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Nazis in Schwulen Netzportalen
2.11.2006 von Wolf.
Es gibt hierzu in einigen Schwulenmagazinen dieser Tage (u.a. Märzheft 2006 sergej, S. 24f) einen Artikel mit dem Titel “Tunten und Türken unerwünscht”. Die Recherchemethoden zu diesem Artikel sind m.E. fragwürdig (ein fakeprofil wurde erstellt und wahllos (?) wurden private User auf Kontaktwunsch mit einem “Nazi” getestet). Ich nenne diese Recherchemethode mal … unkonventionell. Nichts desto trotz spricht der Autor ein heikles Thema an. Inwiefern müssen, sollen, können Portalbetreiber dort eingreifen und “Braunen” die Agitation verbieten? So wie der Kampf gegen die gefälschten Profile an sich, ist auch der Kampf gegen “Braune” eine Art Kampf gegen die Windmühlen. Redlich ist, wer ihn dennoch aufnimmt.
Nebenbei bemerkt macht die Bewunderung für das künstlerische Schaffen Leni Riefenstahls eine Person nicht automatisch zum (Neo-)Nazi. Die Dame gab sich im Nachhinein sehr naiv - was sie wirklich wußte, dachte und fühlte in Bezug auf das Naziregime, werden wir wohl nie erfahren. Leni Riefenstahl war aber zweifelsohne nicht unbegnadet - rein künstlerisch betrachtet.
Viele Bewunderer haben und hatten - trotz Nazikontakten und einer großen Karriere zu jener Zeit - Heinz Rühmann, Hans Albers, Zarah Leander etc. pp. Werden deren Bewunderer automatisch zu den Nazis gezählt? Ist mir nicht bekannt. Also sollte man auch hier fein differenzieren.
Wer im übrigen nun mich des Nazikultes verdächtig findet, muß wohl strohdoof sein. Nun gut - dumm fickt gut … *kopfschüttel*
Ich bin mir aber nicht so sicher bezgl. der Schlußfolgerungen, die andere in und aus diesem Artikel ziehen: Es ist nicht - sicherlich nicht - nur die pure Geilheit angesichts eines vermeintlich strunzgeilen Kerles, daß das Hirn und der Verstand in die Hose sacken und man(n) auf solche Typen anspringt. Ovo Maltine (die Berliner Polittunte schlechthin; Gott hab sie selig) sagte einmal - wie ich finde zu Recht -, daß in jedem von uns in gewisser Weise ein kleiner (?) Nazi haust. Wir alle tragen in uns eine gewisse Xenophobie (Angst vor dem Fremden, Fremdartigen). Diese Angst muß von jedem, teils jeden Tag auf’s Neue überwunden werden, damit wir überhaupt neue Kontakte knüpfen können. Woher diese Xenophobie stammt, ist nicht ganz klar - mir zumindest nicht (vielleicht kann mich ja jemand aufklären), aber sie steckt in jedem von uns und ist in jedem unterschiedlich stark ausgeprägt. Bestimmte erlernte Kulturtechniken können helfen, diese Angst jedesmal auf’s Neue zu überwinden.
Der Autor des Artikels spricht aber nicht nur von Privatkontakten und der puren Geilheit, die den Verstand beiseite schiebt - er spricht auch von der Duldung einiger Diskussionsforen innerhalb der angesprochenen Plattformen. Manche dieser Foren tarnen sich als Diskussionsforen für sogenannte Pagane (?), Menschen, die sich selbst als Nichtchristen bezeichnen, Anhänger vorchristlicher Naturreligionen. Ein Stichwort ist hier mitunter die “Schwarze Sonne”. Sie wird oft oder zumindest nicht selten durch ein (spiegelverkehrtes[?]) Hakenkreuz symbolisiert (vergl. “Schwarze Sonne”, Wikipedia; ich bitte zu beachten, daß Wikipedia ein freies Werk ist, in dem nahezu jeder sein “Wissen” verbreiten kann, nach einem ersten Durchlesen halte ich es angesichts der Literaturliste aber durchaus für lesenswert).
