Archiv der Kategorie Literatur

Guess what …

… heute lernte ich erst die Faustregel, wie man sich ohne Kalender die Länge der Monate ermittelt (also 31 Tage oder nicht). Wieso muß ich erst fast 31 (sic!) Jahre alt werden, eh mir mal ein gütiger Mensch erklärt, wie diese Regel funktioniert?

Fasziniert habe ich immer wieder beobachtet, wie Menschen in meiner Umgebung dieses lustige Abzählspielchen mit den Fingerknöcheln auf dem Handrücken ausübten, aber glaubt Ihr, ich wußte wie sie es tun?

Im übrigen gibt es 7 Monate à 31 Tage, 4 à 30 und 1 à 28 bzw. im Schaltjahr 29. Und davon folgen 2mal 31er Monate direkt aufeinander (Dezember/Januar und Juli/August).

Ich muß ehrlich sagen, der Auenlandkalender ist weniger knifflig: jeder Monat hat 30 Tage und die überzähligen 5 Tage (12 mal 30 sind 360 + 5 = 365) sind außerhalb der Monate angesiedelt und markieren das Jahresendfest (Jul) und die Jahresmitte. Und dann wird in Schaltjahren in die Jahresmitte noch ein Tag eingefügt. Fertig!

Vielleicht bekommen wir ja nochmal eine Tolkiensche Kalenderreform. Ggf. wenn die EU über die Abschaffung der Sommerzeit entscheidet …

Vor circa einer Stunde …

stolperte ich mal wieder über ein Zitat, das mir schon früher begegnet ist:

“An die dumme Stirne gehört als Argument von Rechts wegen die geballte Faust”

Vorsichtig ausgedrückt wird dieses Zitat gemeinhin Friedrich Nietzsche zugeordnet. Es soll aus dem Werk “Menschliches, Allzumenschliches – Ein Buch für freie Geister” stammen. Dem Wikipediaartikel, den ich hier verlinkte, sind keine Zitate angefügt, so daß es auf diese Art nicht verifizierbar ist. Sei’s drum.

Ob es nun von Nietzsche stammt oder nicht, kann mir vielleicht jemand anderes bestätigen oder eben nicht. Worum es mir eigentlich geht, ist die Aussage dieses Satzes:

  1. M. E. ist eine geballte Faust kein Argument, auch wenn es hier und da heißt: lasst die Fäuste sprechen … oder die Waffen. Vielmehr ist das immer das klare Zeichen des Versagens von Argumenten …
  2. Ich kann den Drang, bei geballter Dummheit manchmal geballte andere Dinge (eben auch Fäuste) dem entgegen zu setzen, durchaus nachvollziehen. Was nicht heißt, daß ich es gut heiße, da ich ja auch nicht weiß, ob ich nicht Ziel der Attacke sein soll und ich mir nicht schon wieder eine neue Brille leisten kann …
  3. Prinzipiell ist es mit Zitaten, wie ich schon an anderer Stelle in diesem blog erklärte nicht selten nicht weit her: durch das Herausziehen aus dem Kontext wird die Botschaft oft verfälscht. Nicht selten stellte sich heraus, daß die zitierte Person, so sie denn erstmal korrekt ermittelt wurde, das genaue Gegenteil behauptete.

Davon abgesehen, kann man auch durchaus als Normalsterblicher mal einem Philosophen widersprechen. Auch wenn es ein wenig unfair ist, da sich Nietzsche nicht mehr wehren kann ….

à propos Potter

… es wird ja bald nicht mehr Pottern. Jetzt im Oktober ist nochmal die große Sause mit dem deutschen Potter (also der dt. Ausg. der “Deathly Hallows”) … und dann war’s das. Was dann?

Eine Fortsetzung wird es nicht geben - für jene, die schon die englische Ausgabe kennen, ist klar wieso. Zumal ein neuer Potter-Roman ohne Severus Snape eher dröge sein könnte. ;-)

Was also tun? Welcher Lektüre wendet man sich dann zu? Zum Glück gibt es noch andere Bücher außer jener, die sich um den Zauberlehrling, der erwachsen wird, drehen. (In jeder Buchhandlung stehen sie links und rechts von Potter.)

