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Beziehung, Partnerschaft, Treue

Dieser Eintrag stammt von Wolf Am 2.11.2006 @ 15:29 In Schwul, Gesundheit | Keine Kommentare

Es ist ein altes Thema: ein Mensch mag auf die Dauer nicht alleine leben - ohne einen anderen Menschen an seiner Seite, meine ich hier.

Also macht man sich auf die Suche. Kontaktmöglichkeiten gibt es dieser Tage ja zahlreiche: sei es, daß man Kontaktanzeigen in [1] Stadtmagazinen wie [2] SIEGESSÄULE oder dergl. schaltet, sich in [3] Clubs und Cafés der Szene umtut, oder hier im WWW es über [4] internetportale versucht.

Ganz Verzweifelte versuchen es vielleicht auch mit Partnerschaftsvermittlungen oder widersinniger Weise gar an Orten, wo man eher den schnellen und anonymen Sex sucht.

Soviel zur Partnersuche an sich.

Hat man ihn (oder sie) dann erstmal gefunden, beginnt das eigentliche Drama, denn man kann auf die Dauer nicht ohne, aber viele können auch nicht mit.
Wieso?
Eine Möglichkeit mag sein, daß man schlichtweg den falschen Partner gewählt hat. Einige Gemeinsamkeiten sollten schon vorhanden sein (sehr empfehlenswert für Beziehungsgeschädigte ist die Komödie “Therapie zwecklos” von Robert Altman mit Jeff Goldblum u.a.; Originaltitel “Beyond therapy”).

Man muß ja nicht vollends deckungsgleich in Ansichten, Hobbys, Interessen und Ambitionen sein, denn - zumindest meiner bescheidenen Meinung nach - liegt der Reiz der Partnerschaft (und in zwischenmenschlichen Beziehungen überhaupt) darin, Neues mit dem Partner kennenzulernen, seinen Horizont in Erfahrungen zu erweitern. Selbst wenn die Beziehung mal scheitern sollte, kann man so davon etwas für sich gewinnen, wenn man offen dafür ist. Es mag zwar für manche ausreichend sein, im Prinzip ein Abziehbild seiner selbst neben sich auf der Couch sitzen zu haben - aber ich denke, das wird auf die Dauer langweilig. Neues kennen lernen ist für mich wichtig. Ich habe eine Beziehung, die mich bereichert - auch noch nach mittlerweile fast acht Jahren. Man muß sich die Ansichten und Standpunkte des Gegenübers ja nicht zu eigen machen, aber sie vermitteln dennoch neue Perspektiven und man kann lernen.

Was viele offenbar nicht bedenken, ist, daß man in einer Partnerschaft auf seinen gegenüber eingehen muß. Eine Partnerschaft heißt für alle Beteiligten, Kompromisse schließen. Es ist in einer Partnerschaft mehr als nur Händchenhalten, Küßchen und Sex miteinander.

Es gibt einige Punkte in einer Partnerschaft, die ungefähr gleichgewichtet, vorhanden sein müssen, damit eine Partnerschaft funktionieren kann.

  • Kompromissbereitschaft
  • Respekt
  • Vertrauen
  • Fürsorge und Verantwortung
  • Ehrlichkeit
  • Vergebungsbereitschaft
  • Treue

Die Kompromissbereitschaft geht, denke ich, allen voran, zieht die Vergebungsbereitschaft nach sich, sollte es mal zu einem Krach kommen. Vergeben hat wieder andere Bedingungen, nämlich Vertrauen, Respekt und Ehrlichkeit. Fürsorge und Verantwortung sind auch wichtig. Ich widme mich jetzt erstmal den Begriffen Treue und Ehrlichkeit, die von einander abhängig sind. Treue setzt Ehrlichkeit voraus, aber auch immer die Kompromiss- und Vergebungsbereitschaft. Treue ist nicht gleichzusetzen mit Monogamie. Treue ist ein umfassenderer Begriff, als die reine sexuelle Treue, die es auch in Beziehungen geben mag, weit seltener als vorgegaukelt, weit seltener ehrlich gelebt, als behauptet und missbraucht.

Zunächst muß man sich selbst treu sein können, um anderen gegenüber Treue erweisen zu können. So wie man andere nur lieben kann, wenn man sich selbst ausreichend liebt.

