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Archive für August 2009
Das Internet ist nicht privat
23.8.2009 von Wolf.
Sozusagen als Zusatz zum vorherigen blog-Eintrag, kann man nochmal dazu setzen: Das Internet ist nicht privat. Was wir ins Internet stellen und setzen, dort ablegen, hinschreiben, wie auch immer, ist publik, ist öffentlich. Es gibt zwar auch im Internet geschützte Räume, die nur durch die Eingabe von entsprechenden Identifikationseingaben erreichbar sind (Logins), doch prinzipiell ist das nicht privat. Je nach Sicherheitsstandards des entsprechenden Instituts, können auch Bankdaten öffentlich werden. Es liegt aber nicht immer an den anderen, wenn unsere Privatsphäre flöten geht. Wir tragen auch selbst Verantwortung dafür. Allerdings ist es auch so, daß perfider Weise Personen existieren, die keine Scham kennen und keine Skrupel, wenn wir nachlässig sind. Mißtrauen ist unser bester Schutz in dieser Angelegenheit. Wer das vergisst, ist selber Schuld.
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Frau Aigner und der mündige Bürger
23.8.2009 von Wolf.
Frau Aigner (CSU, Bundeslandwirtschafts- und -verbraucherministerin) gab dieses Wochenende der Berliner Zeitung im Kontext der jüngst veröffentlichten Studie Ihres Ministeriums zur Internetrecherche seitens Personalabteilungsleiter bzgl. ihrer Bewerber ein Interview.
In diesem Interview verwies Frau Aigner auf den mündigen Bürger. Guter Ansatz.
Das Problem, das ich damit habe, ist folgendes: die Unionsparteien und die FDP verhindern an einigen anderen Stellen, daß der Bürger überhaupt mündig wird. Es gibt Punkte im Verbaucherschutzgesetz bzw. anderen Gesetzen zum Schutz der Verbraucher, die es de facto verunmöglichen, daß der Verbraucher ein mündiger Verbraucher wird. Ein mündiger Verbraucher hat freien Zugang zu allen Informationen bzgl. der Produkte und Dienstleistungen aller am deutschen Markt tätigen Wirtschaftsunternehmen (Idealfall). Fakt aber ist, daß Firmen bspw. im Bereich Lebensmittelindustrie keine vollständigen Angaben machen müssen oder aber Erkundigungen viel zu komplex und teuer sind, d.h. nicht einfach und teils mangels Kapital beim Verbraucher unerschwinglich.
Frau Aigner hat die Firmen, welche soziale Netzwerke via Internetplattform ermöglichen, angewiesen, die Verbraucher stärker vor sich selbst zu schützen bzw. es Ihnen zu ermöglichen, Ihre eigenen eingestellten Daten besser zu verwalten - auch mit Hinblick auf Eigentumsrechte an Bildern etc. Dieses sagte sie eben auch in Hinblick auf die ausufernde Recherche von Pesonalabteilungen.
Wieso werden die Personalabteilungen nicht dazu aufgerufen, für die ausgeschriebene Stelle irrelevante Daten zu ignorieren? Wieso wird es Personalabteilungen nicht verboten, private Daten zu nutzen? Wieso wird Personalchefs de facto also erlaubt, den gläsernen Bewerber oder Angestellten zu kreieren?
Frau Aigner, wir danken Ihnen für dieses Gespräch, m.E. sind sie damit die falsche auf dem Posten.
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S-Bahn-Krise überstanden? - Mitnichten!
8.8.2009 von Wolf.
Seit Montag fahren wieder S-Bahnen zwischen Zoo und Ostbahnhof - im 20-Minuten-Takt. Toll!
Ich fahr sowieso meist mit der RE2 oder RB10 (Alex - Spandau), aber diese Züge sind jetzt nicht mehr so gerammelt voll.
Was mich einerseits wunderte, war, daß die Betroffenen mit fast stoischer Ruhe die Einschränkungen hinnahmen. Andererseits werden sich viele gedacht haben, wat soll’s?
