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Berlin schafft de facto Schulbibliotheken ab
Der Senat von Berlin hat beschlossen, daß Oberstufenzentren (OSZ) in Berlin ab 2004 auf ihr Bibliothekspersonal bzw. auf ihre Bibliotheken verzichten sollen. In Kombination mit der Abschaffung der Lehrmittelfreiheit ist das eine Katastrophe in Hinblick auf den Zugriff ergänzender Literatur im Unterricht, da gerade die Fachbibliotheken dieser OSZs nicht durch den Gang zur Stadtbibliothek, die einen ganz anderen allgemeineren Ansatz und Bildungsauftrag hat, ersetzt werden können. Doch nicht nur an den Schulen soll der Ruin der Bankgesellschaft Berlin wettgemacht werden, sondern auch an den Universitäten und anderen vom Land finanzierten Bildungs- und Forschungseinrichtungen … es wird zusammengestrichen, was das Zeug hält. Dabei geht Thilo Sarrazin (Finanzsenator, SPD) von hinkenden Vergleichen mit Flächenländern wie Bayern und Baden-Württemberg aus, deren Schulen angeblich günstiger wirtschaften. Daß dort weniger Schulen mehr Schüler auch von weit außerhalb der Großstädte annehmen und die Finanzierung auf breiteren Schultern und mehreren zudem verteilt ist, verschweigt er geflissentlich. Man kann also nicht behaupten, daß Herr Sarrazin aus PISA auch nur eine Konsequenz gezogen hätte.
Daß die Stadtbibliotheken, sofern sie nicht kompetente Frauen und Männer an den Stellen für die Öffentlichkeitsarbeit sitzen haben, die Drittmittel und Sponsoren akquirieren können, ebenfalls mit dem institutionellen Tod zu ringen haben, macht sie auch nicht gerade zum idealen Ersatz für eventuelle Bibliotheksschließungen an den Schulen. Hinzu kommt, daß die Schulbibliotheken noch in der ersten Hälfte des Jahres teuer mit neuer software und Computern für Verbuchungssysteme und OPACs ausgestattet, das Personal für viel Geld geschult worden ist - und nun soll das Aus kommen? Wer versteht diese hirnrissige Logik der öffentlichen Verwaltung? In solchen Fällen mag man es bisweilen bedauern, daß standrechtliche Erschießungen abgeschafft worden sind.
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