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Blogroll
Empfehlung
persönlich
Aus dem Leben eines Buchhändlers …
… wie ich schon schrieb, arbeite ich im Buchhandel.
Heute war ein schöner und ereignisreicher Arbeitstag. Ein Kollge kam vorbei, dessen Stelle ich übernahm, weil er in eine andere Filiale wechselte und wies mich nochmal auf Besonderheiten der Abteilung hin, gab mir wertvolle Tipps und Anregungen, Hinweise bezgl. der Verlage und das Recherchieren interessanter Angebote.
Als er dann fort war und ich in der Abteilung noch ein wenig Ware zu verräumen hatte, kam noch eine “Kundin”, die mich bat, ihr die politische Abteilung und die Geschichte zu zeigen, was ich bereitwillig tat. Ich nahm anfangs an, diese Frau sei eine Kundin mit hohen Ansprüchen … es stellte sich aber im Verlauf des Kontakts heraus, daß sie eigentlich nicht wirklich Bücher suchte, sondern sich eher darüber abfällig äußern wollte, daß sie bestimmte Bücher seit der Wendezeit nicht mehr in Buchhandlungen und/oder Bibliotheken finden konnte, die sich - ihrer Meinung nach korrekt - mit Stalin als Person und Monster beschäftigen. Wörtlich sagte sie: “Hitler war ja gegen Stalin ein Waisenknabe”. Mir fielen fast die Bücher aus der Hand, als diese Worte ihre Lippen verließen.
Vom Thema Stalin kam sie auf das Thema Demokratie, Linkspartei.PDS, Gregor Gysi, Gauck-Behörde, Oskar Lafontaine etc.pp.
Ich stellte fest, daß diese Person, die da heute abend in unserer Buchhandlung scheinbar ein williges offenes Ohr für ihre teils abfälligen Auslassungen auch über Ostdeutsche gefunden hatte, nichts wirklich kaufen wollte und mich von meiner eigentlichen Arbeit abhielt. Als ich mich kurz einer anderen Kundin, die eine echte Kaufabsicht hatte, zuwandte, sagte die ältere Dame noch nichts. Ich bat sie sogar um Entschuldigung für die kurze Unterbrechung. Als ich kurz darauf jedoch von der Klingel ans Abholfach, wo die Kundenbestellungen ausgegeben werden, gerufen wurde, und die Frau erneut um Entschuldigung bat, wurde sie - nunja, nicht ausfallend, doch machte sie eine abfällige Bemerkung und wandte sich zum Gehen. Ich schaute ihr ratlos nach, schaute fragend den am Abholfach wartenden Kunden an und schüttelte den Kopf, um mich dann gänzlich diesem Kunden zu widmen.
Ich dachte mir nichts Böses, nahm meine Beschäftigung wieder auf, die noch zu verräumende Waren unterzubringen, als die Dame nochmals zurückkam, um sich über mich zu beschweren. Ich lieh ihr erneut mein Ohr und wies sie auf die Möglichkeit hin, direkt bei der Filialleitung vorstellig zu werden: die Chefin stand gerade am Kassentresen.
Die “Kundin” ging nicht darauf ein, warf mir an den Kopf ein Undemokrat zu sein und ein verbiesterter Ossi. Und man könne sie als Kundin doch nicht so behandeln. In meinen Augen schlug sich damit selbst ins Gesicht. Weder war sie eine Kundin: sie hatte nichts gekauft, mich unnötig lange belagert und zugeschwafelt, behauptete nach ihrer Rückkehr Dinge über meine Person, von der sie keine Ahnung hatte. Als sie mich nach meinem Namen fragte, wies ich sie auf mein Namensschild auf der Brust hin und gab ihr meine Zustimmung zu ihrer (absurden) Beschwerde. Als sie endlich den Laden verließ wünschte ich ihr noch einen schönen Abend und …
hatte genug für diesen Tag.
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