Archive für Februar 2008

Religion(en), Kirche(n) und Phantastik …

Beim Übertragen der letzten drei Beiträge, die einst auf meiner normalen Webseite (⇒ en-shandra.de) platziert waren, fiel mir auf, daß man in vielen phantastischen Werken Bezüge zu Religion und Kirche findet: ganz offensichtlich in “The Chronicles of Narnia” (C. S. Lewis) , “His Dark Materials” (Philip Pullman) und “The Prince of Nothing” (R. Scott Bakker) sowie “The Vampyre Chronicles” (Anne Rice). Etwas versteckter oder indirekter findet man die Bezüge bei Tad Williams (”Shadowmarch”, “Dragonbone Chair”, “Burning Man”), bis man sie schließlich schnell überliest (Joanne K. Rowling mit “Harry Potter” und John Ronald Reuel Tolkien mit “The Silmarillion” und “Lord of the Rings” [letzterer sucht nur nach einem alternativen Enstehungsmythos und einer Welterklärung außerhalb nach England importierter Mythen]).

Dennoch sind überall Bezüge zur Religion oder Kirche und sie sind nicht immer so krass atheistisch wie in “His Dark Materials” oder so offensichtlich messianisch wie in “The Chronicles of Narnia”. Anne Rice läßt ihre Leser hingegen allein am Verstand und der Ernsthaftigkeit Gottes (und des Teufels) zweifeln, der in einem harmlos anmutenden Streit mit einem seiner Engel ein alter Rechthaber ist (sie schlägt hier im übrigen eher der jüdischen Tradition nach, worin Satan zwar Gott widerspricht, aber ihm dennoch dient und irgendwie auch freundschaftlich zugeneigt scheint). Tad Williams hingegen lässt Misstrauen gegenüber jenen aufkommen, die die alten Göttergeschichten weitertragen und weitererzählen, sie ausschmücken, abändern und schließlich zu Lügen verkommen lassen, während die Götter selbst sich darum nicht scheren und man froh sein kann, daß sie einen nicht beachten … nicht so sehr …

GOTT … und Religion an sich, sind immer wieder - teils auch nur indirekt, Gegenstand der phantastischen Literatur … wieso?

Wird von jenen, die phantastische Literatur verfassen, GOTT so innig verehrt … oder gefürchtet? … was bewegt einen, sich wieder und wieder mit GOTT, der GOTTwerdung von Menschen, der Menschwerdung GOTTes etc. zu befassen? Was treibt diese Leute um? Und wieso geschieht das so häufig in jener Literaturgattung, die gemeinhin als trivial betrachtet wird? Ist GOTT trivial?

Ich muß zugeben: nicht selten sind in der phantastischen Literatur alte Mythen nicht nur aufgegriffen, sondern teils total verquast wiedergegeben oder komplett umgeschrieben. Einige Autoren nutzen sie als Versatzstücke, biegen sie zurecht, bis sie unkenntlich werden und passen sie ihren Bedürfnissen an.

Nicht selten existieren von alten Mythen mehrere Fassungen: eines der bekanntesten Beispiele findet sich in der Genesis: dort liegen zwei verschiedene Schöpfungsberichte vor. Außerhalb der Bibel existieren weitere Fassungen anderer Geschichten, die wir ansonsten durchaus aus der Bibel kennen.

Aber nicht nur die Bibel wird in modernen phantastischen Werken verwendet, auch antike nicht-christliche Mythen werden immer wieder aufgegriffen, teils neuinterpretiert oder komplett neu geschrieben (vergl. “Die Nebel von Avalon” von Marion Zimmer Bradley u. a.) .

Über die Arbeiten von J.R.R. Tolkien und J.K. Rowling

Es gibt Menschen, die streiten sich ernsthaft darüber, wer von den beiden genannten Autoren der/die genialere ist. Ich halte das für ziemlich schwachsinnig. Ich finde beide mit ihren Werken genial. Beide faszinieren sie mittels ihres Einfallsreichtums tausende Menschen, beide polarisieren sie (Tolkien wurde Rassismus, Rowling Satanismus vorgeworfen - beides meines Erachtens Vorwürfe, die man so nicht stehen lassen darf). Tolkien wehrte erfolgreich Versuche der Nationalsozialisten ab, sich für ihre Rassenpropaganda vereinnahmen zu lassen. Rowling als Satanistin hinzustellen ist ebenso an den Haaren herbei gezogen: sie schreibt über Hexen und Zauberer und unterscheidet sehr wohl zwischen guten und bösen Zauberern. Harry gehört zur guten Seite. Da soll niemand zum Satanisten gemacht werden. Außerdem bleibt es jedem Menschen grundsätzlich selbst überlassen, mit welchem Charakter er oder sie sich am ehesten identifiziert. Nur Menschen, die die anderen grundsätzlich als dumm und daher als leicht verführbar halten, gehen davon aus, daß man sich von Romanen phantastischer oder wie auch immer gearteter Natur sich “bekehren” ließe. Es gehört auch kein christlicher oder sonstwie gearteter Glaube dazu, andere Menschen zu verdammen. Dazu gehören nur Egozentrik und Arroganz.