Weswegen ich das anspreche: Ich erlebe immer wieder in diversen Kontakten und Gesprächen in cruising-areas Personen, die mit mir darüber ins Gespräch kommen, daß man in der Beziehung doch eigentlich keinen auswärtigen Sex haben sollte. Ich kann mit dieser Einstellung leben, wenn sie auch gelebt wird, d.h. wenn jemand, der gebunden ist und diesen Standpunkt auch vertritt eben nicht rumhurt. Nur viele tun es nicht, sagen aber, sie würden ihren “Freund” sofort verlassen, wenn sie erführen, daß dieser mal fremde Früchte nascht.

Ich frage mich dann: “Von welchem Freund spricht der?” Er kann nämlich keinen Freund haben. Mit Freunden geht man so nämlich nicht um. Da fehlt der Respekt, da fehlt die Bereitschaft zur Vergebung, da fehlt die Bereitschaft zum Kompromiss. Das ist schlichtweg gelebte Bigotterie.

Ihr denkt, nur weil Ihr schwul seid, wäret Ihr automatisch tolerant? Was ist das denn für eine verlogene Annahme? Auch Schwule sind bigott, falsch, verlogen, engstirnig etc. oder können es sein.

Ein Mann, der sowas wie das obengenannte, erwähnt, hat in meinen Augen keinen Freund, sondern einen bevorzugten Beischlafpartner, vielleicht auch einen Mitbewohner, wenn man zusammen lebt, aber eben mangels Respekt, Vergebungs- und Kompromissbereischaft, mangels Treue keinen Freund. In meinen Augen verleugnet er seinen Partner auch, da er ihn gering schätzt, nicht als ebenbürtig und gleichberechtigt sieht. Wer sich die Freiheit nimmt, mit Dritten rumzuficken, muß auch den Kompromiss eingehen, dieses seinem Partner zuzugestehen. Ob der es dann tut, sei ihm überlassen.

Einem Freund zollt man auf jedem Fall Respekt, man vertraut ihm, verzeiht (nicht alles, da hat jeder seine individuellen Grenzen), schließt eben Kompromisse. Man macht seinen Freund nicht nieder, verleugnet ihn nicht, macht ihn nicht zur Schnecke - wenn er ’s nicht verdient hat!

Polygamie ist für mich auf jeden Fall kein Grund, meinen Freund zur Schnecke zu machen - so lange er mich nicht verleugnet oder mein Vertrauen missbraucht. Dazu gehört auch die [5] Verantwortung und Fürsorge in der Partnerschaft in puncto Geschlechtskrankheiten.

Ich wäre nicht bereit, eine Beziehung zu nichte zu machen, die ich mir seit [6] November 1996 mühsam aufgebaut habe, wg. einer Lapalie. Da braucht es schwerwiegende Gründe, die unverzeihlich sind und das Band des Vertrauens unwiderruflich zerstört haben.

Eine Partnerschaft ist ein Bündnis, ein Vertrag, den man miteinander schließt, ohne ihn aussprechen zu müssen. Dieses Bündnis hat Regeln und die Basis jener Eigenschaften, die ich oben gelistet habe.

Noch ein Rat an die youngsters und Bubis: Sagt nicht so leichtfertig: “Niemals nie würde ich meinen Freund betrügen und fremd gehen!” Seid lieber vorsichtig mit solchen Aussagen, macht Eure Erfahrungen, lebt. Aber seid um Gottes Willen nicht so vorlaut und -eilig mit Behauptungen und Eiden bei der Hand, die Ihr später vielleicht nicht bewahrheiten und dann in Folge bereuen könntet. Denn das müsst Ihr tun: Euch finden im Leben, Euren Platz, Euch behaupten und bewahrheiten. Das nennt man dann Treue zu sich selbst!


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[1] Stadtmagazinen: http://www.en-shandra.net/schwul/queer.html#magazine
[2] SIEGESSÄULE: http://www.siegessaeule.de/
[3] Clubs: http://www.en-shandra.net/schwul/queer.html#clubs
[4] internetportale: http://www.en-shandra.net/schwul/queer.html#portale
[5] Verantwortung und Fürsorge: http://ygerne.net/?p=10
[6] November 1996: http://www.en-shandra.net/person/liebe/novemberabend.html

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