Archive für 3.11.2008

sicherlich als Scherz auch gemeint …

… fand ich die heute gefundenen Ortsangaben in der GayRomeo-User-Suche doch herb dämlich: Weaver Hayfield (Weberwiese, U-Bhf zwischen Strausberger Platz und Frankfurter Tor der Linie 5, Berlin)  und Fredericks Grove (Friedrichshain) - muß man wirklich Ortsangaben und Eigennamen versuchen zu übersetzen? NEIN! I.d.R. findet so etwas ja auch nicht wirklich statt. Sowas machen nur Scherzbolde und jene, die es nicht besser wissen.

70 Jahre danach …

Der aktuelle SPIEGEL (43/08) widmet sich im Kontext eines tragischen Jahrestages der Vergangenheit in Form von SS-Führer Himmler. Der Stern versucht sich in Jubelstimmung 60 Jahre BRD ab dieser Woche. Daniel Hope begeht die Erinnerung in einer voraussichtlich denkwürdigsten Art und Weise: im mittlerweile stillgelegten von den Nazis seinerzeit ausgebauten Flughafen Tempelhof wird es eine Benefiz-Gala geben anläßlich des 70. Jahrestages der Nacht der brennenden Synagogen - besser bekannt als Reichspogrom- oder Reichskristallnacht. Es ist schon interessant, wie unterschiedliche Medien ein schicksalsbeleadenes Datum wiederspiegeln. Bekanntlich ist der 9. November ein Tag, an dem immer wieder in der deutschen Geschichte denkwürdige Ereignisse stattfanden: die bekanntesten sind die Pogromnacht und der Berliner Mauerfall.

Der 9. November in der Deutschen Geschichte:

  • 1848: Anfang vom Ende der  Märzrevolutionen mit der Erschießung Robert Blums, einem (eher) sozialistischen (?) Abgeordneten der Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche
  • 1918: Novemberrevolution: Ausrufung der Republik, Abdankung Wilhelms II. (erzwungener Maßen)
  • 1923: Münchner Hitlerputsch (gescheitert, Hitler wandert in den Bau und verfasst dort “Mein Kampf”, das vermutlich meist überschätzte Buch deutscher Herkunft [in Negativwirkung wie in Heroisierung])
  • 1938: die Novemberpogrome mit Kulminationspunkt Nacht vom 9./10. November
  • laut Wikipedia (wie Ihr selbst nachlesen könnt) 1967 auch der Beginn der 68er-Bewegung
  • 1989: der Mauerfall

Verschwörer und Verschwörungstheoretiker aufgemerkt: 9/11 und 11/9 (bzw. 11.9. und 9.11.). Fällt Euch etwas dazu ein? Konstruiert doch bitte mal was. Ich möchte mal wieder lachen ;-).

Die Peinlichkeit des Schwulseins …

Es gibt Momente, wo ich mich schäme schwul zu sein … HA, großer Aufschrei? Nö. Aber ich frage mich manchmal, ob den Leuten klar ist, was sie tun. Als ich in der Oktober-Ausgabe der SIEGESSÄULE eine Nachlese des Folsom-Straßenfestes in Schöneberg las, dachte ich: “Das kann’s doch nicht sein!” Fetischisten, die sich gegenseitig auf offner Straße anpissen? Hallo? Und wie liest sich das dann in der homophoben Boulevardpresse von Springer? Passender Weise war auf der gleichen Doppelseite rechts ein kleiner Kurzbericht über die dämliche Schnackselfürstin bei Maischberger. Solche Leute empfinden derartige Entgleisungen doch als gefundenes Fressen für ihre Kampagnen.

Ich habe zwar mit derartigen Fetischen und Sexpraktiken (das manche sowas Sex nennen …)  nichts am Hut, dennoch trifft die Schelte wieder alle Schwulen. Ähnlich wie Florida-Rolf allen Arbeitslosen einen Bärendienst erwiesen hat, so stellen auch Fetischentgleisungen und -abarten eine Negativaußenwirkung dar.

Es ist ja schon so, daß dieser bizarrere Sex und Fetisch-Kram innerhalb schwuler Kreise nicht überall auf Gegenliebe stößt, sondern sogar dort auch Anfeindungen erlebt (deshalb gibt es ja Extra-Fetisch-Partys etc., wo Kevin Normalschwuppe besser nicht auftaucht). Wie kann man sich dann - auch im Rahmen eines Fetisch-Festes - auf offener Straße anpissen?