Wenn man es genau nimmt, schreibt Rowling eigentlich eher in der Tradition Tolkiens und C. S. Lewis’ (Die Chroniken von Narnia; demnächst im Kino), welche sich beide durchaus in christlicher Tradition sehen, und auf ihre Art und Weise beschreiben sie (alle drei) den ewigen Kampf zwischen Gut und Böse. Am stärksten erkennt man die christliche Tradition wohl bei Lewis, der mit seiner zentralen Figur des Löwen Aslan eine Art Christusfigur geschaffen hat. Auch wenn man bei Lewis philosophische Elemente erkennt und das Christusbild ein recht viktorianisches zu sein scheint.

Es gibt zudem Menschen, die behaupten, die Werke Tolkiens seien mit denen Rowlings nicht zu vergleichen. Das stimmt so nicht, gibt es doch durchaus Ähnlichkeiten, sogar einige Parallelen. Auf der Seite Mugglenet.com gibt es eine Liste mit vergleichen zwischen dem “Herrn der Ringe” und den “Harry Potter”-Romanen. Doch diese dort genannten vergleiche hinken zum Teil stark.

Dementoren und Nazgûl

So halte ich es verkehrt, die Nazgûl nur auf Grund ihres Äußeren mit den Dementoren zu vergleichen. Zumal klar sein sollte, daß die Nazgûl Geister sind, während die Dementoren etwas anderes, etwas lebendiges (?) sind. Zumindest haben die Dementoren fleischliche Körper. Die Nazgûl waren einst Menschen, über das, was einstmals die Dementoren
gewesen sein mochten, wissen wir nicht viel - eigentlich nichts. Ich denke mal, sie sind schon immer Dementoren gewesen. Sie dürften eventuell Wesen sein, die seit Anbeginn der Zeit in einer festgefügten Zahl existieren, nicht sterben können, sich aber auch nicht vermehren. Ich kann mir kaum vorstellen, dass Dementoren Sex haben könnten. Ich denke mal, wenn, dann vermehren sie sich eher durch Zellteilung ;-). Es wäre eine interessante Frage, bezüglich der nur Mrs Rowling Abhilfe verschaffen könnte (etwas schwammig geht sie darauf im ersten Kapitel in Harry Potter and the Half-Blood Prince ein; Anmerk. des Verfassers). Sie kreierte diese Figuren als Wächter des Zauberergefängnisses Azkaban (vielleicht aber auch nicht - vielleicht gibt es mythische Wurzeln für diese Wesen). Doch ich denke mal, daß die Dementoren älter als Azkaban sind. Ob sie wirklich unsterblich sind, ist nicht ganz klar. Vielleicht könnte man ihnen durch Enthauptung ebenfalls den Garaus machen. Es wird nur beschrieben, daß der Patronuszauber sie
in die Flucht schlägt. Im Gegensatz dazu verlor bspw. der oberste Nazgûl auf den Feldern des Pelennor sein “Leben” durch die Hand einer Frau, nämlich Eowyn, Schildmaid Rohans, Nichte König Theodens. Die übrigen acht Nazgûl verbrannten wie Fackeln, als sie den Feuern des Orodruin zu Nahe kamen. Ihr Herr und Meister Sauron hatte sie dorthin befehligt in einem letzten verzweifelten Versuch, das Vorhaben Frodos zu vereiteln.

Der eine Ring und Harrys Tarnumhang

Auch der Vergleich zwischen dem Einen Ring und einem Tarnumhang ist ein sehr schiefliegender: der Ring korrumpiert, treibt einen in den Wahnsinn, der Tarnumhang verbirgt einen nur vor unfreundlichen Augen, er ist eher mit den Elbenmänteln zu vergleichen.