Viele rechtfertigen ein Tattoo in dieser Form mit Hinweisen auf ältere, vorchristliche Ursprünge. Diesen Leuten sei einmal gesagt: dieses Symbol - vollkommen gleich welchen Ursprung es hat (d.h. an sich ist es nicht vollkommen gleich, sollte es wider andere Behauptungen tatsächlich originär Nazisymbolik sein, umso schlimmer!) - hat seine Unschuld verloren. Wer es nutzt - trotz des Wissens um die Bedeutung innerhalb des Dritten Reiches und den Huldigern jener Zeit - findet sich m.E. ganz zu Recht konfrontiert mit einem Rechtfertigungszwang. Man kann die Unschuld nicht zurückerlangen!
Es grenzt in meinen Augen fast an Idiotie, wenn jemand in Europa die nationalsozialistische Verwendung dieses Symbols, welchen Ursprung nun es auch immer haben mag, herunterspielt oder es verwendet und aber auf andere angeblich ältere Ursprünge hinweist. Dieses Symbol hat unter den Nazis dazu gedient, Terror und Schrecken zu verbreiten - überall dort, wo diese Flagge gehisst wurde, wurden Menschen aufgrund nichtiger Vorwürfe und Vorwände gefoltert, verstümmelt und abgeschlachtet. Wer dieses ignoriert … hat intellektuell versagt!
Es gibt zwei sehr schöne, aber auch zweischneidige Zitate in Bezug auf die Foren, die bspw. in einem offenen Antwortbrief an die User die Administratoren des ⇑ internetportals GayRomeo in Bezug auf diese Artikel:
Rosa Luxemburg: „Freiheit ist immer die Freiheit des Andersdenkenden“
Benjamin Franklin: „Wer grundlegende Freiheiten aufgibt, um vorübergehend ein wenig Sicherheit zu gewinnen, verdient weder Freiheit noch Sicherheit.“
Das Problem dieser Zitate ist, daß man sie auf Personen anwenden will, die keine Rücksichten auf die Freiheiten anderer nehmen wollen. Ferner ist vor allem Franklins Ausspruch auch abwandelbar: Franz Müntefering wurde ja in den Mund gelegt: “Wer arbeitet, soll auch essen, wer nicht arbeitet, braucht nicht zu essen.” Wer was verdient oder nicht, ist eine Frage, die man niemals in ein Bonmôt tun sollte. So etwas braucht Zeit zur reiflichen Überlegung. Es gibt Rechte, die unser Grundgesetz nicht ohne Grund als “unveräußerlich” betrachtet. Niemand kann einem das Recht auf Freiheit, Leben oder körperliche Unversehrheit absprechen. Prinzipiell! Bei der Freiheit ist das so eine Sache: schließlich kann sie einem im Rahmen der Strafgesetzgebung genommen bzw. eingeschränkt werden. Aber diese Diskussion führte hier zu weit …
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Schwule Nazis
2.11.2006 von Wolf.
Es ist sogar so pervertiert bisweilen: Es gibt schwule Nazis! An und in sich ein Widerspruch, sollte man meinen, aber es gibt sie. Das liegt nicht nur an Ernst Röhm, dem früheren SA-Chef, der am 01.07.1934 ermordet worden ist. Alles deutet darauf hin, daß das auch mit seiner Bi-/Homosexualität zu tun hatte, die er auf eine sehr barocke Art und Weise auslebte. Es gibt die von der NSDAP gestreute Legende vom Röhm-Putsch. Die SA zog seinerzeit auch auf Grund Röhms Lebenswandels viele junge schwule Männer an und suggerierte vielen Schwulen, daß die Nazis nicht so schlimm sein konnten, wie viele andere behaupteten. Eine trügerische Sicherheit, die sich in der Nacht vom 30.06. zum 01.07.1934 in nichts auflöste oder vielmehr im blutigen Erwachen und Sterben endete. Es war eine Nacht der Langen Messer. Hierzu empfehle ich den Film “Bent”, der überwiegend zwar im KZ Sachsenhausen bei Oranienburg (im Brandenburgischen) spielt, aber am Vorabend der Ermordung Röhms beginnt.
