Archive für 2.11.2006

Beziehung, Partnerschaft, Treue

Es ist ein altes Thema: ein Mensch mag auf die Dauer nicht alleine leben - ohne einen anderen Menschen an seiner Seite, meine ich hier.

Also macht man sich auf die Suche. Kontaktmöglichkeiten gibt es dieser Tage ja zahlreiche: sei es, daß man Kontaktanzeigen in Stadtmagazinen wie SIEGESSÄULE oder dergl. schaltet, sich in Clubs und Cafés der Szene umtut, oder hier im WWW es über internetportale versucht.

Ganz Verzweifelte versuchen es vielleicht auch mit Partnerschaftsvermittlungen oder widersinniger Weise gar an Orten, wo man eher den schnellen und anonymen Sex sucht.

Soviel zur Partnersuche an sich.

Hat man ihn (oder sie) dann erstmal gefunden, beginnt das eigentliche Drama, denn man kann auf die Dauer nicht ohne, aber viele können auch nicht mit.
Wieso?
Eine Möglichkeit mag sein, daß man schlichtweg den falschen Partner gewählt hat. Einige Gemeinsamkeiten sollten schon vorhanden sein (sehr empfehlenswert für Beziehungsgeschädigte ist die Komödie “Therapie zwecklos” von Robert Altman mit Jeff Goldblum u.a.; Originaltitel “Beyond therapy”).

Man muß ja nicht vollends deckungsgleich in Ansichten, Hobbys, Interessen und Ambitionen sein, denn - zumindest meiner bescheidenen Meinung nach - liegt der Reiz der Partnerschaft (und in zwischenmenschlichen Beziehungen überhaupt) darin, Neues mit dem Partner kennenzulernen, seinen Horizont in Erfahrungen zu erweitern. Selbst wenn die Beziehung mal scheitern sollte, kann man so davon etwas für sich gewinnen, wenn man offen dafür ist. Es mag zwar für manche ausreichend sein, im Prinzip ein Abziehbild seiner selbst neben sich auf der Couch sitzen zu haben - aber ich denke, das wird auf die Dauer langweilig. Neues kennen lernen ist für mich wichtig. Ich habe eine Beziehung, die mich bereichert - auch noch nach mittlerweile fast acht Jahren. Man muß sich die Ansichten und Standpunkte des Gegenübers ja nicht zu eigen machen, aber sie vermitteln dennoch neue Perspektiven und man kann lernen.

Was viele offenbar nicht bedenken, ist, daß man in einer Partnerschaft auf seinen gegenüber eingehen muß. Eine Partnerschaft heißt für alle Beteiligten, Kompromisse schließen. Es ist in einer Partnerschaft mehr als nur Händchenhalten, Küßchen und Sex miteinander.

Es gibt einige Punkte in einer Partnerschaft, die ungefähr gleichgewichtet, vorhanden sein müssen, damit eine Partnerschaft funktionieren kann.

  • Kompromissbereitschaft
  • Respekt
  • Vertrauen
  • Fürsorge und Verantwortung
  • Ehrlichkeit
  • Vergebungsbereitschaft
  • Treue

Die Kompromissbereitschaft geht, denke ich, allen voran, zieht die Vergebungsbereitschaft nach sich, sollte es mal zu einem Krach kommen. Vergeben hat wieder andere Bedingungen, nämlich Vertrauen, Respekt und Ehrlichkeit. Fürsorge und Verantwortung sind auch wichtig. Ich widme mich jetzt erstmal den Begriffen Treue und Ehrlichkeit, die von einander abhängig sind. Treue setzt Ehrlichkeit voraus, aber auch immer die Kompromiss- und Vergebungsbereitschaft. Treue ist nicht gleichzusetzen mit Monogamie. Treue ist ein umfassenderer Begriff, als die reine sexuelle Treue, die es auch in Beziehungen geben mag, weit seltener als vorgegaukelt, weit seltener ehrlich gelebt, als behauptet und missbraucht.

Zunächst muß man sich selbst treu sein können, um anderen gegenüber Treue erweisen zu können. So wie man andere nur lieben kann, wenn man sich selbst ausreichend liebt.

Weswegen ich das anspreche: Ich erlebe immer wieder in diversen Kontakten und Gesprächen in cruising-areas Personen, die mit mir darüber ins Gespräch kommen, daß man in der Beziehung doch eigentlich keinen auswärtigen Sex haben sollte. Ich kann mit dieser Einstellung leben, wenn sie auch gelebt wird, d.h. wenn jemand, der gebunden ist und diesen Standpunkt auch vertritt eben nicht rumhurt. Nur viele tun es nicht, sagen aber, sie würden ihren “Freund” sofort verlassen, wenn sie erführen, daß dieser mal fremde Früchte nascht.