So ist bspw. dieser Tage auch ein neuer Walter-Moers-Roman erschienen: “Der Schrecksenmeister”. Und für all jene, die es noch nicht kennen sei auf die fabelhaften Reihen von Tad Williams hingewiesen: Der Drachenbeinthron (vier Bde.) und Shadowmarch (bisher 2 Bde.). Und es gibt nicht nur fantastische Literatur ….

Shadowmarch

Wie soll ich nur anfangen?

In den letzten drei Wochen habe ich die bisher zwei erschienenen Romane der Shadowmarch-Trilogie gelesen. Und ich muß sagen: ich bin hin und weg.

Das Werk ist von einer Tiefe und Breite und Vielschichtigkeit, die man bei Tad Williams schon im Drachenbeinthron-Zyklus erlebt hat. Doch in Shadowmarch wird richtig klar, daß - wenn es Elfen oder ähnliche Wesen gibt - so gibt es nichts, was uns dazu verleiten sollte nach ihnen zu suchen und ihre Nähe herbeizusehnen. Sie müssen schrecklich sein.

Die Sithi aus der Drachenbeinthron-Reihe waren nur sonderbar und unmenschlich auf eine sehr sinnenreiche Art und Weise. Die Qar der Shadowmarch-Reihe sind schrecklich.

Und schlimmer noch: die in jener Reihe beschriebenen Götter wirken in den Tempeln jener Welt noch olympisch-menschlich, mächtig aber menschlich, aber in ihrer angerissenen Realität, in der sie schlafen, verbannt aus der Wachen Welt wirken sie schrecklich und man kann sich nur wünschen, daß man ihr Augenmerk nicht auf sich selbst lenkt. Wieviel potenter muß ein einziger Gott sein, der alles geschaffen hat, ob er schläft?

Er muß schrecklich sein, und ich kann mir kaum vorstellen, daß er der Irre ist, den Anne Rice in ihrem Roman “Memnoch der Teufel” skizziert - in einem ewigen Streit mit jenem, der ihm widersprach, ob es denn gut sei, Menschen zu schaffen und ihnen Einlaß ins Himmelreich zu gewähren.

Klingt alttestametarisch, nicht wahr? Diese Furcht vor Gott - in welcher Empfindung man sich nur ducken möchte, verkriechen.

Reden wir uns Gott schön, nett und harmlos?

Zurück zu Shadowmarch: der dritte Band soll Shadowfall heißen. Ich warte schon drauf. Wenn es gut geht, kommt er in ein bis zwei Jahren auf den Markt….

Schulbücher … oder Eltern am Rande des Nervenzusammenbruchs

…. so wie jedes Jahr ist im Sommer in unserer Buchhandlung Schulbuchgeschäft angesagt. Das ist dann fast wie Weihnachten - nur irritierender und scheinbar für die Eltern der Schüler jedesmal der Horror. Sehr empfindlich wird dann reagiert, wenn es heißt: “Tja, das Buch ist z Zeit leider nicht lieferbar. Der Verlag hat zu wenig produziert und muß nachdrucken.” Und vor allem, wenn uns alle nur noch ein Wochenende vom Schulbeginn trennt, und die Eltern auf die obige Ansage mit der Nachfrage reagieren: “Aber das wird doch noch etwas zum Schulbeginn?” Die Augen riesig aufgerissen, ein nervöses Zucken um die Lippen, halb heulend, halb lachend oder auch wutverzerrt. Und wenn man dann mit dem bedauernden Ausdruck im Gesicht langsam den Kopf schüttelt und denkt: dieser arme Tropf.

Lustig wird es vor allem, wenn die Leute nicht begreifen, daß das benötigte Buch nicht ebenmal woanders bestellt werden kann, weil alle Buchhändler im Prinzip auf die gleichen Reserven zurückgreifen. Klar, die Leute müssen den Buchhandel nicht erst verstehen lernen, um Schulbücher bestellen zu können. Aber es ist schon traurig, daß die Leute nicht begreifen, was es heißt, daß ein Buch einfach nicht lieferbar ist.

