Nachtrag Finanz- und Realwirtschaft

Bei einer Zigarette und Kaffee auf meinem Balkon fiel mir zwischenzeitlich ein, daß ja, egal wie man sein Geld anlegt, der Kaufkraftverlust in der Zukunft vorhanden ist: dieser tritt nur dann nicht ein, wenn die Verzinsung, die ja auch zur Entwertung des Geldes beiträgt, weil sie ja geldvermehrend wirkt, über der allgemeinen Inflationsrate liegt. Das heißt, die Geldentwertung und der Kaufkraftverlust in der Zukunft sind systemimmanent. Man kann diesen Verlust an Kaufkraft also nicht umgehen sondern nur abmildern.

Weil für die gesamte Wirtschaft es zwingend erforderlich ist, daß das Geld im Fluß bleibt, favorisieren alle Wirtschaftswissenschaftler und Entscheidungsträger von den Horrorszenarien eher die Inflation als die Deflation, denn letztere bedeutet den kompletten Stillstand und damit das Erliegen aller wirtschaftlichen Tätigkeit.

Horrorszenario Zimbabwe: die Regierung sah sich gezwungen, die inländische Währung abzuschaffen und Fremdwährungen als alleingültiges Zahlungsmittel zuzulassen: Euro, US-Dollar und Yen. Doch wer, von der einheimischen Bevölkerung kann auf solche Reserven zurückgreifen? Die oberen Zehntausend (wenn es in Zimbabwe soviele denn überhaupt sind. Der Rest ist zurückgeworfen in eine fast steinzeitliche Naturalienwirtschaft - wenn überhaupt. Außerhalb der Hauptstadt Zimbabwes funktioniert nichts mehr: Schulen und Krankenhäuser sind geschlossen, die Stromversorgung zum Erliegen gekommen und vor allem die einstmals blühende Landwirtschaft der ehemaligen Kornkammer Afrikas durch den Klüngel Mugabes und die Enteignung zur Kolonialzeit eingewanderter weißer Farmer hat die Wirtschaft keine Ressourcen mehr für den Export, von der Eigenversorgung ganz zu schweigen.

Klüngel und Korruption, extremistische Ideologie und die Abschottung vom Rest der Welt führen in aller Regel zum Niedergang einer Nation: Nazi-Deutschland, Nord-Korea, Zimbabwe, Afghanistan (unter der Talibanherrschaft), der Irak des Saddam Hussein und als nächstes der Iran? Wie wird sich China entwickeln? Und welche Gefahren lauern diesbezüglich in der ach so freien demokratischen Europäischen Union?

Wieso ist der Ostblock zusammengebrochen? Weil er sich im Wettlauf mit den kapitalistischen Systemen im Westen überhoben und selbst überschätzt hat - und weil die selbsternannten Eliten inkompetent und korrupt waren.

Wer sich selbst als elitär bezeichnet oder einer Elite zugehörig fühlt und dieses nach außen hin auch vertritt, ist der fatalsten Todsünde, die die christliche Theologie katholischer Prägung kennt, schon erlegen: dem Hochmut (Arroganz, Selbstüberschätzung).

Eine menschliche Gesellschaft funktioniert immer nur dann, wenn der Gesellschaftsvertrag erfüllt wird, d.h. das Einstehen der Starken für den Schwachen. Die sogenannten Leistungsträger erkennen nämlich oft nicht, daß der, den sie für schwach halten, weil er fast mittellos ist, oft systemimmanent wichtige Arbeiten und Funktionen erfüllt - und sei es nur, durch seine ärmliche Existenz uns zu ermahnen, Solidarität zu leben.

Es ist ein bösartiger Fehler, wenn man meint, man könne auf die Armen verzichten (man könnte es insofern tatsächlich, wenn man ihnen einfach vom eigenen Reichtum abgäbe), denn der daraus resultierende Hochmut und die mit ihm gepaarte Ignoranz programmieren automatisch den Niedergang einer “geschlossenen” Gesellschaft.

Wer Rousseau und Descartes, Kant und andere kennt, weiß wovon ich rede. Wer sie nicht kennt, aber dafür andere Theologen und Philosophen, weiß das auch, wer die nicht kennt, aber seinen Verstand gemäß dem kategorischen Imperativ oder einfach nur auf Grund seiner eigenen Hirnkapazitäten nutzt, weiß das auch. Der Weg zur Nächstenliebe führt über Verstand und Mitgefühl und damit ins Himmelreich - und liebe Theologen, Imame und Priester, Rabbiner und sonstige Gelehrte: es ist dabei vollkommen egal, ob man seinen Pimmel in eine Möse oder einen Arsch steckt, wichtig ist die Erkenntnis und Einsicht wie eine menschliche Gesellschaft allein funktionieren kann. Erkenne das ICH im DU!

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