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Bildungssysteme in Deutschland und Erklärung zum Lebenslauf
In Deutschland liegt die Verantwortung für die Schulausbildung bei den Bundesländern. Durch die jeweils regierenden Parteien und ihre jeweilige Schul- und Bildungspolitik kommt es zu Unterschieden zwischen den Ländern und bisweilen zu Änderungen in den jeweiligen Schulsystemen nach erfolgtem Machtwechsel.
Als ich die Grundschule verließ, wechselte ich an die OST Vienenburg. OST stand hierbei für Orientierungsstufe. Sie umfasste die Klassen 5 und 6 und sollte dafür sorgen, daß die Schüler eine Zeit der Orientierung haben, welche spätere Schule sie im Anschluß besuchen wollten / sollten. Die weiterführenden Schulen in Deutschland gliedern sich wie folgt: Hauptschule (bis zur neunten einschließlich; bisweilen auch plus Klasse zehn) für ein leichteres/ das leichteste Lernniveau; Realschule (bis zur zehnten Klasse einschließlich) für ein mittleres Lernniveau (mittlere Reife ist dann der Abschluß); Gymnasium für das angeblich schwerste / höchste Lernniveau (i.d.R. mit erweitertem Realschulabschluß nach Klasse zehn; außer in Thüringen; Oberstufe wird nach drei weiteren Schuljahren mit Abitur abgeschlossen [oder auch nicht]).
Ich hatte also die OST Vienenburg besucht und im Anschluß eine Empfehlung zum Gymnasium bekommen. Nach dem Machtwechsel in Niedersachsen im März 2003 wurde diese Zwischenstufe von der Unions-Regierung abgeschafft und man kehrte wieder zurück zur früher beginnenden Selektion der Schüler, die nun wieder bereits nach Klasse 4 beginnt.
Im Rahmen der PISA-Studie wurde deutlich, daß Deutschland mit das schlechteste Bildungssystem der Welt hatte, und zunehmend mehr Pädagogen bzw. Bildungsforscher verlangen die Abschaffung des oben beschriebenen Dreigliedrigen Systems hin zur Gesamtschule.
Es ist aber nicht nur das Bildungssystem an sich, das für das schlechte Abschneiden Deutschlands bei der ersten PISA-Studie verantwortlich war. Es sind auch die Lerninhalte gewesen, die mangelnde Betreuung und das soziale Umfeld, das oft nicht abgefedert werden kann. Vor allem wurde bemängelt, daß in kaum einem anderen Land die Bildungschancen für Kinder aus den unteren Schichten schlechter sind als die der Oberschicht. Die Selektion nach Geldbeutel der Eltern hat eine lange und verruchte Tradition in Deutschland. Sie ist schimpflich.
Ich halte es ferner für ein großes Manko, daß sekundäre und tertiäre Bildungseinrichtungen (hier gemeint sind vor allem Bibliotheken, Museen und Theater, sowie die Volkshochschulen) schlecht bis gar nicht in das primäre Bildungssystem eingebunden sind.
Nachtrag vom 01.09.06: Die fünf neuen Bundesländer bzw. die Bürger selbiger haben nach Ihrer Rekonstruktion / Neuschaffung erlebt, wie dieses neue Schulsystem sich auswirkte auf Ihre früheren DDR-Lebensläufe. Man hatte die Chance verpasst, die Erfahrungen aus dem DDR-Schulsystem, das meines Wissens nach dem amerikanischen nicht mal so unähnlich war, aber überhaupt internationalen Standards teils eher entsprach (soweit ich weiß, was nicht wirklich viel ist), als das herkömmliche BRD-Schulsystem.
Was da noch alles auf uns zukommt, werden wir ja erleben (fürchte ich).
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