Auch hier finde ich wieder, daß die Menschen dieses Landes nicht ganz begriffen haben, um welches Unternehmen es sich handelt. Die Deutsche Bahn AG ist kein Privatunternehmen, sondern ein staatliches, daß von einigen Möchtegernmanagern wie ein privates Unternehmen geführt wird. Tatsächlich ist aber jeder Steuerzahler und damit sicherlich mindestens jeder 2. Fahrgast ein Anteilseigner.
Das Ziel, die Deutsche Bahn AG mit allen Tochterunternehmen an die Börse zu bringen, wird im gegenwärtigen allgemein anerkannten Unternehmensführungsstilklima dazu führen, daß das Eisenbahnbundesamt noch öfter Züge stillegen lassen muß, weil seitens des Managements die Sicherheit der Fahrgäste gern leichtfertig auf’s Spiel gesetzt wird, damit man mehr Geld aus dem Unternehmen pressen kann.
Der Unternehmensführungsstil, Geld aus jedem Unternehmen herauszupressen, selbst wenn das Unternehmen selbst und dessen Ruf Schaden nehmen, ist ein Übel, der jüngeren Zeit- und Gegenwartsgeschichte: man sah es am sogenannten Neuen Markt, man sieht es bei dem Kunstprodukt Arcandor (dessen Ex-Vorstand sich keiner Schuld bewußt ist) und man sieht es bei der Bahn. Bei der Bahn ist es nur umso skandalöser, als daß es sich hierbei im Prinzip um einen VEB handelt (unsere Brüder und Schwestern aus dem Osten kennen das Kürzel sicherlich noch und seine eigentliche Bedeutung). Die Bahn AG ist ein Volkseigener Betrieb, ein staatlicher Konzern, der gegenwärtig vom Management heruntergewirtschaftet wird. Wieso glaubt man, ein Unternehmen damit fit für den Finanzmarkt machen zu können, wenn man die Substanz des Unternehmens ruiniert? Welche Logik steckt dahinter?
Ich finde mittlerweile, daß die in puncto S-Bahn betroffenen Länder eine Enteignung der DB AG prüfen lassen sollten, denn die Interessen der Steuerzahler bzw. jener Steuerzahler, die im täglichen Berufsverkehr S- und Regionalbahnen als Pendler nutzen (müssen), werden vom derzeitigen wie vom abgelösten Bahnmanagement grob vernachlässigt.
Die Bahn, die schon dem Herrn Mehdorn vorschwebte, war vollkommen auf den Fernverkehr ausgerichtet - und nicht mal als Fernverkehrsbahn ist die Bahn wirklich attraktiv - zumindest preislich nicht, und die Anbindungen sind auch immer miserabler. Das einzig attraktive an der Bahn ist: man sitzt (vorausgesetzt der Zug ist nicht überfüllt) bequem, und kann sich zur Not auch die Beine vertreten. Und wenn das Bahnmanagement gut gelaunt war, hat man sogar einen Speisewagen an Bord (das ist leider nämlich auch längst nicht mehr bei jedem IC gegeben).
Also bin ich im übrigen der Meinung, daß die DB AG zerschlagen werden sollte (unter der Voraussetzung, daß die Damen und Herren Volksvertreter und das Möchtegern-Management weiterhin den Gang an die Börse anstreben).
Für welchen Investor soll dieses Unternehmen eigentlich interessant sein? Logistiker könnten durch Anteilserwerb vielleicht Interesse daran haben, einen Teil des Gütertransports auf die Schiene zu verlagern. Aber welcher Investor wäre bereit den Personennahverkehr auf der Schiene aufrecht zu erhalten, wenn er immer noch über 95% dieses Verkehrs zu bestreiten hätte. Die S-Bahn Berlin GmbH hat es ja nun nicht mehr hinbekommen. Für diese Gesellschaft bedeutet das einen Ausfall von mehreren Mio €, da sie pro pünktlichen Zug vom Land bezahlt wird. Vom Imageschaden ganz zu schweigen.
