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Benehmen
… ist Glückssache, sagt der Volksmund. Leider behält er gerade unter Schwulen nur allzu oft Recht. Nicht daß die Alten nicht seit jeher sich über die schwindenden Manieren der Jugend beschwerten, nein, die Alten werden jetzt auch schon frech, geschmacklos und extrem unhöflich - will man bisweilen meinen. Vor allem in Chat-Foren im internet, wo man sich besonders anonym wähnt, obwohl man vielleicht nur zwei Häuser um die Ecke von einander sitzt, fliegen bisweilen die Fetzen in ungehörigem Maße. Man schmeißt sich Sachen an den Kopf, wo anderen Hören und Sehen verginge, erführen sie davon.
Nun waren Schwule - selbstbewusste Tunten zumindest - noch nie sonderlich zimperlich im Umgang miteinander, aber man wahrte doch ein gewisses Niveau, und einen gehörigen Einfallsreichtum beim gegenseitigen Beleidigen brachten einige auch noch mit.
Doch als die Gucci-Tucken und Klon-Schwulen aufkamen, als Tuntesein out war, begann der Abstieg. Man wurde nieveaulos gehässig. Das Zicken kam auch bei anderen, die eher auf Macho-Typen machen, in Mode und mit der Massenverdrahtung deutscher Haushalte ans internet rutschte der Hang komplett ab. Der Tsunami an Unfreundlichkeit, der dann die Alltagskultur überrollte, war durch nichts mehr zu halten.
Mehr als eine Beschreibung des Phänomens kann ich hier leider nicht bieten. Aber ich hoffe, daß die alleinige Erwähnung vielleicht den einen oder anderen mal zum Nachdenken bringt. Höflichkeit muß kein Fremdwort sein!
Nachtrag 07.10.2006: Nun ist es nicht gerade so, daß sich das schlechte Benehmen ausschließlich auf schwule websites beschränkt, und es ist auch nicht so, daß dieses ein Phänomen wäre, welches sich ausschließlich im Netz befände. Generell gesagt verlottert nicht nur die Sprache, ich habe auch den Eindruck, daß immer weniger Rücksicht auf einander genommen wird. Sei es, daß der Nachbar nachts um drei anfängt zu hämmern, morgens um fünf schon jemand sein Altglas entsorgt oder einfach nur zu jeder Tag- und Nachtzeit die Musik so laut aufgedreht wird, daß der gesamte Wohnblock etwas davon hat.
Aber nicht nur das. Man wird nicht nur blöde angemacht, wenn man sich wegen solcher Dinge beschwert. Es muß eigentlich gar nichts großes passieren, sondern man kann aus ganz heiterem Himmel plötzlich einfach so angeschnauzt werden. Und sei es bloß, weil man nicht bereit ist, seinen eigenen Vorrat an teuren Zigaretten mit irgendwelchen dahergelaufenen Schnorrern zu teilen.
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