Dobby, Kreacher und Sméagol-Gollum

Was weniger daneben aber doch falsch formuliert ist, ist der Vergleich zwischen Dobby und Gollum. Der hinkt ziemlich, kann aber gerade gerückt werden: Gollum kann mit Kreacher verglichen werden, Dobby mit Sméagol. Sméagol-Gollum ist diese hübsch schizzophrene Figur, deren netterer Teil, nettere Persönlichkeit (Sméagol) wohl in einigen Punkten mit Dobby, deren böser Part (Gollum) mit Kreacher, dem Hauselfen der Familie Black (Orden des Phönix) zu vergleichen wäre.

Hauselfen und Elben

Ich habe nun keine Ahnung, wie man die stolzen und schönen Elben des Herrn der Ringe mit Rowlings dienenden, versklavten und zwar niedlichen aber eigentlich doch recht häßlichen Hauselfen vergleichen kann. Sicherlich sind beide mächtige Rassen. Doch erscheinen die Elfen in Harry Potter wie eine Schar von guten Geistern, die in ihrer Gutgläubigkeit versklavt werden. Dobby erzählt Harry in Band II, wie er von den Malfoys behandelt wird, in Band IV treffen wir mit Ron, Hermine und Harry bei der Quidditch Weltmeisterschaft Winky, die Hauselfe von Barty Crouch sr., die als verwahrloste Trinkerin später in Hogwarts’ Küche wieder auftaucht. Wir erfahren, daß die Elfen auch Geheimnisträger ihrer jeweiligen Familien sind. Die Malfoys waren eigentlich sehr vorsichtig im Umgang mit dem Hauselfen, als daß sie ihm keine Kleidung überreichten, darauf hatte Dobby hingewiesen. Mr Crouch senior handelte, wie wir aus dem Verlauf der Geschichte erfahren, voreilig, als er Winky Kleidung gab.
Und in Bezug auf Kreacher wiesen Sirius und Dumbledore Hermine darauf hin, daß man Kreacher auf gar keinen Fall freilassen durfte. Er könnte und würde sie an Voldemort verraten. Kommen wir zu den Elben, jenen stolzen Fürstengeschlechtern, Kriegern und Weisen Mittelerdes. Sie waren nicht nur ein hochgewachsenes schönes Volk, von der Gestalt im Prinzip den Menschen nicht unähnlich (was man ja nun von den Hauselfen nicht unbedingt sagen kann). Sie waren große Handwerksmeister (sie schmiedeten viele berühmte Schwerter, die drei Ringe, nach deren Besitz
Sauron auch strebte um die Elben letztlich auch zu unterwerfen, Círdan baute an den grauen Anfurten in Lindon die Schiffe für die Überfahrt in den Westen), sie waren die ersten Kinder Iluvaters, waren Seher, eine der begabtesten unter ihnen war Galadriel und neben ihr Elrond, der Halbelb, dessen Bruder das Inselkönigreich Numenor errichtete. Von ihm stammte auch Aragorn ab. Diese Elben waren ein freies Volk, groß im Kampf gegen Morgoth und Sauron, auch wenn sie zeitweilig Sauron zu sehr vertrauten. Ihre Rache war um so schrecklicher. (Alles nachzulesen im Silmarillion.)

