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Der Herr der Ringe - welche Ausgabe ist schöner?
Auf dem deutschen (Gebraucht-)Buchmarkt schwirren mehrere verschiedene Ausgaben des Herrn der Ringe herum. Im Handel erhältlich sind gängiger Weise zwei verschiedene deutschsprachige Ausgaben (im wesentlichen): die grüne Paperback übersetzt von Wolfgang Krege, die weiße gebundene übersetzt von Margaret Carroux, viele Fans schwören auf die letztere, sie sei schöner - sie trifft vielleicht eher den erwarteten Tonfall: altertümlich, mittelalterlich, antiquiert. Die Neuübersetzung durch Herrn Krege ist nicht schlecht, auch wenn der eine oder andere Ausdruck so von mir nicht gewählt worden wäre.
Nun gibt es aber auch andere Ausgaben: Club- und Büchergildenausgaben, denen einige nachsagen, die Anhänge und Register seien nicht komplett (ich habe das bisher nicht verifizieren oder widerlegen können). Diese Ausgaben sind meist nur für eine begrenzte Zeit am Markt gewesen und schwirren nun seit Jahren (vor allem die letzte Ausgabe des BertelsmannClubs) bei eBay über den Gebrauchtmarkt.
Andere sind ältere Klett-Cotta-Auflagen: die Paperback(schuber)ausgabe in der alten Übersetzung, die den Siegeszug lt. Verlag überhaupt erst möglich gemacht hat, da die andere (gebundene Fassung) teils unerschwinglich erschien. Dann gab es vor der weißen leinengebundenen Ausgabe eine blaue mit einem sehr schönen archaisch anmutenden Coverbild, das so etwas wie steinzeitliche oder uramerikanische Stammeszeichen hätte darstellen können. Sah schon interessant aus.
Dann gab es 1997 noch eine Sonderausgabe in gebundener Form, in der die drei Bände des Herrn der Ringe in sechs aufgesplittet wurden, dazu gab es den Hobbit, der Text war nach wie vor in der Übersetzung von M. Carroux.
Anfang der 1990er Jahre gab es erstmalig die einbändige rote Ausgabe, erinnernd an das Rote Buch der Verschollenen Geschichten, das Bilbo angeblich selbst verfasst hatte. Sie war geschmückt mit Bildtafeln und zwei Lesebändchen und vorn auf dem Cover prangte der eine Ring auf rotem Grund.
Später gab Klett-Cotta noch die Neuübersetzung in der Roten Ausgabe heraus - doch hier gab es keine Bildtafeln mehr, dafür Bilder im Text, die aber dreifarbig gehalten waren und recht einfach. Zudem unterschied sich der Einband von der Carrouxausgabe, die vom Ringbild abgesehen schmucklos war, dadurch, daß grüne Augen umrandet vom einen Ring den Betrachter anstarrten: verschiedene Augen, eines erinnert an das einer Schlange: lidlos, mit senkrechtem Pupillenschlitz, ein anderes mit runder Pupille - auch lidlos, und ein drittes wie ein normales Menschenauge.
Diese Motive wiederholen sich nun auf der gängigen grünen Paperbachausgabe in neuer Übersetzung. Diese Augenmotive sind aber prinzipiell nur Reprisen auf die alte grüne Ausgabe mit dem Carrouxtext, welche auch Augen auf den Buchdeckeln hatte (und auf dem Schuber) allerdings noch in Verbindung mit recht skurrilen Monstern von denen mindestens eines an eines der geflügelten Untiere der Nazgûl erinnert.
Die weiße ist einfach nur zeitlos schön.![]()
Es gibt darüber hinaus noch mind. zwei weitere Ausgaben: vor gut einem Jahr, wenn nicht noch etwas früher brachte Klett-Cotta zwei Edelausgaben heraus: eine in braunes Kalbsleder gebunden, vier Bände (Roman + Registerband) im Schuber: Neupreis: € 398,-, limitierte Stückzahl: 3333; sowie eine weitere einbändige Ausgabe im Stil eines mittelalterlichen Codex illuminiert, Stückzahl der Auflage: 1111, der Preis: schlappe € 900,-. Es sind eindeutig bibliophile Ausgaben für die Vitrine oder den Tresor - nicht wirklich zum Lesen abends im Bett bei einer Tasse Kakao.
Das Manko dieser Ausgaben (neben dem Preis) - zumindest für eingefleischte Fans der alten Übersetzung: es ist die neue!
Im Übrigen mal zum Übersetzungsstreit: Wolfgang Krege war es, der das Silmarillion und auch den Hobbit (neu) ins Deutsche übertrug (im Falle des Hobbits gibt es allerdings auch eine ältere deutschsprachige Fassung, übertragen von Walter Scherf, von der allerdings wiederum einige behaupten, daß sie nicht so gut sei, wie die neue Übersetzung von Wolfgang Krege ….) - in einer exzellenten Art und Weise wie ich sagen kann. Man hat dem guten Mann mitunter viel Unrecht getan im Streit um die Neuübersetzung des Zentralwerks Tolkiens. Und noch ein Schmankerl für die Verfechter der ⇒ neuen Übersetzung.
Wenn Ihr selbst nach vergriffenen Ausgaben Ausschau haltet oder welche verkaufen wollt, so schaut mitunter auf einer der unten verlinkten Seiten, dort findet Ihr Richtwerte, was Ihr für welche Ausgabe ungefähr erwarten dürft. Wenn Ihr bei eBay mitbietet, richtet Euch bei bestimmten Ausgaben auf echte Kampfauktionen ein: Die rote Carroux-Ausgabe kann Euch schon mal bis zu 200,- € kosten, andere sind ggf. noch teurer, andererseits: für eine rote Bertelsmann-”Luxus”-Ausgabe solltet Ihr nicht mehr als 30 - 40 € verlangen oder zahlen müssen. Ferner werde ich immer skeptisch bei Spottpreisen an originalverpackter Ware: es gilt die Buchpreisbindung zwar nur für den gewerblichen Handel mit neuen Büchern, aber auch Privatleute werde keine 75,-€-Carroux-Klett-Ausgabe für nur 1,-€ verkaufen.
⇒ Tolkien sammeln | Tolkien dt. Ausg. (unvollständig) | Tolkien-Sammlerforum | Die Grauen Anfurten - Sammlerforum für Bibliophile Tolkienfans | Linx zu Tolkien auf vilos.net
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