Ich frage mich dann: “Von welchem Freund spricht der?” Er kann nämlich keinen Freund haben. Mit Freunden geht man so nämlich nicht um. Da fehlt der Respekt, da fehlt die Bereitschaft zur Vergebung, da fehlt die Bereitschaft zum Kompromiss. Das ist schlichtweg gelebte Bigotterie.

Ihr denkt, nur weil Ihr schwul seid, wäret Ihr automatisch tolerant? Was ist das denn für eine verlogene Annahme? Auch Schwule sind bigott, falsch, verlogen, engstirnig etc. oder können es sein.

Ein Mann, der sowas wie das obengenannte, erwähnt, hat in meinen Augen keinen Freund, sondern einen bevorzugten Beischlafpartner, vielleicht auch einen Mitbewohner, wenn man zusammen lebt, aber eben mangels Respekt, Vergebungs- und Kompromissbereischaft, mangels Treue keinen Freund. In meinen Augen verleugnet er seinen Partner auch, da er ihn gering schätzt, nicht als ebenbürtig und gleichberechtigt sieht. Wer sich die Freiheit nimmt, mit Dritten rumzuficken, muß auch den Kompromiss eingehen, dieses seinem Partner zuzugestehen. Ob der es dann tut, sei ihm überlassen.

Einem Freund zollt man auf jedem Fall Respekt, man vertraut ihm, verzeiht (nicht alles, da hat jeder seine individuellen Grenzen), schließt eben Kompromisse. Man macht seinen Freund nicht nieder, verleugnet ihn nicht, macht ihn nicht zur Schnecke - wenn er ’s nicht verdient hat!

Polygamie ist für mich auf jeden Fall kein Grund, meinen Freund zur Schnecke zu machen - so lange er mich nicht verleugnet oder mein Vertrauen missbraucht. Dazu gehört auch die Verantwortung und Fürsorge in der Partnerschaft in puncto Geschlechtskrankheiten.

Ich wäre nicht bereit, eine Beziehung zu nichte zu machen, die ich mir seit November 1996 mühsam aufgebaut habe, wg. einer Lapalie. Da braucht es schwerwiegende Gründe, die unverzeihlich sind und das Band des Vertrauens unwiderruflich zerstört haben.

Eine Partnerschaft ist ein Bündnis, ein Vertrag, den man miteinander schließt, ohne ihn aussprechen zu müssen. Dieses Bündnis hat Regeln und die Basis jener Eigenschaften, die ich oben gelistet habe.

Noch ein Rat an die youngsters und Bubis: Sagt nicht so leichtfertig: “Niemals nie würde ich meinen Freund betrügen und fremd gehen!” Seid lieber vorsichtig mit solchen Aussagen, macht Eure Erfahrungen, lebt. Aber seid um Gottes Willen nicht so vorlaut und -eilig mit Behauptungen und Eiden bei der Hand, die Ihr später vielleicht nicht bewahrheiten und dann in Folge bereuen könntet. Denn das müsst Ihr tun: Euch finden im Leben, Euren Platz, Euch behaupten und bewahrheiten. Das nennt man dann Treue zu sich selbst!

Pädophilie & Kinderpornographie

Ein immer heikles und besonders mit dem Schwul-sein assoziiertes Thema ist die Pädophilie. Sie ist trotz Schutzalters und verschiedener Strafgesetze nicht zu beseitigen, sondern scheint ein tief in uns Menschen bzw. vor allem in uns Männern verankertes (Fehl-)Verhalten sexueller Natur zu sein. Warum nun vor allem Schwule immer wieder mit Kinderschändern in einem Atemzug genannt werden, ist mir ehrlich gesagt ein Rätsel. Wenn ein Fall publik wird, so sind es nicht selten verheiratete Männer, meist sogar die eigenen Väter, die ihre Kinder (nicht nur die Söhne, was eindeutig unschwul ist) vergewaltigen (Mißbrauch klingt mir irgendwie zu harmlos: als würde man ein Küchengerät zweckentfremdet verwenden, was dieses Verbrechen banalisiert bzw. die Opfer auch noch verdinglicht!).