Die Istari und die Zauberer

Die Zauberer(familien) bei Harry Potter sind Menschen, sie sind Menschen mit besonderen Begabungen. Woher diese Begabungen stammen, verrät Mrs Rowling nicht. Aber vielleicht gibt sie ja nach dem siebenten und letzten Band der Harry-Potter-Roman-Reihe noch eine Art Lexikon heraus, in der so etwas nachzulesen ist. Sie hatte so etwas zumindest laut angedacht (vergl. www.jk-rowling.com).
Die Zauberer sind also Menschen. Mr Tolkien schuf die Istari, von denen es genau fünf (Curumo alias Saruman, Olórin alias Gandalf, Aiwendil ist Radagast, und zwei weitere mit den Namen Aratar und Pallando, die wohl blaue Mäntel trugen; die Quellen dazu sind der Herr der Ringe selbst, das Silmarillion und Nachrichten aus Mittelerde) geben sollte, (im Herrn der
Ringe erfahren wir von dreien die Namen: Saruman der Weiße/Weise, Gandalf der Graue später der Weiße, Radagast der Braune; vergl. “Die Gefährten, Der Rat von Elrond”). Die Istari sind
keine Menschen, sie sind Maiar oder Valar, vermutlich eher Maiar. Das heißt, sie sind Wesen, die mächtiger waren als die Elben und von Anbeginn der Zeit existierten, sie waren bei der Schöpfung der Welt dabei, sind engelsgleiche Wesen.
Auch Sauron war ein Maiar, so wie sein Lehrer und Meister Melkor-Morgoth ein Valar war.
Lord Voldemort, der beim Versuch Harry zu töten seine Gestalt verlor, da sein Avada Kadevra Fluch auf ihn zurückfiel, war ein Mensch, ein Halbblut, ein weitgereister Zauberer, der sich tief in die Dunklen Künste eingegraben hatte und soviele Verwandlungen hinter sich gebracht hatte, daß niemand ihn mehr mit dem smarten Tom Marvolo Riddle in Verbindung gebracht hatte
(ich habe mich immer gefragt, wieso man Marvolo mit Vorlost übersetzte). Dieser Zauberer hatte schließlich nach vierzehn Jahren einen Weg gefunden, wie er sich wieder einen Körper erschaffen konnte (Feuerkelch). Sauron hatte es in über zweitausend Jahren nicht geschafft, sich einen
neuen Körper zu schaffen, nachdem Isildur ihm den Ring vom Finger schnitt. Sauron hatte zuviel von seiner eigenen Macht in den Ring geschmiedet, als daß er hernach noch fähig gewesen wäre sich einen Körper zu erschaffen. Sein Geist war aber mächtig genug, soviele Diener und
Sklaven um sich zu scharen, als daß er seine Festung Barad-dûr neu errichten konnte und ein riesiges Herr mit Hilfe der Orks aufstellen konnte.
Wenn man nun einmal so dreist ist, Sauron und Voldemort in eine zeitliche Linie zu setzen, so liegen zwischen ihnen ca. 5.000 - 8.000 Jahre menschlicher und magischer Entwicklungsgeschichte, denn Mr Tolkien betrachtete sein Silmarillion als alternativen Schöpfungsmythos für unsere Erde, den dritten Planeten in unserem Sonnensystem. Nehmen wir ferner an, irgendwie kam es dazu, daß einigen Menschen magische Fähigkeiten zugestanden
wurden (auch die Bibel berichtet von Zauberern und Hexen, allerdings nicht allzu positiv, doch König Saul sucht die Hexe von Endor auf (1.Buch Samuel, 28,3 -25), um mit den Toten zu sprechen. Nun wie auch immer - Tolkien zu Folge dürfte man den Ringkrieg ungefähr in die Zeit 3.500 - 3.000 v. Chr. einordnen, dann hätte man in diesen fünf bis fünfeinhalb tausend Jahren zwischenzeitlich verschiedene Methoden zur Verzögerung oder Überwindung des Todes
oder der Körperlosigkeit (er)finden können - zumindest magische Leute hätten das tun können.
Von der ersten Methode erfahren wir in “Harry Potter und der Stein der Weisen”, im zweiten Buch wird eine andere Methode besprochen, die vermutlich zum Resultat gehabt hätte, daß es zwei Voldemorts gäbe, wenn Harry Ginny Weasley nicht gerettet hätte. Ob diese zwei Voldemorts sich
zu einem hätten verbinden können, wäre dann eine andere Frage. Wahrscheinlich aber ja. Die dritte Methode beschreibt Mrs Rowling in Buch IV.
In jener Hinsicht möchte man fast meinen, Lord Voldemort sei mächtiger als Sauron es je war. Das wage ich zu bezweifeln, denn Voldemort hatte in seiner Hochzeit doch offenbar teils auch Schwierigkeiten Anhänger überzeugend und dauerhaft an sich zu binden. Was die Manipulation der Gedanken in Sachen Folgschaft anbelangt, so hatte es Sauron doch geschafft, Millionen von
Orks an sich zu binden, wobei deren Haß auf Elben und Menschen ihm zu Gute kam. Er korrumpierte Saruman offenbar mit dem Versprechen, sie würden gemeinsam über Mittelerde herrschen.
Der Wahn Lord Voldemorts und seiner Todesser (das Wort liest sich irritierend blöde, weswegen ich die engl. Bezeichnung eigentlich lieber habe: Death Eater, zwei sauber getrennte Worte, manchmal ist das Deutsche echt ungelenk), ist eher ein Rassenwahn kleinerer Natur, kommt dem der Nazis aber auch gleich. Mir scheint ein wenig, das ging mir eben gerade auf, daß Lord Voldemort ein von den Nazis inspirierter Zauberer ist. Als er Hogwarts als Schüler besuchte, war der Krieg gegen die Nazis erst kurz zuvor gewonnen worden (wir lernen in der Kammer des Schreckens, die selbst im Jahr 1992 spielt [500ster Todestag von Sir Nicholas de Momsy-Porpington, auf dessen Torte, die die Form eines Grabsteins hat, das Todesjahr 1492 (die Entdeckung Amerikas durch Christoph Kolumbus) geschrieben steht], daß die Ereignisse um den
Tod von der Maulenden Myrte rund 50 Jahre zurückliegen). Hier treffen sich die Autoren wieder. Denn Tolkien sollte seitens Göbbels für die Nazi-Propaganda gewonnen werden. Man hatte sich ja damals eigentlich den Briten noch am ehesten als Arier verbunden gefühlt.