Es gibt in der Soziologischen Fachliteratur auch viele interessante Untersuchungen zu heutigen (Nazi-)Skin-Gruppen, Neo-Nazis und Schwulen, sowie zu Schwulen und Männerbünden in der Rechtsextremen Szene. Ich halte es für eine Pervertierung des schwulen Selbst, sich einem solch menschenfeindlichen Männerbund, der nicht selten die Selbstverleugnung vorraussetzt, anzuschließen. Dennoch gibt es immer wieder auch Schwule, die sich zu den Schlägertrupps, aber auch zur rechten Intelligenzia hingezogen fühlen. Eine merkwürdige Verirrung des Geschmacks verleitet Uniformfetischisten bisweilen auch dazu, SS-Uniformen zu ihrem Fetisch zu machen. Bei einem der vergangenen CSDs in Berlin führte das zu einem Aufschrei innerhalb “der Szene”, als bei der Auftaktveranstaltung auch Uniformfetischisten in SS- bzw. KZ-Häftlings-Uniformen auftraten.
Bei den Skins muß man aber wohl differenzieren: Skin ist nicht gleich Skin. Es gibt rechte Schläger- und Gröhl-Skins, “unpolitische” Oi!-Skins, Red-Skins (sie sind links einzuordnen) und Gay-Skins, die sich vermutlich auch nochmal aufteilen. Ganz blicke ich da ehrlich gesagt noch nicht durch, aber es kann Euch sicherlich an anderer Stelle geholfen werden. (⇒ sh. hier)
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Benehmen
2.11.2006 von Wolf.
… ist Glückssache, sagt der Volksmund. Leider behält er gerade unter Schwulen nur allzu oft Recht. Nicht daß die Alten nicht seit jeher sich über die schwindenden Manieren der Jugend beschwerten, nein, die Alten werden jetzt auch schon frech, geschmacklos und extrem unhöflich - will man bisweilen meinen. Vor allem in Chat-Foren im internet, wo man sich besonders anonym wähnt, obwohl man vielleicht nur zwei Häuser um die Ecke von einander sitzt, fliegen bisweilen die Fetzen in ungehörigem Maße. Man schmeißt sich Sachen an den Kopf, wo anderen Hören und Sehen verginge, erführen sie davon.
Nun waren Schwule - selbstbewusste Tunten zumindest - noch nie sonderlich zimperlich im Umgang miteinander, aber man wahrte doch ein gewisses Niveau, und einen gehörigen Einfallsreichtum beim gegenseitigen Beleidigen brachten einige auch noch mit.
Doch als die Gucci-Tucken und Klon-Schwulen aufkamen, als Tuntesein out war, begann der Abstieg. Man wurde nieveaulos gehässig. Das Zicken kam auch bei anderen, die eher auf Macho-Typen machen, in Mode und mit der Massenverdrahtung deutscher Haushalte ans internet rutschte der Hang komplett ab. Der Tsunami an Unfreundlichkeit, der dann die Alltagskultur überrollte, war durch nichts mehr zu halten.
Mehr als eine Beschreibung des Phänomens kann ich hier leider nicht bieten. Aber ich hoffe, daß die alleinige Erwähnung vielleicht den einen oder anderen mal zum Nachdenken bringt. Höflichkeit muß kein Fremdwort sein!
Nachtrag 07.10.2006: Nun ist es nicht gerade so, daß sich das schlechte Benehmen ausschließlich auf schwule websites beschränkt, und es ist auch nicht so, daß dieses ein Phänomen wäre, welches sich ausschließlich im Netz befände. Generell gesagt verlottert nicht nur die Sprache, ich habe auch den Eindruck, daß immer weniger Rücksicht auf einander genommen wird. Sei es, daß der Nachbar nachts um drei anfängt zu hämmern, morgens um fünf schon jemand sein Altglas entsorgt oder einfach nur zu jeder Tag- und Nachtzeit die Musik so laut aufgedreht wird, daß der gesamte Wohnblock etwas davon hat.
Aber nicht nur das. Man wird nicht nur blöde angemacht, wenn man sich wegen solcher Dinge beschwert. Es muß eigentlich gar nichts großes passieren, sondern man kann aus ganz heiterem Himmel plötzlich einfach so angeschnauzt werden. Und sei es bloß, weil man nicht bereit ist, seinen eigenen Vorrat an teuren Zigaretten mit irgendwelchen dahergelaufenen Schnorrern zu teilen.
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