Ich bin nur froh, daß das ganze nicht in meinem Kiez stattfindet. Letztlich ist und bleibt es etwas, das zwischen den Anwohnern und Veranstaltern geregelt werden muß. Aber ich glaube, der eine oder andere sollte sich mal etwas zurücknehmen.

Ein Uniformfetischpaar hatte vor Jahren für Aufruhr beim Auftakt zum CSD gesorgt, als es in SS- bzw. KZ-Häftlingsklamotten auftrat - auf der Bühne! Das sind dann geschmackliche Entgleisungen, die meines Erachtens unentschuldbar sind. Und das meine ich wirklich so - da gibt es nichts zu relativieren oder wegzudiskutieren, das ist einfach nur noch bodenlos dumm und geschmacklos und unentschuldbar.

Ich bin ja gespannt, was nun TIMM bringt. Seit dem 1.November ist ja der erste deutsche schwule Spartenkanal auf Sendung. Der Werbeflye, der der Oktoberausgabe der SIEGESSÄULE beilag, war ja doch vielversprechend.

Wo der Sender auch irgendwie typisch schwul rüberkommt: Am Sonntag ging der Sendebetrieb um 13.15 Uhr los; meine erste Assoziation: früher kommen die wohl nicht aus den Federn ;-). Am heutigen Montag soll es sogar erst um 16.00 Uhr weitergehen; lange Nacht gewesen?

Herr Sodann und die Demokratie

… nicht ganz aktuell, aber zeitnah noch, kam mir gerade in den Sinn, daß Herr Sodann, Präsidentschaftskandidat der Linken, zitiert wurde, Deutschland sei keine Demokratie. Die Presse zog natürlich genüßlich darüber her und die etablierten PolitikerInnen machten ein großes Hallo.

Was den KritikerInnen Herrn Sodanns aber entgangen ist: Teile der bundesdeutschen Bevölkerung denken nicht anders oder nicht wesentlich anders. Auch aus meinem familiären Umkreis habe ich Äußerungen gehört, daß die Menschen das jetzige bundesrepublikanische System nicht als Demokratie empfinden.

Mein Lebensabschnittsgefährte ;-) nennt, wenn auch eher mit einem zwinkernden Auge, die BRD eine Bürokratur wahlweise auch Demokratur (beide Wörter enthalten einen Bestandteil des Wortes Diktatur) .

  • HartzIV-Empfänger finden sich nicht selten in einer Entmündigungsmaschine wieder: selbstbestimmte Lebensgestaltung? Fehlanzeige. Das Empfinden schaltet auf undemokratisch. HartzIV-Empfänger sind da nur ein Beispiel. Es gibt sicherlich weitere.
  • Die unteren Schichten der Gesellschaft sprechen selten von der Herrschaft des Volkes. Sie empfinden und sehen immer nur die Herrschaft des Geldes und des Marktes. Ich weiß nicht, ob hiesige Ökonomen schon auf entsprechende Ideen gekommen sind. Hier arbeitet man ja gern mit dem Wort Prekariat (hat ein wenig etwas von Karat…) . Der englische Ausdruck working poor ist meines Erachtens angebrachter.

Das sind nur zwei Punkte, wo die Bevölkerung meiner Beobachtung nach kein Demokratieempfinden aufbringt. Zu der Bevölkerung gehören ja auch jene, die das bestehende politische System aus ideologischen Gründen ablehnen - die sprechen im übrigen nicht selten auch davon, daß die Bundesrepublik keine Demokratie sei … (das ist sicherlich beim Bundesverfassungsschutz in den Akten auch so verifizierbar und in entsprechender Fachliteratur, die sich mit den Extremen des politischen Spektrums beschäftigen).

Es wirkt natürlich merkwürdig, wenn ein Präsidentschaftskandidat eine solche Äußerung macht. Als Kandidat wird er meines Erachtens damit unwählbar. Hätte er hingegen gesagt, man müsse in Deutschland noch mehr Demokratie wagen bzw. mehr direkte Demokratie herstellen, wäre keiner auf die Palme gestiegen.

Ein Kandidat, der antritt, das Staatsoberhaupt ablösen zu wollen, sollte sich doch zweimal überlegen, was er sagt und wie.

Immerhin: Herr Sodann hat dem Volk (bzw. Teilen des Volkes) nach dem Mund geredet. Der Beginn einer steilen Politikerkarriere?

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