Auf besagter Seite sind noch weitere Vergleiche angestellt, teils gute und treffende, teils weniger geglückte und hinkende Vergleiche.

Nach der Lektüre des finalen Bandes “Harry Potter and the Deathly Hallows” muß man zudem einige der Vergleiche nochmals revidieren, da sie teils schiefer nicht sein könnten. Vor allem was Dobby, Kreacher und Sméagol-Gollum anbelangt.

Es ist sinnvoller, so will mir nun erscheinen, die Werke jeweils für sich stehen zu lassen.

Interessant kann es nach wie vor werden, da vielleicht noch immer nicht alles adäquat aus dem Nachlaß Tolkiens publiziert ist. Auf der anderen Seite ist nun zudem auch noch ein Blick auf Mrs Rowling zu werfen: wird sie nach Ihrer so erfolgreichen Harry-Potter-Reihe doch
weiter schreiben? Und wenn ja, was? Finanziell betrachtet ist klar, daß sie es nicht müsste. Doch wäre ich durchaus gespannt darauf, ob sie nicht doch auch andere Geschichten zu erzählen vermag. In wieweit diese dann ggf. mit den Harry-Potter-Romanen verbunden sein werden, kann man ja dann sehen.

In einem Land vor unserer Zeit

Der größte Unterschied dürfte aber sein, daß Tolkien über eine Welt schreibt, die die unsere in einem mythischen vorbiblischen Zeitalter darstellen soll, während Rowling über eine Welt (hauptsächlich über ein Britannien) schreibt, daß in jüngster Vergangenheit liegt (falls
es schon jemandem aufgefallen ist: im Jahre 1992 feierte der fast kopflose Nick seinen 500sten Todestag [Kammer des Schreckens], die Geschichte des Harry Potter endet also im Prinzip 1997, auch wenn die Geschichte dieses Jahres voraussichtlich erst 2007 frühestens erscheinen dürfte.). Rowling platziert Harrys Geschichte in die neunziger Jahre und beschreibt eine für Muggel verborgene Zaubererwelt, die eigentlich dieselbe ist, wie unsere, nur wir schauen nicht genau hin, weil wir die Magie nicht sehen wollen, nicht mehr an sie glauben. (Hier könnte man jetzt genauso auch die Lektüre von “Die Unendliche Geschichte” von Michael Ende empfehlen.)

Kinderbuch vs. all-age-book

Harry Potter und seine Abenteuer sind weniger eine Kindergeschichte, als viele glauben wollen, sie geht tiefer und beantwortet ernsthaft erste ernste
Kinderfragen, die nicht nur für junge Menschen von essentiellem Belang sind, als andere Romane, die derzeitig für Erwachsene kreiert / verfasst werden. So wenig, wie Tolkien eine platte Welt für Weltfremde schuf, in die sich jene flüchten durften, die unsere Welt nicht mehr ertrugen
(Hauptvorwurf gegenüber der ganzen phantastischen Literatur, daß sie eine Literatur für Weltfremde sei), ist Rowlings Werk keine Geschichte allein für Kinder.

Ist fantasy für Abgehobene oder Bodenständige?