In einigen Leserbriefen (die mir gesteuert erschienen) war in diversen Foren und Medien zu lesen, das Bundeseisenbahnamt hätte bei der S-Bahn Berlin GmbH mit Kanonen auf Spatzen geschossen, von wegen es wäre nicht nötig gewesen gleich so viele Bahnen in die Werkstätten zu zitieren. Ich finde, nach allem was im Zuge dieser Schweinerei herauskam, daß das keinesfalls überzogen war. Denn das ganze hatte Methode. Man hat vom Management her Vorgaben an die Arbeiter gegeben, man nehme Grenzwertüberschreitungen in Kauf bzw.sind die Grenzwertüberschreitungen um ein vielfaches ja regelrecht angeordnet worden. Und alles nur, um möglichst viel Geld aus dem Unternehmen herauszupressen. Ein Unternehmen wird hier geradezu ausgeblutet, um ein paar Wertpapiere an einer entsprechenden Börse handeln zu können. Was bitte schön, soll denn der Nennwert dieser Aktie sein? Null Komma x Euro? Kann jemand hier x ermitteln?
Man kann doch nur ein Unternehmen an der Börse handeln, das Substanz hat. Eine Bahn, die nicht fährt, weil die zuständige Aufsichtsbehörde die Züge in die Werkstatt beordert, ist doch faktisch keinen müden Cent wert. Da können die Manager noch so mit Ihren Gehältern in den entsprechenden Etagen prahlen. Wo nix fährt, wird kein Geld verdient.
Seit den 90er Jahren und dem in ihnen enthaltenen Börsenhype, wird das Wirtschaftsinstrumentarium Börse/Finanzmarkt sowieso vollkommen überschätzt.
Also entweder bleibt die Bahn in Bundeshand oder sie gehört m.E. zerschlagen und ausgeschlachtet.
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Atombombenabwürfe in Japan 1945 - nichts gelernt?
8.8.2009 von Wolf.
Dieser Tage jähren sich die Atombombenabwürfe auf Hiroshima (6.8.1945) und Nagasaki (9.8.1945), die die fast bedingungslose Kapitulation Japans zur Folge hatten und den Zweiten Weltkrieg in Asien und dem Pazifischen Raum beendeten.
Heute - rund 65 Jahre später - scheint die Menschheit immer noch nicht viel weiter denken zu können. Täglich bewahrheitet sich die Aussage, daß die Massen doof sind. Im Pulk agiert der Mensch entgegen jedweder Vernunft und überläßt einigen wenigen Agitatoren das Wort und das Entscheidungsrecht. Israel (d.h. dessen Premier) überlegt laut, ob es nicht an der Zeit wäre, im Falle eines Falles, Teheran zu bombardieren. Teheran selbst ist im Umbruch bzw. herrscht Irritation in der islamischen Republik - keiner weiß so recht, wohin die Reise gehen soll und die Metropolenbevölkerung geht auf die Straße (diese wissen scheinbar, wovon ich rede bzw. reden werde). Afghanistan will nicht so recht von den Taliban lassen bzw. umgekehrt (das ist nicht so ganz klar, wer da wen nicht in Ruhe lassen will).
DEMOKRATIE heißt das Wort, daß die meisten Menschen letztlich nicht begriffen haben, auch jene nicht, die es besonders häufig im Munde führen (denen sollte man sowieso nicht trauen).
Es scheint fast, daß die DEMOKRATIE im ureigentlichen Wortsinne ein theoretisches Gebilde ist, welches vom Prinzip her gut ist, in der Umsetzung aber stets irgendwie nicht so richtig funktionieren will (wie es auch im Kommunismus ist etc.). Im Prinzip adaptieren alle Gesellschaften irgendwie immer eine Art Führermodell. Dabei muss das nicht immer so ausarten wie beim GRÖTAZ (ursprünglich GRÖFAZ, aber es erwies sich ja eher, daß erdessenNamenichtsoschönist ein GRÖTAZ = GRÖßter Trottel/Teufel Aller Zeiten war). Das Führermodell ist: einer steht vorne und sagt, wo es lang geht, und der Rest trottet mehr oder minder murrend oder jubelnd hinterher. Manchmal steht auch eine Gruppe vorn - das Ganze artet dann nur unwesentlich zum besseren aus. Irgendwie bilden sich in den verschiedenen Gesellschaften immer wieder selbsternannte Eliten heraus (das meist einzig elitäre an Ihnen: sie haben das meiste Geld oder die stärksten Ellenbogen), die die Führung übernehmen und der breiten Masse Ihren Willen aufzwingen.