Der Brockhaus sagt folgendes dazu:

Pädophilie,
Bezeichnung für das sexuelle Interesse erwachsener Männer oder Frauen, das sich auf Kinder und Jugendliche richtet. Gesellschaft und Recht schützen Kinder und Jugendliche vor Pädophilie, weil Erwachsene ihnen körperlich, finanziell und in ihrer Überzeugungskraft meist stark überlegen sind und weil viele Kinder und Jugendliche aus Angst, Unsicherheit oder Hilflosigkeit zu sexuellen Handlungen gedrängt werden können, die sie nicht wollen und die ihnen schaden (Schutzalter, Sextourismus, sexueller Missbrauch). Menschen mit pädophiler Sexualität dürfen diese nur in Rollenspielen mit anderen Erwachsenen straffrei ausleben. “

© 2002 Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG

… und verweist auf die in Klammern genannten Einträge.

Schutzalter.
Sexuelle Handlungen an und mit Kindern unter 14 Jahren sind in Deutschland grundsätzlich verboten und nach § 176 Strafgesetzbuch (StGB; Anmerk. des Zitierenden) strafbar. Die Grenze von 14 Jahren nennt man absolutes Schutzalter. Für Personen, die Jugendliche erziehen, ausbilden, beaufsichtigen oder betreuen, ist deren Schutzalter auf 16 Jahre, für Eltern und Adoptiveltern auf 18 Jahre heraufgesetzt. Ansonsten machen sich Erwachsene strafbar, wenn sie die Unerfahrenheit oder eine Zwangslage von Jugendlichen für sexuelle Handlungen ausnutzen oder den Jugendlichen Geld für sexuelle Handlungen anbieten (§ 182 Strafgesetzbuch). Es spielt keine Rolle, ob ein Mann oder eine Frau der Täter ist, ob der Täter selbst sexuelle Handlungen vornimmt, ob er sie von dem Kind oder Jugendlichen vornehmen lässt oder ob ein anderer Erwachsener dies an seiner Stelle tut. In allen Fällen sind Mädchen wie Jungen geschützt.

© 2002 Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG

Leider ist das oftmals nur die Theorie! Wenn man sich im Netz umschaut, gibt es reichlich Angebote für diese und andere sexuelle “Spielarten” (Ich nutze dieses Wort, wohlweislich das es zu harmlos bzw. verharmlosend ist, deshalb habe ich es auch in Anführungzeichen gesetzt, doch da ich mich hier nun nicht mehr nur auf die Vergewaltigung von Kindern und Jugendlichen beziehe, sondern auch auf Dinge bzw. Spielarten, die nicht kriminell sind sondern allenfalls anderen (u.a. mir) pervers und abartig erscheinen bzw. nicht anregend, kann ich nicht generell von Verbrechen sprechen.) Es gibt zu viele (also mind. eins) Angebote, wo Kinderschänder und andere Leute ihre Triebe befriedigen können, und an denen nicht selten auch große Firmen mitverdienen - und sei es nur, daß sie bei der Kreditkartenabzocke mitmachen.

Was hat das jetzt mit Schwul-sein zu tun? Nun, wenn man es aufmerksam gelesen hat, dann nicht sehr viel, aber doch ausreichend, als daß man sich bisweilen mit derartigen (grundlosen) Anschuldigungen konfrontiert sieht. Schwul bedeutet für nicht wenige = Kinderschänder.

Was mich dabei auch erschreckt, daß viele Kindersexseiten auch in große Suchmaschinen wie Google oder Yahoo eingetragen sind und so für jede/-n Interresierte/-n aufzufinden sind. (⇒ sh. auch)

Nachtrag vom 06.10.’06: Was auch sehr schwer ist, ist die Grenze zu ziehen zwischen dem, was als krankhaft gelten kann und was nicht. Ich weiß nicht, ob man Pädophilie als Krankheit behandeln soll oder nicht. Denn wer sagt einem, daß man nicht auch Schwulsein dann als Krankheit betrachten muß? Ich will damit nicht sagen, daß Pädophilie straffrei sein soll - nur ist es eine Krankheit? Oder ist es eine echte sexuelle Neigung, die von der (vermeintlichen) Unschuld der Kinder geweckt wird? Ist es vielleicht auch basierend auf natürlichen Schutz- bzw. Beschützerinstinkten beruhend?

