Archive für 11.5.2008

Phänomen Jugendsprache

… seit einigen Jahren verucht der Ernst Klett Verlag in seiner Reihe PONS-Wörterbücher die Jugendsprache zu fixieren. Bei einer sehr lustigen Blättergelegenheit in diesem “Werk” in jüngerer Vergangenheit stellten Kollegen und ich fest, daß einige enthaltene Begriffe eigentlich seit Jahr(zehnt)en als umgangssprachliche Begriffe im DUDEN fehlen - sie sind eigentlich nicht (mehr) explizite Jugendsprache. Andere Begriffe haben die Zeit durch die Fixirung im Jugendsprachewörterbuch scheinbar überdauert, dritte wiederum waren allen beteiligten Kollegen fremd (auch der Azubine) und hätten daher m. E. einen redaktionellen Zusatz verdient, in welcher Bevölkerungsgruppe (soziologisch, herkunftsabhängig oder auch regionale Beschränkungen) sie vorwiegend Anwendung finden.

Es schien auch teilweise, daß Begriffe nicht wirklich im Umlauf waren, sondern eher Konstrukte sind, mit denen die Redaktion gelinkt wurde …

Vor allem fehlten diesen Begriffen Erklärungen zur Entstehung. Auch nur ansatzweise Versuche wären diesbezüglich ja schon interessant. Ich bin teils mit Begriffen konfrontiert worden, als ich nach Berlin kam, die mir zuvor vollkommen fremd waren. Bestes Bsp. ist der Begriff “dissen”, ein Verb, das in der Bedeutung ein wenig in Richtung “mobbing” geht.

Vielleicht kann mich ja mal einer in Bezug auf dieses und jenes aufklären …

So interessant das Unterfangen auch sein mag, den Sprachschatz einer Generation fixieren zu wollen, sowohl um damit Geld zu machen als auch um eine echt Hilfe bei der Verständigung zu bieten, so finde ich das ganze doch irgendwie auch reichlich überflüssig. Schließlich ist die Sprache der Jugend genauso vergänglich wie die Jugend selbst. Nur geglückte Wortschöpfungen gehen schließlich in die Umgangssprache ein.

Was mich in diesem Zusammenhang manchmal wesentlich eher interessierte: Wieso reden sich Teenager mit “Alter” an?

10. Mai - Nachtrag

Am gestrigen 10. Mai spielte in meinem Berufsalltag die Bücherverbrennungvor 75 Jahren keine Rolle. Schon eher der heutige Muttertag.

Hier bemerkt man teilweise den Unterschied zwischen dem Handel mit Kulturgütern (vulgo Buchhandel [u.a. natürlich]) und Veranstaltungen in den übrigen Kultureinrichtungen.

Es ist zwar keinesfalls so, daß solche Geschichtsdaten komplett spurlos an den Händlern vorbeigehen. Aber Ladenöffnungszeiten und Kapazitäten in Präsentationsmodulen (Tische, Schauwände und -fenster) werden dann doch eher dem Ereignis eher Rechnung tragen, daß Umsatz verspricht. Eine moralisierende Rückschau bringt weniger als alltagstaugliche Anerkennung jener, denen man sein Leben verdankt (näheres dazu in der Wikipedia).

Als ich gestern abend noch den Fernseher einschaltete bemerkte ich weder von dem einen noch dem anderen Ereignis etwas … auch war das Programm m.E. nicht sehr pfingstlich: es lief “Schweigen der Lämmer”.

Das andere Dingen ist, ich bin beruflich derzeitig eher darum bemüht, die Umsätze in meinen Abteilungen zu steigern. Da sind für mich Ereignisse wichtiger, die meine Stammklientel (u.a. meine MangakundInnen) mit frischem Kapital ausstatten: also bestandene Abitur- oder MSA-Prüfungen, Erstkommunion, Konfirmation oder Jugendweihe, wahlweise auch die nächste Urlaubsreise, für die man noch frische Lektüre braucht.

So werden die in Berlin nun laufenden Pfinst- und die bald darauf kommenden Sommerferien für mich eine andere Bedeutung beruflich haben, als für andere Menschen: ich muß dann mein Lager entsprechend aufstocken.

Geschichtliche Daten sind dabei weniger von Interesse … das läßt für manche Menschen den Eindruck entstehen, daß wir geschichtsvergessen seien. De facto sind wir aber nur realistisch veranlagt, in dem wir (ich und meine Kollegen), dem mehr Platz einräumen, was uns mehr Umsatz verspricht … denn dieser beflügelt letztlich auch unsere Tarifverhandlungen, die im Einzelhandel ja nach wie vor nicht abgeschlossen sind … was wiederum ein Thema ist, daß an der übrigen Öffentlichkeit ziemlich vorbeizugehen scheint, und da, obwohl sicher ein nicht zu verachtender Teil der Bevölkerung im Einzelhandel tätig ist.

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