Es ist doch kein Naturgesetz, daß die Reichen reicher werden und die breite Bevölkerung herumkrebst (wenn im Falle der BRD auch auf sehr hohem Niveau - vor allem im Vergleich zu den Schwellenländern und erst recht zu den Entwicklungsländern).
Nordkorea - das ist das Land, wo Herr Clinton neulich war, um auf komische Art und Weise zwei US-Bürgerinnen freizubekommen - ist doch ein ganz guter Beweis dafür, daß gleichgültig welches System von der selbsternannten Elite als ideal für das jeweilige Volk erachtet wird, die breite Masse immer darben muß, zumindest aber so irgendwie herumkrebsen muß, um über die Runden zu kommen.
Man muß aber nicht auf den "kommunistisch" geführten Norden Koreas schauen, um Elend finden zu können: Südkorea bietet das auch, und auch dort gibt es Mängel im politischen System. Und um aus dem asiatischen Raum zurückzukommen, schauen wir uns doch unser System an: die Bundesrepublik hat auch ihre Macken und Fehler. Wir haben noch das Glück (?), uns diesen Dreck selber antun zu dürfen. Am 27. September ist es wieder so weit. Wißt Ihr schon, welches kleinere Übel Ihr wählt? -Ich nicht!
Was das alles mit den Atombombenabwürfen vor rund 65 Jahren zu tun hat? Könnt Ihr lesen?
Im übrigen bin ich der Meinung, daß die Deutsche Bahn AG zerschlagen werden sollte. (Kann mir das einer ins Lateinische übersetzen?)
Geschrieben in Tod, Politik un' so'n Kram, Kulturelles und so, Sprache | Drucken | Keine Kommentare »
Gretchen
8.8.2009 von Wolf.
Im letzten Dezember erschien bei Rowohlt ein Taschenbuch, daß vordergründig ein historischer Kriminalroman ist und die Geschichte der Susanne Brand aufgreift, jener real einst existierenden Kindsmörderin, die Goethe als Vorbild für sein Gretchen (Faust) gewählt haben soll.
Mit einer sehr komisch anmutenden Sprache (im Falle der wörtlichen Rede) hat dieses Buch nicht nur einen wirklich humoristischen Zug (wenn man einen etwas verqueren Humor hat), sondern es zeichnet zudem ein sehr plastisches Bild eines Frankfurts um 1770/71 in Bezug auf Gesellschaftsstruktur und Makel einer jeden Gesellschaft: die Egozentrik des Menschen und seine Raffgier. Probleme werden dort am Rande aufgegriffen, die aktueller kaum sein könnten: es handelt mitunter von Menschen, die nicht genug Geld verdienen, um wirklich überleben zu können, Menschen, die sich Rechte erkaufen, und anderen, die sich so etwas nicht leisten können. Es handelt mittelgründig von der ganzen Verderbtheit einer Spezies: dem Menschen.
Der Mensch, obgleich ein Herdentier und sich zusammenrottend, zeigt sich auch in dieser Geschichte wieder unfähig und unwillig, echte Solidarität und Hilfe zu leisten. Inkompetenzen und Hokuspokus werden am Rande auch thematisiert, aber im Zentrum steht doch das Gretchen bzw. sein historisches Vorbild, die Magd Susanne Brand, unverheiratet, verhätscheltes Nesthäkchen einer eigentlich fast mittellosen Familie, die den Schwestern fast nur Kummer bereitet.
Ein sehr empfehlenswertes Buch, das über die bloße Unterhaltung mit einer Kriminalgeschichte dem Leser auch wieder einmal eindrucksvoll vor Augen führt, welch widerlicher Spezies er angehört.
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