So oder so: man beeinflußt mit dem Ausleben seiner Pädophilie Menschen, die noch in der Entwicklung sind, und eventuell noch keine klare Vorstellung von ihrem eigenen sexuellen Ego haben. Man nutzt den Vorteil schamlos aus, den man als Erwachsener hat - nämlich eine größere Lebenserfahrung. Selbst wenn das Kind zustimmen sollte - wieso tut es dieses? Womit wurde es gelockt? Womit hat man gedroht? Gibt es eine Beziehung dieser Art ohne Abhängigkeiten? Kann ein Kind wahrhaftig einschätzen, worauf es sich einlässt?

Zwar werden Kinder auch oft unterschätzt - aber ich denke, man sollte in Sachen Pädophilie und all ihren Spielarten Kinder beschützen (auch vor sich selbst!).

Jugendschutz im internet (auch unter schwulen Aspekten)

Nach dem Amoklauf im Erfurter Gutenberggymnasium und vermutlich offensiven Beschwerden verschiedener Landeskriminalämter wurden die Gesetze und Bestimmungen zum Jugendschutz in Deutschland 2002 überarbeitet.

Mitunter wurde dafür 2003 im April die Kommission fü Jugendmedienschutz (KJM) gegründet. Sie soll allgemeinverbindliche Regeln für den Schutz der Jugend in Sachen Medien und damit auch in Sachen internet festsetzen. Die hat auch gleich angekündigt, daß es nun Ernst werde mit dem Jugendschutz - vor allem für Anbieter pornographischer Medien und Inhalte (?). Demnach müssen u.a. Anbieter von pornographischen Inhalten im internet sicherstellen, daß ihre Kunden volljährig sind. Ein einfacher Check der Personalausweisnummer, die kostengünstigste Methode, ist unlängst von einem Gericht als unzureichend erkannt worden (⇒ vergl. hier). Man einigte sich wohl innerhalb der KJM auf ein modifiziertes PostIdent-Verfahren, um sicherstellen zu können, daß die Konsumenten von deutschen Anbietern pornographischen Materials volljährig sind (nach deutschem Recht).

Das vorgeschlagene PostIdent-Verfahren sieht vor, daß der Interessent sich unter der Vorlage eines ausgedruckten und ausgefüllten Formulars des Inhalteanbieters und seines eigenen Personalausweises oder Reisepasses in einer deutschen Postfiliale identifiziert. Die Post versendet nach positiver Prüfung der Volljährigkeit das Formular an den Anbieter der gewünschten Medien, der wiederum zur Freischaltung dem Kunden mitunter einen USB-stick per Post schickt, der als Freischaltschlüssel immer mit dem PC verbunden sein muß, um die pornographischen Medien konsumieren zu können.

Daß dieses Verfahren für Firmen, die global agieren kein geeignetes ist, leuchtet jedem sicherlich schnell ein (nur Beamten offenbar nicht), denn wie soll man bspw. einen Interessenten aus Bangkok in eine deutsche Postfiliale kriegen? Muß der vorher noch seine Ausweispapiere übersetzen lassen? Wer bezahlt das Flugticket?

Sicherlich ist das auch überspitzt formuliert. Es scheint Anbieter zu geben, die eine andere Lösung gefunden haben: über18.de bietet Firmenkunden mitunter einen Jugendschutzbeauftragten und Privatkunden den Zugang zu mehreren dutzend Seiten - inkl. gewährleistetem Jugendschutz.

Treten wir ein bisschen aus dieser Situation heraus und betrachten das ganze aus etwas mehr Distanz: Wie verhält es sich mit dem deutschen Jugendschutz im Verhältnis zu EU-Richtlinien, die den freien Warenverkehr absichern sollen (⇒ vergl. hier)? Wären Investitionen in die Bildung beim Jugendschutz nicht vielleicht effizienter?

Laut eigenen Angaben sind die Anbieter von erotischen und pornographischen Inhalten der einzige deutsche internet-Wirtschaftszweig in den schwarzen Zahlen - noch!

Ich erfuhr durch eine AGB-Änderung des schwulen internetportals GayRomeo GayRomeo von der ganzen Sache und davon, daß die neuen Bestimmungen jetzt ernsthaft umgesetzt werden sollen, wenn auch noch nicht ganz klar ist, wie das wirklich aussehen soll. Bisher gibt es wohl keine 100%ig zufriedenstellende Technik. Die ersten Klagen laufen schon, die Branche ist in Aufruhr und es besteht Rechtsunsicherheit. GayRomeo GayRomeo beschloß daher bspw. den Umzug ins Ausland, um die nicht-jugendfreien Inhalte für die Nutzer bezahlbar zu halten und den Verfikationsprozess in einem nicht allzu aufwändigen Verfahren einzuhalten. Die Verhältnismäßigkeit der anzuwendenen Mittel steht wohl in keiner Relation zur Ökonomie - zumal es kein Verfahren bisher gibt, daß wirklich garantierten Schutz bietet. So zumindest der Tenor der Fachpresse.