Wenn es nun noch eines Beweises bedurfte, daß phantastische Literatur nicht abgehoben ist, sondern Bezüge zur realen Welt hat, dann muß man sich nur Rowlings fünften Roman durchlesen: Im Orden des Phönix wird eindeutig über Manipulation seitens Politikern, Machtgier, Intrigen, Rufmord etc. geschrieben … was ist daran weltfremd? Und auch aus dem Herrn der Ringe kann man für das reale Leben in unserer Welt etwas lernen, nämlich an echte
Freundschaften zu glauben. Das ist eine weitverbreitete Botschaft in der phantastischen Literatur - besonders der neueren Prägung. Und diese guten und frohen Botschaften, die es auch in den Harry-Potter-Romanen gibt, findet man merkwürdiger Weise seltener in jener Literatur, die sich nicht als phantastisch einstuft (Mord, Intrigen, Korruption findet man in jedem
guten Krimi oder Thriller - klar)- es sei denn sie ist für Kinder und Jugendliche geschrieben. Wieso? Wieso wagen es die Erwachsenen, den jungen Generationen gute Ratschläge zu geben, wenn sie sich nicht selbst dran halten? Wieso glauben sie nicht an die guten Botschaften, die sie den Jungen erzählen? Kennt Ihr noch andere oder vor allem ein Buch mit einer immer wiederkehrenden guten Botschaft? Es ist die Bibel. Das Wort Gottes, das die große unumstößliche ewige frohe Botschaft verbreitet: ALLE MENSCHEN SIND UNENDLICH VON GOTT
GELIEBT! (⇒ vergl. Die Predigt)

literature at it’s best!

Damit haben wir auch, wenn man den Bogen von Harry Potter und dem Herrn
der Ringe zur Bibel schlagen kann, all jenen unaufgeklärten Geistern gezeigt, daß es nichts verdammenswertes am Lesen dieser Bücher gibt. Und auch den naserümpfenden Literaturkritikern möchte man entgegenschreien, folgt dem Rat Eurer Kollegin Heidenreich: LESEN! Denn Lesen sollte man und dabei und hernach gilt es der Kantschen Maxime zu folgen: Habe den Mut, Dich
Deines eigenen Verstandes zu bedienen!
⇒ Vergl. Tolkien | sh. auch Kirche vs. Fantasy

Tolkien und “Der Herr der Ringe”

Wie kein anderes Buch vor und nach ihm verkaufte sich die Roman-Trilogie “Der Herr der Ringe” des britischen fantasy-Autors und Professors für Englische Literatur- und Sprachwissenschaft John Ronald Reuel Tolkien. Es ist das meistgekaufte Buch - nach der Bibel - und vermutlich auch ebenso häufig gelesen. Die Verfilmung von Peter Jackson führte mehrere Millionen Menschen in die Kinos und nach Mittelerde und oftmals vorher oder hinterher auch in Buchhandlungen und Bibliotheken. Doch das Buch ist auch sehr umstritten. Nicht alle Leser sind begeistert. Das wäre auch merkwürdig. Das Buch, das alle begeistert, gibt es nicht - kein Kunstwerk, gleich welcher Art, vermag alle Menschen auf die gleiche Art und Weise zu packen, zu faszinieren und zu begeistern - weder Skulptur, noch Bild, nicht Buch, noch Musik oder Bauwerk oder was auch immer. Doch das Werk Tolkiens ist tiefgründiger, umfassender und weitreichender, als Peter Jacksons Verfilmung der Roman-Trilogie (auch wenn Jackson sich alle Mühe gab, der Vision Tolkiens so nahe zu kommen, wie es nur möglich und für Kinogänger erträglich war). Es gibt nicht nur zahlreiche weitere Bände, die meist erst posthum erschienen, herausgebracht und kommentiert von Tolkiens Sohn Christopher, sondern die Intention, das Buch zu verfassen und auch für alle anderen Geschichten Tolkiens, war mehr, als nur die pure Lust am Geschichtenerzählen und Unterhalten der Leser. Er wollte auf seine Art und Weise, den Menschen die Welt erklären - ihre Herkunft, ihr Ziel und den Sinn des Lebens. Nicht mehr - aber auch nicht weniger. Und auch so darf man dann den Erfolg des Buches neben der Bibel erklären und verstehen.

Tolkien zeigt im “Silmarillion” die Schaffung der Welt, Ihre Formung und Umgestaltung, und er zeigt teilweise plastischer als die Bibel den Ursprung des Bösen, der Zerstörung. Tolkien schuf für die Briten zuvorderst, aber auch für die moderne Welt einen neuen Mythos, einen neuen Ansatz zur Erklärung der Welt in plastischen Geschichten, der Bibel nicht unähnlich, unserem Sprachgebrauch aber näher und jünger, teils leichter verständlich. Ein Moralkodex in dem Sinne aber enthält das Werk Tolkiens nicht unmittelbar, wenn man ihn auch aus dem Erzählwerk herleiten kann. Hierbei steht er aber eher in einer aufklärerischen Tradition und seine Verehrung für die Naturschönheit ist groß, wenn man auch zugeben muß, daß weder Spinnen noch Motten und andere Kriechtiere allzu gut wegkommen und wenig Ansehen bei ihm
genießen. Doch seine Weltsicht hat auch ökologische Aspekte. Das arbeitete Peter Jackson in der Verfilmung “Die Zwei Türme” sehr gut heraus.

