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Archiv der Kategorie Sprache
Sprache und Sprachen
2.11.2006 von Wolf.
Sprache schafft Kultur. Soviel haben wir schon erarbeitet. Sprache ist für die meisten Menschen das Hauptwerkzeug zur Verständigung untereinander. Nun haben sich im Laufe der Jahrtausende unter den Menschen verschiedene Sprachen entwickelt. Und eine davon gewinnt immer mehr an Dominanz: das Englische. Ich habe ja nun seit Erscheinen der Ausgabe Nr. 40/2006 des SPIEGELs mich daran gemacht, Anglizismen auf diesen Seiten zumindest zu reduzieren und als solche zu kennzeichnen (durch Kursivstellung).
Zuvor arbeitete ich in den letzten Wochen konzentriert an der Übersetzung nahezu aller Unterseiten. Mit der heutigen Restrukturierung habe ich diese Arbeit um einiges zurückgeworfen, da ich neue Unterseiten geschaffen habe. Ich bin mir nun aber auch nicht mehr sicher, ob ich diese Arbeit fortsetzen soll. Nicht nur, daß ich in Bezug auf bestimmte Themen schlichtweg an die Grenzen meiner Englischkenntnisse stoße, sondern ich frage mich auch, wie lohnenswert - vom eigenen Lerneffekt mal abgesehen, die Übersetzung der Seiten überhaupt ist. Zumindest habe ich bisher kaum Reaktionen auf meine Präsenz im WWW aus dem anglophonen Raum bekommen. Da fragt man sich dann schon manches Mal: “Wofür mache ich das?”
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Anglizismen
2.11.2006 von Wolf.
Angeregt vom SPIEGEL 40/2006 und dessen Titelgeschichte “Rettet dem Deutsch” habe ich am 2. Oktober begonnen meine Seiten - oder zumindest den deutschsprachigen Teil auf Anglizismen hin zu überprüfen und zu überarbeiten, wo es mir sinnvoll erscheint. Ich war doch bass erstaunt, wieviel ich unbedacht eingebaut habe, obwohl auch passende und geläufige deutsche Ausdrücke zur Hand gewesen wären. Ich habe nun nicht wenige Anglizismen entdeckt, teilweise ersetzt und die verbliebenen in die korrekte Schreibweise überführt und, wo ich sie fand, nach Möglichkeit kursiv gesetzt. Es ist durchaus möglich, daß ich im ersten Durchgang dabei den einen oder anderen übersah. Entsprechende Hinweise nimmt jedes Elektropostformular dankbar entgegen - vorzugsweise die auf diesen Seiten befindlichen!
Man stößt dabei aber auch auf merkwürdige Grenzen (⇒ sh. Bildergalerie), oder wie würdet Ihr ein Bild, daß Ihr digitalisiert habt mittels optischer Abtastung (also mit Hilfe eines scanners) bezeichnen? Würdet Ihr nicht auch sagen, Ihr hättet es gescannt? Tatsächlich findet man das Wort ja auch im Rechtschreibduden. To scroll bedeutet übersetzt “rollen”. Gerade was das WWW betrifft, ist es schwierig deutsche Entsprechungen zu finden, ohne sich ggf. der Lächerlichkeit preiszugeben oder der Deutschtümelei verdächtig zu machen. Zumal man auch nicht in den affektierten Sprachduktus der Rechtsradikalen geraten will.
Das Problem der Deutschen mit ihrer Sprache hängt auch mit dem NAZI-Terror zusammen. Es sind nicht nur geistlose Werbestrategen, die mit ihren Wortschöpfungen und Sprüchen das Volk verblöden lassen und uns unserer eigenen Sprache entfremden, sowie die Machenschaften der KMK im Zuge der Rechtschreibreform (die ja im Prinzip auch auf die NAZIs teils zurückgeht [bzw. hatten die NAZIs auch schon einmal versucht, die deutsche Rechtschreibung, aber auch insgesamt den Sprachgebrauch zu reformieren]). Auch die Geschichte ist mit Schuld daran, denn bestimmte Worte wurden gewaltsam in Zusammenhänge gebracht, die man nicht anders als menschenverachtend bezeichnen kann (Stichworte Blut, Ehre, Vaterland … etc.).