Etwas irritiert bin ich davon, daß die von mir ⇒verknüpften Artikel überwiegend aus dem Jahr 2003 stammen, GayRomeo aber erst 2006 umzieht. Das kann nur heißen, daß erst vor kurzem (innerhalb des letzten halben Jahres) eine wirkliche Festlegung der 2003 gegründeten KJM auf das hierbei im Gespräch befindliche PostIdent-Verfahren in der Modifikation der KJM stattgefunden haben kann. Diese Tatsache und andere, die ich heute erst rausgefunden habe, schreien nach einer weiteren Behandlung des Themas innerhalb dieser Seiten. Mal sehen …

Jugend & Kinder

streetballKinder und Jugend - selbst als Schwuler kommt man um dieses Thema nicht wirklich herum. Nicht nur weil man in manchen Kreisen diskutiert eventuell welche zu adoptieren, oder weil gerade die Schwägerin oder die Schwester (mal wieder) schwanger ist. Nein, da gibt es auch so “dumme” Sachen wie Jugendschutz und Kinderficker. Wer glaubte, als Schwuler sei man da außen vor: Pustekuchen! Mitunter sind Schwule mittendrin in der Diskussion oder zumindest Gegenstand: bspw. in Bezug auf den Straßenstrich. Manche Bordsteinschwalben sind nämlich Männer oder eben teilweise noch nicht! Aber nicht nur das. Mit der Jugend, vor allem der schwulen, kommen wir auch in der Szene in Berührung, mit der Jugend allgemein auch in der U-Bahn und vielleicht auch am Arbeitsplatz (Azubis, Praktikanten etc.).

Ich habe in diesem Forum noch einige weitere (echte) Beiträge zu diesem Thema, die näher auf die Relationen zwischen mir bzw. meinem Umfeld und Kindern/Jugendlichen eingehen.

