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Ende der Bibliothekswissenschaft in Deutschland?
Im Zuge der Universiätsreformen und der Sparvorgaben des Senats durch den Universitäts-/Hochschulvertrag aus dem Sommer 2003 an der Humboldt-Universität beschloß das Präsidium neben der Schließung der Landwirtschaftlich-gärtnerischen Fakultät - ihrerseits einzigartig in der Region Berlin-Brandenburg - auch die Schließung des Institus für Bibliothekswissenschaften (IB) - seinerseits einzigartig in Deutschland - zum Jahre 2009. Der akademische Senat muß - wenn nicht schon geschehen - dem noch zustimmen. Ist die Bibliothekswissenschaft nun noch zu retten?
Es hat ja den Anschein, daß viele außerhalb des Institutes den Eindruck haben - vielleicht ohne auch nur einen Schimmer zu haben, wovon sie sprechen - die Bibliothekswissenschaft als solche sei entbehrlich. Wenn nicht, wie käme man sonst auf einen Beschluß, sie den Sparvorgaben der Politik zu opfern? Sinn und Verstand scheinen angesichts der Problematik um die Landwirtschaflich-gärtnerische Fakultät ohnehin nicht am Werk gewesen zu sein, bei dieser gibt es aber noch die - wenn auch kleine Möglichkeit - daß das Land Brandenburg in Form der Uni-Potsdam die Fakultät der HU-Berlin abkauft, wenn manche sicherlich auch dabei Federn lassen müssen.
Doch wer nimmt sich der Bibliothekswissenschaft an?
Vor Jahren entzog noch die Regierung Kohl einer bundesdeutschen, für das öffentliche Bibliothekswesen immens wichtigen Institution das Vertrauen: dem Deutschen BibliotheksInstitut (DBI). Seinerzeit gab es Spekulationen an der HU im IB, dessen Aufgaben nach und nach zu übernehmen. Es ist wohl nicht geschehen. Ein Fehler? Hätte die damalige Übernahme jener Aufgaben des DBI durch das IB an der HU das erneute Vorhaben der Uni-Leitung, das IB zu schließen, verhindert?
Vielleicht - vielleicht auch nicht. Entscheidend wäre vermutlich die Wirtschaftlichkeit eines derartigen Unterfangens gewesen. Hätte man gewinnbringend oder kostendeckend gearbeitet, hätte man das IB mit solchen Argumenten retten können. Verluste wären eindeutig inakzeptabel gewesen. Sinnlose Gedankenspiele - könnte man nun meinen.
In Potsdam steht eine FH - dort wird der Diplom-Studiengang Bibliothekswesen angeboten. Er ist Hauptargument der Gegner des IB gegen die Fortführung des Studienganges bzw. des Institutes (Die Schließung des Institutes ist nicht automatisch gleichbedeutend mit der Einstellung des Studienganges). Was sind die Unterschiede zwischen Bibliothekswesen und Bibliothekswissenschaft?
Die Bibliothekswissenschaft schlägt immer wieder Brücken zwischen Bibliotheks-, Dokumentations- und Archivwesen, die gleichartig aber nicht identisch sind. Man sucht und errichtet einen theoretischen Überbau für diese drei Fachhochschuldisziplinen, zeigt Probleme auf. Mit der Kombinationsmöglichkeit mit mindestens einem weiteren Studienfach, hat das IB sich das ehrgeizige Ziel gesetzt auch Absolventen für den höheren, leitenden Dienst in Bibliotheken, Archiven und Dokumentationsstellen, sowie wissenschaftliches Fachpersonal zur wissenschaftlichen Dokumentation, die im Zeitalter der Globalisierung und des internationalen (zumindest gewünschten) Informations- und Datenaustausches gebraucht werden, auszubilden. Dieses geschulte Personal also, das die schiere Flut an Publikationen allgemeinzugänglicher aber auch instituionsinterner Natur bändigen, erfassen und recherchierbar machen soll, ist eigentlich Mangelware. Jeder hält sich für einen Profi in fachgerechter Literaturauswertung und -bereitstellung, meist überläßt man derart wichtige Dinge aber eher bspw. Informatikern oder EDV-Spezialisten ohne dokumentarisches und/oder bibliothekarisches Fachwissen. Erst wenn die Wirtschaft wieder laut aufjault, daß dieses Fachpersonal fehlt, wird die Politik zögerlich und linkisch handeln. Doch könnte es dann für das IB zu spät sein.
Die Kurzsichtigkeit der Politiker greift auch unter Universitätsleitungen um sich, scheint ansteckend. Wir sollten es nicht wagen, so der Politik allzu willfährig entgegenzukommen und unsere schönsten Blüten und Kakteen opfern. Es gibt andere Einsparungspotenziale, die blind von den Uni-Leitungen Berlins ignoriert werden: in der Verwaltung, den Rechenzentren, den Jedermannsfächern (Jura, Medizin, Mathematik, Wirtschaftswissenschaften, Geschichte). Dort kann man durch Fusionen und/oder engere Kooperationen effektiv sparen, ohne reizvolle regional oder landesweit einzigartigen Blumen mit der Wurzel auszureißen. Wieso kommt nie ein Mensch darauf?
Ohnehin ist es meiner persönlichen Meinung nach, eine Katastrophe, daß man die Gelegenheit zur Fusion der großen Universitäten Anfang der 90er Jahr nicht genutzt hat. Universitäre Grabenkämpfe dürften dafür wohl ausschlaggebend gewesen sein.
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