Der SPIEGEL-Leitartikel der vierzigsten Kalenderwoche 2006 (also Ausgabe Nr. 40/2006) zeigt auf, daß schon Schopenhauer sich über die Verlotterung der Sprache beschwerte - er war über vierzig Jahre Zeitgenosse von Goethe, einem Menschen also, der der deutschen Sprache wie kaum ein anderer Glanz verlieh. Das heißt Aufstieg und Niedergang waren ziemlich dicht beieinander gelegen. (Vielleicht auch nur in der Wahrnehmung.)
Ob das nun “nur” Kulturpessimismus in Reinform ist, oder ob die deutsche Sprache wirklich eines Verfalls und schließlich den “Tod” erleidet, kann niemand sagen. Für beide Diagnosen gibt es Symptome. Welches nun aber wirklich die malaise ist, vermag kein Sprachwissenschaftler zu sagen, ohne Widerspruch aus der eigenen Zunft zu erzeugen. Mir persönlich ist das wurscht. Ich habe nur gemerkt: wenn ich wirklich die deutsche Sprache liebe, muß ich auch liebevoll mit ihr umgehen, sie ist es, die uns Deutschen als Volk, als Nation den Namen gab… sie bestimmt schon daher teils unsere Identität als Deutsche. Vieles andere kommt hinzu - und damit meine ich nicht Blut, Boden, Ehre … aber Kultur!
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Orthographie oder wie bei der KMK der letzte Sinn von Verstand flöten geht
2.11.2006 von Wolf.
Da soll sie also nun kommen: am 1. August 2006 soll die reformierte Reform der Reform der deutschen Rechtschreibung voraussichtlich in Kraft treten. Was dort aber verabschiedet wurde, ist alles andere als eine vernünftige Sache, es ist mehr ein weiterer Akt im sinnlosen Possenspiel um Machtmißbrauch und gezielte Verunsicherung der Bevölkerung aller deutschsprachigen Länder.
Ein genialer Literaturtipp: “fom winde ferfeelt” von Zé do rock (vermutlich ein Künstlername), August 1997 bei Piper in München erschienen, ist das Werk zur Zeit leider - wenn überhaupt nur antiquarisch (⇒ zvab.com oder sfb.at) erhältlich.
Die Rechtschreibreform ist von Anbeginn ein Unding gewesen, sie ist nicht nur von langer Hand geplant (im Prinzip seit 1933, und in den 1960ern neu aufgegriffen), sondern auch vollkommen überflüssig - wie der sprichwörtliche Kropf. Seit nun mehr zehn Jahren verunsichert die KMK mit immer neuen Erlassen die deutsche Bevölkerung. Als sei diese nicht schon verunsichert genug, dadurch daß die negativen Folgen der Globalisierung sie gelähmt halten und sozial verunsichern. So raubten die Kultusminister der Länder vor zehn Jahren den Deutschen auch noch ihr geliebtes Schrifttum. Statt endlich dem Ganzen ein Ende mit Schrecken zu bereiten (die komplette Rücknahme aller Reformen und die Rückkehr zur Rechtschreibung vor der ersten Reform), popelt man herum und stümpert und stochert in den Eingeweiden, daß es einem schier den Verstand rauben mag.
Tand, Tand, das Gebilde von Menschenhand!
Nebenbei bemerkt: Eure alten Duden werden Geld wert! Bis zum 31.12.06 werden beim Erwerb eines neuen Duden, alte in Zahlung genommen und können so den Preis des neuen um bis zu 4,00 € drücken.
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