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Archive für 10.10.2009

Hitlers Kampf

… es gibt Dinge im Leben, von denen man bei genauerer Betrachtung sich nur kopfschüttelnd abwenden kann: so wird gegenwärtig in manch einem Forum diskutiert, was denn wohl sein wird, wenn am 01.01.2016 urheberrechtlich kein Schutz mehr für Adolf Hitlers Elaborat “Mein Kampf” vorliegt. Gegenwärtig liegen ja für den deutschen Markt die alleinigen Verwertungsrechte beim Freistaat Bayern. Dieser vergibt bisher keine Lizenzen (bis auf eine für eine kommentierte und gekürzte Fassung, die wohl beim List-Verlag erschienen ist [ob die wirklich noch lieferbar ist, habe ich nicht überprüft, weil mir das reichlich egal ist]).

Allen Ernstes diskutiert man in den entsprechenden Foren, ob es nicht sinnvoll sei, nach Erlöschen des urheberrechtlichen Schutzes eine kommentierte Komplettausgabe zu publizieren. Wieso erst dann, frage ich mich?

Davon mal abgesehen, daß Raubdrucke ja trotz aller Bemühungen des Freistaates Bayern über illegale Bezugswege zweifelsohne verfügbar sein dürften (ich weiß nicht, ob die Fassung bei GoogleBooks mittlerweile offline ist), halte ich die ganze Diskussion um dieses Machwerk für völlig übertrieben.

Hitler ist tot - zum Glück. Seine geistigen Erben leider noch nicht alle, Idioten muß es scheinbar eben immer geben. Ob nun “Mein Kampf” irgendwann für den interessierten Leser wieder käuflich erwerblich ist (der Handel mit unveränderten Originalausgaben aus der Zeit vor 1945 ist übrigens bedingt legal), oder in China der berühmt-berüchtigte Sack Reis umfällt, ist doch vollkommen wurscht. Glaubt denn tatsächlich einer, daß dieses grottenschlechte Konstrukt deutscher Sprache je wieder eine Bestsellerliste erstürmen wird? Wohl nicht. Als es für den Durchschnittsdeutschen noch kein must-have war (sprich Pflichtbesitz /-lektüre für Nachwuchskader der NSDAP), hatte das Buch an sich auf dem deutschen Markt keine großen Absätze erzielt. Zumindest wird das so kolportiert.

Wer sich an den entsprechenden Inhalten aufgeilen will, findet heute schon Mittel und Wege des Bezugs, da habe ich keine Zweifel. Vernünftige Leute bleiben ohnehin irgendwo in der Lektüre stecken, weil das Buch so grauslich geschrieben ist und so verworren und verquast, daß es de facto gar nicht lesbar ist. Dagegen ist Frau Jelinek ein Kinderspiel.

Der geneigte Leser möge sich doch bitte an intelligent geschriebenen Bücher festhalten, “Mein Kampf” ist verzichtbar und gehört in die Kategorie Bohlen und Konsorten: man sollte um die Bäume trauern, die für den Druck dieses Textes sterben mussten. Damit verweise ich erneut auf meine Idee einer Ökoabgabe für Verlage verzichtbarer Inhalte …

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