Tolkien kann als Urvater der modernen fantasy gelten. Vor Tolkien beschränkte sich die phantastische Literatur weitestgehend auf Gruselgeschichten und Schauermärchen à la Grimm oder Poe, oder man hatte eher komische Geschichten wie “Alice in Wonderland” von Lewis Carrol oder “Gulliver’s Travels” von Jonathan Swift, die Stereotypen von Menschen der jeweiligen Gegenwart in phantastischen Kontexten auf die Schippe nehmen.

Nach Tolkien kam kaum nochmal ein vergleichbares Werk heraus - bis jetzt. Die Verfasser der phantastischen Geschichten, die folgten, mögen genial oder auch nur gut sein - vergleichbar sind sie kaum, auch wenn sie durchaus an Tolkien anknüpfen mögen. Es bleiben meist Geschichten, die erzählt werden sollen, sich aber nicht so recht in den mystisch angehauchten Rahmen fügen möchten, den Tolkien bot, und dessen Ausbau seitens anderer er durchaus beabsichtigte. Die erzählten Geschichten, wo sie an Tolkien anknüpfen, haben nicht diesen Drang, die Welt mit neuen Mythen zu erklären, neue Märchen zu schaffen, die uns träumen lassen und ggf. Trost spenden. Sie sind meist nur unterhaltsam und gut für den Umsatz im Buchhandel (mehr oder minder; einige sind manchmal zunächst eher Ladenhüter).

David Day schrieb ein Buch zum mythologischen Hintergrund von Tolkiens Werk. Es erschien bei Klett-Cotta unter dem Titel “Tolkiens Welt - die mythologischen Quellen des Herrn der Ringe” (ISBN 3-608-93629-7; 22,50 €). Dort erklärt er bspw. die Zusammenhänge zwischen dem Kult der indischen Göttin Kali und Ungoliants Unlicht oder die Parallelen zwischen dem Mythos von Orpheus und Eurydike und dem von Beren und Lúthien. Der Band ist reich und schön illustriert. Man könnte sich teils aber durchaus wünschen, daß er noch tiefer gehen würde.

Weiteres zu Tolkien findet Ihr hier. ⇒ vergl. Tolkien-Ausgaben | Kirche vs. Fantasy

Galadriel’s Song of Eldamar

Der Herr der Ringe - welche Ausgabe ist schöner?

Auf dem deutschen (Gebraucht-)Buchmarkt schwirren mehrere verschiedene Ausgaben des Herrn der Ringe herum. Im Handel erhältlich sind gängiger Weise zwei verschiedene deutschsprachige Ausgaben (im wesentlichen): die grüne Paperback übersetzt von Wolfgang Krege, die weiße gebundene übersetzt von Margaret Carroux, viele Fans schwören auf die letztere, sie sei schöner - sie trifft vielleicht eher den erwarteten Tonfall: altertümlich, mittelalterlich, antiquiert. Die Neuübersetzung durch Herrn Krege ist nicht schlecht, auch wenn der eine oder andere Ausdruck so von mir nicht gewählt worden wäre.

Nun gibt es aber auch andere Ausgaben: Club- und Büchergildenausgaben, denen einige nachsagen, die Anhänge und Register seien nicht komplett (ich habe das bisher nicht verifizieren oder widerlegen können). Diese Ausgaben sind meist nur für eine begrenzte Zeit am Markt gewesen und schwirren nun seit Jahren (vor allem die letzte Ausgabe des BertelsmannClubs) bei eBay über den Gebrauchtmarkt.

Andere sind ältere Klett-Cotta-Auflagen: die Paperback(schuber)ausgabe in der alten Übersetzung, die den Siegeszug lt. Verlag überhaupt erst möglich gemacht hat, da die andere (gebundene Fassung) teils unerschwinglich erschien. Dann gab es vor der weißen leinengebundenen Ausgabe eine blaue mit einem sehr schönen archaisch anmutenden Coverbild, das so etwas wie steinzeitliche oder uramerikanische Stammeszeichen hätte darstellen können. Sah schon interessant aus.