Nazis in Schwulen Netzportalen

Es gibt hierzu in einigen Schwulenmagazinen dieser Tage (u.a. Märzheft 2006 sergej, S. 24f) einen Artikel mit dem Titel “Tunten und Türken unerwünscht”. Die Recherchemethoden zu diesem Artikel sind m.E. fragwürdig (ein fakeprofil wurde erstellt und wahllos (?) wurden private User auf Kontaktwunsch mit einem “Nazi” getestet). Ich nenne diese Recherchemethode mal … unkonventionell. Nichts desto trotz spricht der Autor ein heikles Thema an. Inwiefern müssen, sollen, können Portalbetreiber dort eingreifen und “Braunen” die Agitation verbieten? So wie der Kampf gegen die gefälschten Profile an sich, ist auch der Kampf gegen “Braune” eine Art Kampf gegen die Windmühlen. Redlich ist, wer ihn dennoch aufnimmt.
Nebenbei bemerkt macht die Bewunderung für das künstlerische Schaffen Leni Riefenstahls eine Person nicht automatisch zum (Neo-)Nazi. Die Dame gab sich im Nachhinein sehr naiv - was sie wirklich wußte, dachte und fühlte in Bezug auf das Naziregime, werden wir wohl nie erfahren. Leni Riefenstahl war aber zweifelsohne nicht unbegnadet - rein künstlerisch betrachtet.
Viele Bewunderer haben und hatten - trotz Nazikontakten und einer großen Karriere zu jener Zeit - Heinz Rühmann, Hans Albers, Zarah Leander etc. pp. Werden deren Bewunderer automatisch zu den Nazis gezählt? Ist mir nicht bekannt. Also sollte man auch hier fein differenzieren.
Wer im übrigen nun mich des Nazikultes verdächtig findet, muß wohl strohdoof sein. Nun gut - dumm fickt gut … *kopfschüttel*
Ich bin mir aber nicht so sicher bezgl. der Schlußfolgerungen, die andere in und aus diesem Artikel ziehen: Es ist nicht - sicherlich nicht - nur die pure Geilheit angesichts eines vermeintlich strunzgeilen Kerles, daß das Hirn und der Verstand in die Hose sacken und man(n) auf solche Typen anspringt. Ovo Maltine (die Berliner Polittunte schlechthin; Gott hab sie selig) sagte einmal - wie ich finde zu Recht -, daß in jedem von uns in gewisser Weise ein kleiner (?) Nazi haust. Wir alle tragen in uns eine gewisse Xenophobie (Angst vor dem Fremden, Fremdartigen). Diese Angst muß von jedem, teils jeden Tag auf’s Neue überwunden werden, damit wir überhaupt neue Kontakte knüpfen können. Woher diese Xenophobie stammt, ist nicht ganz klar - mir zumindest nicht (vielleicht kann mich ja jemand aufklären), aber sie steckt in jedem von uns und ist in jedem unterschiedlich stark ausgeprägt. Bestimmte erlernte Kulturtechniken können helfen, diese Angst jedesmal auf’s Neue zu überwinden.
Der Autor des Artikels spricht aber nicht nur von Privatkontakten und der puren Geilheit, die den Verstand beiseite schiebt - er spricht auch von der Duldung einiger Diskussionsforen innerhalb der angesprochenen Plattformen. Manche dieser Foren tarnen sich als Diskussionsforen für sogenannte Pagane (?), Menschen, die sich selbst als Nichtchristen bezeichnen, Anhänger vorchristlicher Naturreligionen. Ein Stichwort ist hier mitunter die “Schwarze Sonne”. Sie wird oft oder zumindest nicht selten durch ein (spiegelverkehrtes[?]) Hakenkreuz symbolisiert (vergl. “Schwarze Sonne”, Wikipedia; ich bitte zu beachten, daß Wikipedia ein freies Werk ist, in dem nahezu jeder sein “Wissen” verbreiten kann, nach einem ersten Durchlesen halte ich es angesichts der Literaturliste aber durchaus für lesenswert).
Viele rechtfertigen ein Tattoo in dieser Form mit Hinweisen auf ältere, vorchristliche Ursprünge. Diesen Leuten sei einmal gesagt: dieses Symbol - vollkommen gleich welchen Ursprung es hat (d.h. an sich ist es nicht vollkommen gleich, sollte es wider andere Behauptungen tatsächlich originär Nazisymbolik sein, umso schlimmer!) - hat seine Unschuld verloren. Wer es nutzt - trotz des Wissens um die Bedeutung innerhalb des Dritten Reiches und den Huldigern jener Zeit - findet sich m.E. ganz zu Recht konfrontiert mit einem Rechtfertigungszwang. Man kann die Unschuld nicht zurückerlangen!
Es grenzt in meinen Augen fast an Idiotie, wenn jemand in Europa die nationalsozialistische Verwendung dieses Symbols, welchen Ursprung nun es auch immer haben mag, herunterspielt oder es verwendet und aber auf andere angeblich ältere Ursprünge hinweist. Dieses Symbol hat unter den Nazis dazu gedient, Terror und Schrecken zu verbreiten - überall dort, wo diese Flagge gehisst wurde, wurden Menschen aufgrund nichtiger Vorwürfe und Vorwände gefoltert, verstümmelt und abgeschlachtet. Wer dieses ignoriert … hat intellektuell versagt!

Es gibt zwei sehr schöne, aber auch zweischneidige Zitate in Bezug auf die Foren, die bspw. in einem offenen Antwortbrief an die User die Administratoren des ⇑ internetportals GayRomeo in Bezug auf diese Artikel:

Rosa Luxemburg: „Freiheit ist immer die Freiheit des Andersdenkenden“

Benjamin Franklin: „Wer grundlegende Freiheiten aufgibt, um vorübergehend ein wenig Sicherheit zu gewinnen, verdient weder Freiheit noch Sicherheit.“

Das Problem dieser Zitate ist, daß man sie auf Personen anwenden will, die keine Rücksichten auf die Freiheiten anderer nehmen wollen. Ferner ist vor allem Franklins Ausspruch auch abwandelbar: Franz Müntefering wurde ja in den Mund gelegt: “Wer arbeitet, soll auch essen, wer nicht arbeitet, braucht nicht zu essen.” Wer was verdient oder nicht, ist eine Frage, die man niemals in ein Bonmôt tun sollte. So etwas braucht Zeit zur reiflichen Überlegung. Es gibt Rechte, die unser Grundgesetz nicht ohne Grund als “unveräußerlich” betrachtet. Niemand kann einem das Recht auf Freiheit, Leben oder körperliche Unversehrheit absprechen. Prinzipiell! Bei der Freiheit ist das so eine Sache: schließlich kann sie einem im Rahmen der Strafgesetzgebung genommen bzw. eingeschränkt werden. Aber diese Diskussion führte hier zu weit …