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Politik, politische Meinungsbildung und persönliche Aspekte
Wie bilden wir uns eine Meinung? Was ist ausschlaggebend, was ist irrelevant?
Ich kam in den letzten Tagen und Wochen nicht umhin, mir diese Frage mal zu stellen, da ich mich doch - im Nachhinein betrachtet - recht unvorbereitet auf ein Territorium wagte, auf dem ich mit teils weitaus versierteren Personen zusammentraf, Personen, die sich scheinbar auf diversen politischen Bühnen und Themenfeldern irgendwie besser auszukennen schienen, zumindest aber über mehr Faktenwissen verfügten. Wie kam es also, daß ich es wagen konnte, dieses Forum zu betreten, in dem diese Personen sich scheinbar schon seit Äonen bewegten? Wo hatten die ihr wissen her? Wieviel mußten diese Personen, um an dieses Wissen zu gelangen, schon zuvor konsumiert haben?
Gemeinhin würde ich ja sagen, man brauch sich nur mit der Lektüre einer Tageszeitung begnügen, um an solches Faktenwissen heran zu kommen. Dieses war wohl ein Irrtum. Eine Zeitung scheint nicht zu genügen. Zeitungen allein scheinen nicht zugenügen. Man muß offenbar noch viel mehr an Lektüre konsumieren. Bücher also - nur welche? Alle? Wie kann man dafür soviel Zeit aufbringen? Woher nimmt man diese Zeit?
Um sich eine fundierte politische Meinung aneignen zu können. Kann es auf jeden Fall nicht genügen, Boulevardzeitungen zu konsumieren. Man kann sich offenbar allein auch nicht auf eine Zeitung konzentrieren, um ein umfassendes Bild von der politischen Realität zu bekommen. Aber welche Zeitungen, welche Magazine, welche Bücher sollte man lesen?
Eines ist mir auf jedenfall klar: Wer mir Elizabeth George als politische Lektüre verkaufen will, muß eine sehr geringschätzige Meinung von mir haben. Zur Aufklärung: Elizabeth George ist eine Kriminalschriftstellerin, eine sehr erfolgreiche zudem, zumindest was die Verkaufszahlen anbelangt. Sollte jemand sich in einem politischen internetforum bewegen, in dem jemand einem den Titel “Wer die Wahrheit sucht” von Elizabeth George als politische oder weltanschauliche Lektüre ausgeben will, der sollte jenen Menschen mit Vorsicht “genießen”. Dieser Typ will einen offenbar für saublöd verkaufen. Genauso gut könnte ich einen Harry-Potter-Roman oder irgendeinen Politthriller als politische Lektüre angeben. Romane, gleichgültig wie tief sie in die jeweilige Materie eindringen, gleich wie wissenschaftlich fundiert sie auch sein mögen, bleiben doch Unterhaltungsliteratur - auch wenn sie gut recherchiert sein mögen.
Nun, wie kommen wir nun aber zur korrekten Lektüre? Wie breit muß sie im weltanschaulichen gefächert sein, damit wir ein (ungefähres) Bild vom Geschehen in der Welt bekommen? Inwiefern muß der menschliche Intellekt durch zusätzliche Lektüre stimuliert sein, daß man irgendwann zu dem Schluß kommen kann: “Hier stehe ich, das ist meine Meinung!” Reicht die Schulbildung aus oder muß da mehr kommen?
Welche persönlichen Aspekte spielen bei der Ausrichtung der politischen Ortsbestimmung eine Rolle? Welche Gewichtung bekommen Religion, Hautfarbe, Nationalität, Geschlecht und Geschlechtsleben, Beruf und Berufung für die Suche nach der politischen Heimat?
