Real- und Finanzwirtschaft

Am gestrigen Freitag war in der Sendung 3satbörse das Thema Inflation/Deflation, die damit verbundenen Gefahren und Ursachen. Es wurde die aktuelle Finanzkrise beleuchtet, in deren Zuge einige amerikanische Banken und fast der komplette Immobilienmarkt in den USA zusammengebrochen waren, man schaute auf die staatlichen Reaktionen und Interventionen, beleuchtete das Problem der kaputten Wirtschaft in Zimbabwe als Beispiel und blickte zurück in die 20er/30er (Inflation in Weimar / Weltwirtschaftskrise) und 90er (Neuer Markt / Internethype) des 20. Jahrhunderts.

In allen Fällen waren die Probleme hausgemacht: die Finanzwirtschaft wuchs, während die Realwirtschaft rückläufig ist oder deren Wachstumsraten im Vergleich zur Finanzwirtschaft nicht gleichziehen. Es entstand jedesmal eine Blase, die platzte. Mitunter sind diese platzenden Blasen jedesmal darauf zurückzuführen gewesen, daß eine Krise vorausgesagt wurde und als selffullfilling prophecy tatsächlich eintrat: Man hörte davon und reagierte vorschnell. Leute wurden ohne Not auf die Straße gesetzt, die schwindende Kaufkraft der breiten Masse führte dann zu realen Verlusten und die Kacke war am dampfen. D.h. die Personalchefs und Manager sind immer Schuld. Sie verursachen Krisen, weil Sie in der falschen Sekunde das falsche tun …

Warum geht Arcandor kaputt? Weil man nicht rechtzeitig auf Veränderungen im Konsumverhalten der breiten Masse reagiert hat. Die eigene Krise hat man dann durch krasse Fehlentscheidungen (mangelnde Investitionen, Sparsamkeit und ständiges Schielen auf eine Kapitalrendite zu Lasten des Unternehmens) verschärft. Die eigenen Schäfchen hat man noch schnell ins trockene gebracht und dann den Hut genommen (Middelhoff).

Warum kriselt seit Jahren der Automobilabsatz? Die entwickelten Modelle sind nicht mehr zeitgemäß. Statt auf sinkenden (Sprit-)Verbrauch und korrekte Markt-/Bedarfsanalyse zu setze, unterstellten die Manager der Kundschaft ein Verlangen nach Spritfressern. Ist das Gejammer der Autofahrer über ständig steigende Spritpreise noch nie an die Ohren der Konzernmanager bei Daimler, GM etc. gedrungen?

Generell erlebte der gesamte Einzelhandel mit der Entwicklung von internet-Kaufhäusern etc. pp. einen Strukturwandel, der sich eben natürlich auch in den Kaufhäusern und shopping malls nach amerikanischen Vorbild bemerkbar macht.

Der Standorthandel verliert teilweise Marktanteile zu Gunsten des online-Handels. Der umständliche Druck von Versandhauskatalogen, dürfte ein Anachronismus sein, der sich selbst überlebt hat, wie man an der Quelle-Krise sieht. Arcandor insgesamt geht nicht direkt auf Grund der allgemeinen Finanzkrise kaputt. Das sieht man ja an den offenbar besser aufgestellten und gesunden Konkurrenten. Es ist eindeutig Mißmanagement.

Wieso braucht Porsche einen Millionen-Kredit? Weil es das wesentlich größere Unternehmen VW unter seine Fuchtel bekommen will, dafür aber eigentlich nicht das notwendige Kleingeld hat. Managementfehler!

Was ist mit der Wadan-Werft? Hier haben die Bundesregierung und das Land Mecklenburg-Vorpommern Garantien gegeben - wo überhaupt nix abgedeckt war, wie nun offenbar wird. Hier ist der Managementfehler staatlich.

Wieso wollen diese Leute, die für solche Fehleinschätzungen verantwortlich sind, uns weis machen, sie besäßen wirtschaftlichen Sachverstand? Das ist doch eine krasse Lüge.

Wirtschaftlich sind das Idioten. Oder aber sie haben all das, was sie mal über Wirtschaft gelernt haben, im entscheidenden Moment außer Acht gelassen. Parteien besitzen keine Wirtschaftskompetenz. Diese Wirtschaftskompetenz ist im Besitz von Einzelpersonen, die der einen oder anderen Partei angehören. Und viele dieser Parteigänger ordnen ihre Kompetenz dem Leithammel unter, mag der ökonomisch noch so unbeleckt (vulgo dämlich) sein. Bis jetzt bildet Herr zu Guttenberg eine rühmliche Ausnahme. Das dumme an seiner Person: er ist Wirtschaftsminister auf Abruf und nicht jener mit der Richtlinienkompetenz, was sich ggf. für die schwarz-rote Koalition noch als Bumerang erweisen dürfte.

Es werden ja auch Stimmen laut, die MWSt noch ein wenig hochzuschrauben, um die Neuverschuldung zu drücken. Wetten, die MWSt steigt auf bald 25 bis 27 %?

Alle Entlastungen der vergangenen Jahre (so sie überhaupt existierten) wären mit einem Mal verpufft und der Kaufkraftverlust der breiten Masse führt zum Horrorszenario Deflation.

Und das perfide an der ganzen Sache: an den entscheidenden Stellen sitzen meist inkompetente Leute, die alles kleinkriegen - inklusive ihres eigenen Ansehens - und nur echte Qualitätsarbeit im Intrigieren an den Tag legen.

1 Antwort auf “Real- und Finanzwirtschaft”

  1. Wolf sagt:

    Der vor wenigen Minuten hier noch verfügbare Kommentar wurde von mir offline gestellt. Auch wenn ich mir sicher bin, daß alles korrekt war, gehe ich lieber auf Nummer sicher und publiziere diese Dinge hier lieber nicht.

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