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Archiv der Kategorie Schwul
Politik, politische Meinungsbildung und persönliche Aspekte
3.3.2007 von Wolf.
Wie bilden wir uns eine Meinung? Was ist ausschlaggebend, was ist irrelevant?
Ich kam in den letzten Tagen und Wochen nicht umhin, mir diese Frage mal zu stellen, da ich mich doch - im Nachhinein betrachtet - recht unvorbereitet auf ein Territorium wagte, auf dem ich mit teils weitaus versierteren Personen zusammentraf, Personen, die sich scheinbar auf diversen politischen Bühnen und Themenfeldern irgendwie besser auszukennen schienen, zumindest aber über mehr Faktenwissen verfügten. Wie kam es also, daß ich es wagen konnte, dieses Forum zu betreten, in dem diese Personen sich scheinbar schon seit Äonen bewegten? Wo hatten die ihr wissen her? Wieviel mußten diese Personen, um an dieses Wissen zu gelangen, schon zuvor konsumiert haben?
Gemeinhin würde ich ja sagen, man brauch sich nur mit der Lektüre einer Tageszeitung begnügen, um an solches Faktenwissen heran zu kommen. Dieses war wohl ein Irrtum. Eine Zeitung scheint nicht zu genügen. Zeitungen allein scheinen nicht zugenügen. Man muß offenbar noch viel mehr an Lektüre konsumieren. Bücher also - nur welche? Alle? Wie kann man dafür soviel Zeit aufbringen? Woher nimmt man diese Zeit?
Um sich eine fundierte politische Meinung aneignen zu können. Kann es auf jeden Fall nicht genügen, Boulevardzeitungen zu konsumieren. Man kann sich offenbar allein auch nicht auf eine Zeitung konzentrieren, um ein umfassendes Bild von der politischen Realität zu bekommen. Aber welche Zeitungen, welche Magazine, welche Bücher sollte man lesen?
Eines ist mir auf jedenfall klar: Wer mir Elizabeth George als politische Lektüre verkaufen will, muß eine sehr geringschätzige Meinung von mir haben. Zur Aufklärung: Elizabeth George ist eine Kriminalschriftstellerin, eine sehr erfolgreiche zudem, zumindest was die Verkaufszahlen anbelangt. Sollte jemand sich in einem politischen internetforum bewegen, in dem jemand einem den Titel “Wer die Wahrheit sucht” von Elizabeth George als politische oder weltanschauliche Lektüre ausgeben will, der sollte jenen Menschen mit Vorsicht “genießen”. Dieser Typ will einen offenbar für saublöd verkaufen. Genauso gut könnte ich einen Harry-Potter-Roman oder irgendeinen Politthriller als politische Lektüre angeben. Romane, gleichgültig wie tief sie in die jeweilige Materie eindringen, gleich wie wissenschaftlich fundiert sie auch sein mögen, bleiben doch Unterhaltungsliteratur - auch wenn sie gut recherchiert sein mögen.
Nun, wie kommen wir nun aber zur korrekten Lektüre? Wie breit muß sie im weltanschaulichen gefächert sein, damit wir ein (ungefähres) Bild vom Geschehen in der Welt bekommen? Inwiefern muß der menschliche Intellekt durch zusätzliche Lektüre stimuliert sein, daß man irgendwann zu dem Schluß kommen kann: “Hier stehe ich, das ist meine Meinung!” Reicht die Schulbildung aus oder muß da mehr kommen?
Welche persönlichen Aspekte spielen bei der Ausrichtung der politischen Ortsbestimmung eine Rolle? Welche Gewichtung bekommen Religion, Hautfarbe, Nationalität, Geschlecht und Geschlechtsleben, Beruf und Berufung für die Suche nach der politischen Heimat?