Was ich nicht begreife: wieso lassen diese Idioten ihre Wut darüber, daß sie zu spät losgehen, an uns aus?

Diese Ignoranz, zu eigenen Fehlern zu stehen, fällt mir immer wieder und immer häufiger auf. Die Leute stehen nicht mehr zu den Konsequenzen ihrer eigenen Handlungsweise, sie erkennen sie nicht einmal. Es wäre ja noch verständlich, die Verantwortung abschieben zu wollen. Aber daß man nicht mal sieht, erkennt, daß sie doch eigentlich bei einem selber liegt …. das ist der Hammer.

Das ganze wird ja auch durch die Schulen nicht gerade erleichtert: so gaben diesen Sommer die Schulen teilweise die Schulbuchlisten mit falschen Bestellnummern / ISBNs raus - teils auch mit inkompletten ISBNs oder schlichtweg komplett ohne (für all jene die nicht wissen, wie eine ISBN richtig aussieht hier ein Link).

Eine Mutter meinte doch tatsächlich zu mir, ob ich nicht wüßte, welches Buch sie meinte, als sie mir nur Verlag, Klasse und Fach genannt hatte. Ich habe sie ehrlich gesagt fast ausgelacht, ihr das dann andeutungsweise zu erklären versucht, aber sie hörte mir schon gar nicht mehr zu und versuchte ihr Glück bei einem Kollegen, wo sie ganz ähnlich auf die Schnauze flog.

Ich weiß sehr wohl, daß das ganze Affentheater um die Schulbücher für die Eltern nicht minder stressig ist, als für uns. Dennoch werde ich nie begreifen, warum sie jedesmal ihren Frust über den Stress an uns ablassen und nicht an den Verursachern: den Lehrern, die mit ihren fehlerhaften und ungenauen Angaben auf den Schulbuchlisten das ganze erst in ein Chaos stürzen lassen.

Ein Stück weit sind natürlich auch die Eltern selbst Schuld - vor allem, wenn sie bis zur letzten Ferienwoche mit der Bestellung warten und sich dann wundern, daß einige Bücher kurzfristig nicht lieferbar sind (sh. oben) oder aber, daß die Schlangen an unseren vier Kassen und am Abholfach elendig lang sind. Es gibt mittlerweile nur noch sehr wenige Schulen, die die Listen so kurzfristig erst ausgeben.

Viel Streß kann man sich bei den Schulbüchern natürlich sparen, wenn man die kompletten ISBNs hat und die Muße und Gelegenheit, die Schulbücher via Internet zu bestellen. Die meisten guten Händler machen das in der Hauptsaison mittlerweile porto-/versandkostenfrei auf Rechnung. D.h. es muß nur noch einer zum Lieferzeitpunkt zu Hause sein, die Bücher entgegen zu nehmen.

Der Spaß mit den ISBNs wird ab dem nächsten Jahr noch größer, wenn der Nummernblock im Umfang verdoppelt wird und die 10-stellige ISBN nicht mehr ausreicht zur eindeutigen Identifikation: ab dem 01.01.2008 kommt dann nämlich zur jetzigen mit 978 beginnenden 13-stelligen ISBN die Möglichkeit hinzu, daß die ISBN mit 979 beginnt. Das Buch 3-15-458764-8 hat dann keine eindeutige Identifikation mehr (die hier angegebene Bsp.-Nummer stimmt sowieso hinten und vorne nicht, sondern ist von mir erdacht, eine schnelle Überprüfung online: Reclam hat kein Buch mit dieser Nummer [978-3-15 ist das Präfix für den Reclam-Verlag].), da man ja sowohl die 978- als auch die 979- voranstellen könnte.

(Bei Wikipedia ist auch die Formel zur Berechnung der Prüfziffern hinterlegt.)