Dann gab es 1997 noch eine Sonderausgabe in gebundener Form, in der die drei Bände des Herrn der Ringe in sechs aufgesplittet wurden, dazu gab es den Hobbit, der Text war nach wie vor in der Übersetzung von M. Carroux.

Anfang der 1990er Jahre gab es erstmalig die einbändige rote Ausgabe, erinnernd an das Rote Buch der Verschollenen Geschichten, das Bilbo angeblich selbst verfasst hatte. Sie war geschmückt mit Bildtafeln und zwei Lesebändchen und vorn auf dem Cover prangte der eine Ring auf rotem Grund.

Später gab Klett-Cotta noch die Neuübersetzung in der Roten Ausgabe heraus - doch hier gab es keine Bildtafeln mehr, dafür Bilder im Text, die aber dreifarbig gehalten waren und recht einfach. Zudem unterschied sich der Einband von der Carrouxausgabe, die vom Ringbild abgesehen schmucklos war, dadurch, daß grüne Augen umrandet vom einen Ring den Betrachter anstarrten: verschiedene Augen, eines erinnert an das einer Schlange: lidlos, mit senkrechtem Pupillenschlitz, ein anderes mit runder Pupille - auch lidlos, und ein drittes wie ein normales Menschenauge.

Diese Motive wiederholen sich nun auf der gängigen grünen Paperbachausgabe in neuer Übersetzung. Diese Augenmotive sind aber prinzipiell nur Reprisen auf die alte grüne Ausgabe mit dem Carrouxtext, welche auch Augen auf den Buchdeckeln hatte (und auf dem Schuber) allerdings noch in Verbindung mit recht skurrilen Monstern von denen mindestens eines an eines der geflügelten Untiere der Nazgûl erinnert.

Die weiße ist einfach nur zeitlos schön.grins

Es gibt darüber hinaus noch mind. zwei weitere Ausgaben: vor gut einem Jahr, wenn nicht noch etwas früher brachte Klett-Cotta zwei Edelausgaben heraus: eine in braunes Kalbsleder gebunden, vier Bände (Roman + Registerband) im Schuber: Neupreis: € 398,-, limitierte Stückzahl: 3333; sowie eine weitere einbändige Ausgabe im Stil eines mittelalterlichen Codex illuminiert, Stückzahl der Auflage: 1111, der Preis: schlappe € 900,-. Es sind eindeutig bibliophile Ausgaben für die Vitrine oder den Tresor - nicht wirklich zum Lesen abends im Bett bei einer Tasse Kakao. schock!Das Manko dieser Ausgaben (neben dem Preis) - zumindest für eingefleischte Fans der alten Übersetzung: es ist die neue!

Im Übrigen mal zum Übersetzungsstreit: Wolfgang Krege war es, der das Silmarillion und auch den Hobbit (neu) ins Deutsche übertrug (im Falle des Hobbits gibt es allerdings auch eine ältere deutschsprachige Fassung, übertragen von Walter Scherf, von der allerdings wiederum einige behaupten, daß sie nicht so gut sei, wie die neue Übersetzung von Wolfgang Krege ….) - in einer exzellenten Art und Weise wie ich sagen kann. Man hat dem guten Mann mitunter viel Unrecht getan im Streit um die Neuübersetzung des Zentralwerks Tolkiens. Und noch ein Schmankerl für die Verfechter der ⇒ neuen Übersetzung.

Wenn Ihr selbst nach vergriffenen Ausgaben Ausschau haltet oder welche verkaufen wollt, so schaut mitunter auf einer der unten verlinkten Seiten, dort findet Ihr Richtwerte, was Ihr für welche Ausgabe ungefähr erwarten dürft. Wenn Ihr bei eBay mitbietet, richtet Euch bei bestimmten Ausgaben auf echte Kampfauktionen ein: Die rote Carroux-Ausgabe kann Euch schon mal bis zu 200,- € kosten, andere sind ggf. noch teurer, andererseits: für eine rote Bertelsmann-”Luxus”-Ausgabe solltet Ihr nicht mehr als 30 - 40 € verlangen oder zahlen müssen. Ferner werde ich immer skeptisch bei Spottpreisen an originalverpackter Ware: es gilt die Buchpreisbindung zwar nur für den gewerblichen Handel mit neuen Büchern, aber auch Privatleute werde keine 75,-€-Carroux-Klett-Ausgabe für nur 1,-€ verkaufen.

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