Seit längerem ist mir ja schon klar, daß zumindest unter schwulen Männern es nicht als selbstverständlich gilt, daß man seine politische Heimat eher im liberalen bis sozialistischen Spektrum verortet. Nicht nur, daß Schwule und Lesben sich durchaus selbstbewußt unionsnah zeigen, sondern es gibt zumindest auch unter schwulen Männern eine Teilmenge, die sich rechts von der Union positioniert und auch außerhalb des demokratischen Spektrums steht. So wie es scheinbar widersinniger Weise Russen gibt, die Adolf Hitler verehren (obwohl die Propaganda der Nazis und Hitler selbst, die Russen als Untermenschen bezeichneten, wenn ich nicht irre), so gibt es auch viele Schwule, die sich von rechten Männerbünden angezogen fühlen, obwohl sie wissen müssten, daß ein Homosexueller, der seine Sexualität auslebt, ebenso als minderwertig galt/gilt, da er für das Überleben des Volkes sich nicht körperlich einsetzt/-e, wenn er sich einer Sexualität hingibt/-gab, die keinen Nachwuchs bringt/brachte. Auch Menschen, die die Sexualität nur um ihrer selbst wegen und aus reinem Spaß ausleben und -lebten, sind im System der NS-Ideologie nicht viel Wert (gewesen), wenn sie nicht auf Reproduktion ausgerichtet sind/waren. (sh. auch)
Wie bestimme ich also meine politische Position als Arbeiter/Angestellter, als Student, als Schwuler, als Mann, als Weißer, als Katholik pro forma (will meinen: nicht aktiv, aber registriertes Mitglied der röm.-kath. Kirche), als Deutscher, als Europäer, als Mensch, der viele Eigenschaften auf sich vereint? Kann man als Mensch, in einem Staat, der sich als parlamentarische Demokratie begreift, und so konstituiert ist, und bei aller Kritik an dieser bestehenden Verfassung von den meisten auch so begriffen wird, sich eine endgültige Meinung überhaupt bilden, wenn es das Prinzip der Demokratie ist oder sein sollte, keinen Stillstand zu kennen, sondern fortwährend sich weiter zu entwickeln, das Wohl aller fest im Blick?
Das Hauptargument gegen die Gegenwart der Bundesrepublik Deutschland kann und darf meines Erachtens nicht die Verfassung sein. Es ist und kann nur die Kritik an den gewählten Vertretern und ihrem Handeln sein. Das System an sich ist gut, wenn auch durchaus hier und da noch immer verbesserungswürdig, die Akteure sollten uns Sorgen machen. Die Akteuere sind nicht zuletzt auch wir, an den Wahlurnen! Bildet Euch Eure Meinung - aber bitte nicht allein mit der BILD!
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Diskussionsforen
2.11.2006 von Wolf.
Was wollte ich hier jetzt eigentlich schreiben? Ach ja: Einige schwule internetportale bieten Ihren Nutzern / Kunden auch die Möglichkeit, Diskussionsforen einzurichten - zu allen möglichen Themen, u.a. auch zu dem Thema Politik.
Meine Wenigkeit ist derzeitig bei drei (Möchtegern-)Politikforen auf GayRomeo.com angemeldet. Das “Möchtegern-” habe ich in Klammern gesetzt, weil die drei Foren sich auf drei ganz unterschiedlichen Niveaus bewegen. Das größte dieser Foren mit derzeitig 571 Teilnehmern scheint dabei das niedrigste Niveau zu haben und einen hohen Anteil “naziphiler” Diskussionsteilnehmer. Der Name des Forums ist leider ein Euphemismus, der nicht als Programm aller getragen wird.
Der zweite Club (”Gay_Solidarity”, 278 Mitglieder) scheint mir noch am ehesten ein besonnenes und auf dem Boden der Verfassung stehendes Publikum zu besitzen. Er ist am niveauvollsten von den dreien, bei denen ich Mitglied bin.
Der dritte kann mit derzeitig 60 Mitgliedern eher unter ferner liefen gelistet werden, ist aber auch erst wenige Wochen alt.
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faker
2.11.2006 von Wolf.
