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coming-out

Dieser Eintrag stammt von Wolf Am 2.11.2006 @ 16:34 In Alltagsgeschichten, Schwul | Keine Kommentare

Sprung zu mir und in die Gegenwart bzw. jüngere und persönliche Vergangenheit: Meine Eltern haben heute noch damit zu kämpfen, daß ich schwul bin - glaube ich. So ganz akzeptieren möchten sie es nicht. Ist sicherlich auch nicht leicht, wenn man selbst in der Überzeugung groß geworden ist, daß so etwas pervers oder abartig sei, unnatürlich, krank und/oder eine Sünde. Nicht daß meine Eltern sonderlich religiös wären. Es ist vermutlich eher die Frage: Was wird bloß aus dem Jungen? Was denken/sagen die Nachbarn, die Verwandtschaft, die Freunde?

Zu meinem coming-out kann ich eigentlich irgendwie nicht viel sagen: gegenüber meinen Eltern fand es eigentlich eher in meiner Abwesenheit statt. Wie das?

Meine Mutter hatte mich seinerzeit zusammen mit meiner kleinen Schwester in Hannover besucht. Damals war ich gerade mal ein paar Wochen von zu Hause weg - glaube ich, hatte kurz zuvor meinen Zivildienst an der MHH angetreten. Und die zwei hatten mir noch ein paar Sachen mitgebracht, damit ich es mir wohnlicher einrichten konnte in meiner kleinen Dienstwohnung. Wir hatten ein wenig geklönt und Kaffee getrunken. Dabei erwähnte ich das HOME - ohne zu erklären, was dieses war, nämlich ein bzw. das hannöversche schwul-lesbische Begegnungszentrum, ähnlich dem Magnus-Hirschfeld-Centrum in Hamburg oder dem Mann-O-Meter in Berlin, denke ich. Ich meinte vielmehr, es sei ein Begegnungszentrum für “Leute wie mich”. Wie umständlich, wie nichtssagend - doch es weckte die Neugier meiner Mutter.

Als meine Mutter dann für kleine Mädchen war, sagte ich zu Gabi, daß sie bei Fragen diesbezüglich ruhig sagen könne, was Sache sei. Wie feige von mir … ich fand einfach nicht den richtigen Ansatz, fand nicht den rechten Mut - ich delegierte mein coming-out an meine Schwester.

Ich weiß aber, daß meine Mutter eigentlich schon weitaus länger Bescheid wußte oder wissen müsste - zumindest aber ahnte bzw. befürchtete sie etwas in der Richtung, seit sie beim Bettenmachen mal eine meiner Wichsvorlagen unterm Kopfkissen fand und etwas in der Richtung mir gegenüber mit einem verschwörerischen Grinsen andeutete. Zu der Zeit muß ich um die 15 gewesen sein. Ich glaube, mir war damals die Kinnlade heruntergeklappt. ([1] ⇒ sh. auch)


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[1] ⇒ sh. auch: http://en-shandra.net/schwul/queer.html#coming-out

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