifft, ist es schwierig deutsche Entsprechungen zu finden, ohne sich ggf. der Lächerlichkeit preiszugeben oder der Deutschtümelei verdächtig zu machen. Zumal man auch nicht in den affektierten Sprachduktus der Rechtsradikalen geraten will.

Das Problem der Deutschen mit ihrer Sprache hängt auch mit dem NAZI-Terror zusammen. Es sind nicht nur geistlose Werbestrategen, die mit ihren Wortschöpfungen und Sprüchen das Volk verblöden lassen und uns unserer eigenen Sprache entfremden, sowie die Machenschaften der KMK im Zuge der Rechtschreibreform (die ja im Prinzip auch auf die NAZIs teils zurückgeht [bzw. hatten die NAZIs auch schon einmal versucht, die deutsche Rechtschreibung, aber auch insgesamt den Sprachgebrauch zu reformieren]). Auch die Geschichte ist mit Schuld daran, denn bestimmte Worte wurden gewaltsam in Zusammenhänge gebracht, die man nicht anders als menschenverachtend bezeichnen kann (Stichworte Blut, Ehre, Vaterland … etc.).

Der SPIEGEL-Leitartikel der vierzigsten Kalenderwoche 2006 (also Ausgabe Nr. 40/2006) zeigt auf, daß schon Schopenhauer sich über die Verlotterung der Sprache beschwerte - er war über vierzig Jahre Zeitgenosse von Goethe, einem Menschen also, der der deutschen Sprache wie kaum ein anderer Glanz verlieh. Das heißt Aufstieg und Niedergang waren ziemlich dicht beieinander gelegen. (Vielleicht auch nur in der Wahrnehmung.)

Ob das nun “nur” Kulturpessimismus in Reinform ist, oder ob die deutsche Sprache wirklich eines Verfalls und schließlich den “Tod” erleidet, kann niemand sagen. Für beide Diagnosen gibt es Symptome. Welches nun aber wirklich die malaise ist, vermag kein Sprachwissenschaftler zu sagen, ohne Widerspruch aus der eigenen Zunft zu erzeugen. Mir persönlich ist das wurscht. Ich habe nur gemerkt: wenn ich wirklich die deutsche Sprache liebe, muß ich auch liebevoll mit ihr umgehen, sie ist es, die uns Deutschen als Volk, als Nation den Namen gab… sie bestimmt schon daher teils unsere Identität als Deutsche. Vieles andere kommt hinzu - und damit meine ich nicht Blut, Boden, Ehre … aber Kultur!


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