In diesen Kontaktbörsen gibt es Leute, die sich dort mit “gestohlenen” Bildern bzw. Bildern präsentieren, die nicht diese Personen selbst zeigen, von denen die Personen aber behaupten, sie seien es, bzw. die total verkehrte Angaben zu ihrer Person machen. Man nennt sie faker, sie gehen mit gefaketen Angaben ins Netz und versuchen gezielt, Leute zu verwirren, zu verarschen oder auch schlecht zu machen. to fake = fälschen, imitieren; frisieren, verfälschen. Diese Leute sind meist nur lästig, können aber auch zu hartnäckigen Verfolgern werden. Ggf. kann es sein, daß sie auf Angaben zu fremden Person kommen, die unter den Datenschutz fallen und dann wird es extrem schwierig. Man kann diesen Leuten nur schwer auf die Schliche kommen, sie sind kaum zu fassen, wiegen sich teilweise aber auch in einer falschen Sicherheit und glauben oft, sie wären so anonym, daß ihnen keiner nachspüren könne.
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internetportale
2.11.2006 von Wolf.
Es gibt im Netz diverse internetportale, wo man Leute kennenlernen kann und sich auch für Treffen außerhalb des cyberspace verabreden kann. Es ist dabei nicht immer ganz einfach mit den Leuten in Kontakt zu kommen. Viele geben sich dabei besonders cool, andere sind unkompliziert, wie in der restlichen Szene auch gibt es Diven, besonders verlogene Typen, die ihre Profilseite wie eine Anklage gegen die Schickimicki-Szene gestalten, im Grunde aber exemplarische Vertreter dieser Spezies von Schwulen sind. Es gibt zum Glück aber auch dort, ehrliche und unverkrampfte, liebe Leute, mit denen man gern zumindest mal ein Bier trinken gehen kann.
Manchmal habe ich allerdings das Gefühl, ich bin zu alt für sowas …
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coming-out
2.11.2006 von Wolf.
Sprung zu mir und in die Gegenwart bzw. jüngere und persönliche Vergangenheit: Meine Eltern haben heute noch damit zu kämpfen, daß ich schwul bin - glaube ich. So ganz akzeptieren möchten sie es nicht. Ist sicherlich auch nicht leicht, wenn man selbst in der Überzeugung groß geworden ist, daß so etwas pervers oder abartig sei, unnatürlich, krank und/oder eine Sünde. Nicht daß meine Eltern sonderlich religiös wären. Es ist vermutlich eher die Frage: Was wird bloß aus dem Jungen? Was denken/sagen die Nachbarn, die Verwandtschaft, die Freunde?
Zu meinem coming-out kann ich eigentlich irgendwie nicht viel sagen: gegenüber meinen Eltern fand es eigentlich eher in meiner Abwesenheit statt. Wie das?
Meine Mutter hatte mich seinerzeit zusammen mit meiner kleinen Schwester in Hannover besucht. Damals war ich gerade mal ein paar Wochen von zu Hause weg - glaube ich, hatte kurz zuvor meinen Zivildienst an der MHH angetreten. Und die zwei hatten mir noch ein paar Sachen mitgebracht, damit ich es mir wohnlicher einrichten konnte in meiner kleinen Dienstwohnung. Wir hatten ein wenig geklönt und Kaffee getrunken. Dabei erwähnte ich das HOME - ohne zu erklären, was dieses war, nämlich ein bzw. das hannöversche schwul-lesbische Begegnungszentrum, ähnlich dem Magnus-Hirschfeld-Centrum in Hamburg oder dem Mann-O-Meter in Berlin, denke ich. Ich meinte vielmehr, es sei ein Begegnungszentrum für “Leute wie mich”. Wie umständlich, wie nichtssagend - doch es weckte die Neugier meiner Mutter.
Als meine Mutter dann für kleine Mädchen war, sagte ich zu Gabi, daß sie bei Fragen diesbezüglich ruhig sagen könne, was Sache sei. Wie feige von mir … ich fand einfach nicht den richtigen Ansatz, fand nicht den rechten Mut - ich delegierte mein coming-out an meine Schwester.
Ich weiß aber, daß meine Mutter eigentlich schon weitaus länger Bescheid wußte oder wissen müsste - zumindest aber ahnte bzw. befürchtete sie etwas in der Richtung, seit sie beim Bettenmachen mal eine meiner Wichsvorlagen unterm Kopfkissen fand und etwas in der Richtung mir gegenüber mit einem verschwörerischen Grinsen andeutete. Zu der Zeit muß ich um die 15 gewesen sein. Ich glaube, mir war damals die Kinnlade heruntergeklappt. (⇒ sh. auch)
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