Seit längerem ist mir ja schon klar, daß zumindest unter schwulen Männern es nicht als selbstverständlich gilt, daß man seine politische Heimat eher im liberalen bis sozialistischen Spektrum verortet. Nicht nur, daß Schwule und Lesben sich durchaus selbstbewußt unionsnah zeigen, sondern es gibt zumindest auch unter schwulen Männern eine Teilmenge, die sich rechts von der Union positioniert und auch außerhalb des demokratischen Spektrums steht. So wie es scheinbar widersinniger Weise Russen gibt, die Adolf Hitler verehren (obwohl die Propaganda der Nazis und Hitler selbst, die Russen als Untermenschen bezeichneten, wenn ich nicht irre), so gibt es auch viele Schwule, die sich von rechten Männerbünden angezogen fühlen, obwohl sie wissen müssten, daß ein Homosexueller, der seine Sexualität auslebt, ebenso als minderwertig galt/gilt, da er für das Überleben des Volkes sich nicht körperlich einsetzt/-e, wenn er sich einer Sexualität hingibt/-gab, die keinen Nachwuchs bringt/brachte. Auch Menschen, die die Sexualität nur um ihrer selbst wegen und aus reinem Spaß ausleben und -lebten, sind im System der NS-Ideologie nicht viel Wert (gewesen), wenn sie nicht auf Reproduktion ausgerichtet sind/waren. (sh. auch)
Wie bestimme ich also meine politische Position als Arbeiter/Angestellter, als Student, als Schwuler, als Mann, als Weißer, als Katholik pro forma (will meinen: nicht aktiv, aber registriertes Mitglied der röm.-kath. Kirche), als Deutscher, als Europäer, als Mensch, der viele Eigenschaften auf sich vereint? Kann man als Mensch, in einem Staat, der sich als parlamentarische Demokratie begreift, und so konstituiert ist, und bei aller Kritik an dieser bestehenden Verfassung von den meisten auch so begriffen wird, sich eine endgültige Meinung überhaupt bilden, wenn es das Prinzip der Demokratie ist oder sein sollte, keinen Stillstand zu kennen, sondern fortwährend sich weiter zu entwickeln, das Wohl aller fest im Blick?
Das Hauptargument gegen die Gegenwart der Bundesrepublik Deutschland kann und darf meines Erachtens nicht die Verfassung sein. Es ist und kann nur die Kritik an den gewählten Vertretern und ihrem Handeln sein. Das System an sich ist gut, wenn auch durchaus hier und da noch immer verbesserungswürdig, die Akteure sollten uns Sorgen machen. Die Akteuere sind nicht zuletzt auch wir, an den Wahlurnen! Bildet Euch Eure Meinung - aber bitte nicht allein mit der BILD!
2 Antworten auf “Politik, politische Meinungsbildung und persönliche Aspekte”
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5.6.2007 bei 00:05
Oh Du mein Schatz, um auf den Anfang des Artikels Bezug zu nehmen: Die Lektüre der Tageszeitung, verbunden mit Interesse für Tagesschau/heute und ganz besonders und unheimlich wichtig: gelegentlich mal “report” schauen, wenn’s nicht gerade aus München kommt, und “Monitor”, das Erbe des Herrn Bednarz an politisch interessierte nicht ausser Acht lassen. Damit sollte man eine solide Grundlage haben, um in politischen Diskussionen nicht völlig blöde da zu stehen.
Des weiteren bleibt auch zu bedenken, dass manche Leute “Tatsachen” so überzeugend in Foren darstellen, dass kaum jemand wagt, zu fragen: ähhh, is das so?”. Nur weil jemand aggressiv auftritt, heißt das nicht, dass er recht hat. Aus meiner Erfahrung in mathematischen Foren kann ich Dir versichern, dass solche Leute im Unrecht sind. Das beste, was man über sie sagen kann, ist - und das ist vermutlich auf politische Foren übertragbar- , dass ihre hahnebüchenen Aussagen gelegentlich dazu führen, dass man sich selber schlau macht und neue Erkenntnisse gewinnt.
Leider schweift Dein Artikel etwas (!?!) ab, so dass ich es beim Kommentar zum ersten Teil belassen möchte.