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Archiv der Kategorie Literatur

Es ist Sonntag

Draußen ist es arschkalt, die Minusgrade sind gefühlt fast 40, tatsächlich liegen sie aber nur bei 12.

Drinnen sitze ich vorm PC und schreibe diesen Eintrag, getrieben von Langeweile und Langeweile. Das TV-Programm gibt wie üblich nicht viel her. Die Internetforen öden auch nur noch an, (wenige Gesprächspartner und diese wenigen wissen meist auch nicht viel zu berichten …). Totenstille breitet sich aus.

Die Bücher sind gelesen (zuletzt Harper Lee: Wer die Nachtigall stört – wer es noch nicht kennt, ein sehr empfehlenswerter Roman über Rassismus.)

Das einzig sinnvolle, was man noch tun kann an diesem späten Nachmittag: sich ins Bett zurückziehen und einkuscheln. Nur zuvor müssen noch die wirbelnden Gedanken geordnet und gebannt werden ….

Die Politik lohnt keiner Kommentierung mehr. Ich bin es Leid, diesen Mist noch kommentieren zu wollen. Man kann sich so oder so nur noch an den Kopf fassen und hoffen, daß irgendwann der ganze Scheiß zur Hölle fährt.

Als denn: heute Abend dürfte wieder Inspector Barnaby laufen. Ein kleiner Trost im Fernsehapparat. Dazu gefälligst ein paar Mettbrötchen? Wohl bekommt’s!

Der Name des Windes …

Gute Fantasy-Literatur erkennt man nicht selten daran, daß die deutsche Übersetzung bei Klett-Cotta in der Hobbitpresse erscheint.

So erschien auch dieses Frühjahr dort der Name des Windes von Patrick Rothfuss.

Die Geschichte hat alles, was gute Fantasy braucht: eine Welt voller Magie und verschiedener Völker, einen Helden, der mich in einigen Punkten sehr an Aragorn (HdR) erinnert, Intrigen und Ränke à la Tad Williams oder Markus Heitz (Ulldart) und das Böse und verderbte in Form von Untoten besonderer Art - hier sind es die Chandrian - sie erinnern ein wenig an Lord Voldemort / Sauron und die Todesser / Nazgûl.

Und das ganze gepackt in eine süffige spannende Erzählung, die es schafft, zu vermitteln, diese andere Welt habe ihre eigene Geschichte, ihre eigenen Mythen, ihren eigenen Charakter …

Gesetzgeber …

Zuletzt erschien ja bei Rowohlt von Ralf König der Archetyp, die Ralf-König-Version von Noahs Bau der Arche und der Sintflut …

Anbei habe ich Euch einen Link für eine Geschichte gelegt, die so offenbar nur auf seiner Webseite existiert bzw. in einer Anthologie mehrerer Comic-Künstler: der Gesetzgeber. Ralf König adaptiert in letzter Zeit häufiger biblische Geschichten … in jener vom “Gesetzgeber” ist es die Geschichte Moses’ auf dem Berg Sinai. Jene Episode, wie die jüdisch-christliche “Wertegemeinschaft” zu Ihren zehn Geboten kam.

GOTT ist bei Ralf König allein der von seiner menschlichen Schöpfung angenervte. ER findet Gefallen an SEINER Arbeit. Das hat GOTT manchem Menschen offenbar voraus.

Das Gottesbild bei Ralf König ist ein ganz anderes, aufgeklärteres, abgeklärt vermutlich auch … und da ist kein GOTT, den man fürchten muß, in seiner Rachsucht, seiner Dominanz und seinem Herrschaftsanspruch. Letztlich karikiert König auch hier wieder nur den Menschen in seiner Engstirnigkeit, seiner Hilflosigkeit, das Leben ohne eingemeißelte Leitplanken zu meistern. Gesetze und Vorschriften statt Freiheit und Einsicht … typisch deutsch? Ist es wirklich nur deutsch? Oder ist es nicht typisch menschlich … Wir fallen wieder auf Kant zurück, Rousseau, Descartes und damit auf andere, ältere Philosophen ….

Der Mensch als Neidhammel, der Mensch als Miesepeter, der Mensch als Herrschaftssüchtiger - der Mensch kurzum in seiner vollständigen Unvollkommenheit und Ignoranz. Wieso treiben Mißgunst und Neid uns soweit?

… und weil Ralf König so schön ist, noch einer: Hommage an Loriot und Shakespeare.

Hitlers Kampf

… es gibt Dinge im Leben, von denen man bei genauerer Betrachtung sich nur kopfschüttelnd abwenden kann: so wird gegenwärtig in manch einem Forum diskutiert, was denn wohl sein wird, wenn am 01.01.2016 urheberrechtlich kein Schutz mehr für Adolf Hitlers Elaborat "Mein Kampf" vorliegt. Gegenwärtig liegen ja für den deutschen Markt die alleinigen Verwertungsrechte beim Freistaat Bayern. Dieser vergibt bisher keine Lizenzen (bis auf eine für eine kommentierte und gekürzte Fassung, die wohl beim List-Verlag erschienen ist [ob die wirklich noch lieferbar ist, habe ich nicht überprüft, weil mir das reichlich egal ist]).

Allen Ernstes diskutiert man in den entsprechenden Foren, ob es nicht sinnvoll sei, nach Erlöschen des urheberrechtlichen Schutzes eine kommentierte Komplettausgabe zu publizieren. Wieso erst dann, frage ich mich?

Davon mal abgesehen, daß Raubdrucke ja trotz aller Bemühungen des Freistaates Bayern über illegale Bezugswege zweifelsohne verfügbar sein dürften (ich weiß nicht, ob die Fassung bei GoogleBooks mittlerweile offline ist), halte ich die ganze Diskussion um dieses Machwerk für völlig übertrieben.

Hitler ist tot - zum Glück. Seine geistigen Erben leider noch nicht alle, Idioten muß es scheinbar eben immer geben. Ob nun "Mein Kampf" irgendwann für den interessierten Leser wieder käuflich erwerblich ist (der Handel mit unveränderten Originalausgaben aus der Zeit vor 1945 ist übrigens bedingt legal), oder in China der berühmt-berüchtigte Sack Reis umfällt, ist doch vollkommen wurscht. Glaubt denn tatsächlich einer, daß dieses grottenschlechte Konstrukt deutscher Sprache je wieder eine Bestsellerliste erstürmen wird? Wohl nicht. Als es für den Durchschnittsdeutschen noch kein must-have war (sprich Pflichtbesitz /-lektüre für Nachwuchskader der NSDAP), hatte das Buch an sich auf dem deutschen Markt keine großen Absätze erzielt. Zumindest wird das so kolportiert.

Wer sich an den entsprechenden Inhalten aufgeilen will, findet heute schon Mittel und Wege des Bezugs, da habe ich keine Zweifel. Vernünftige Leute bleiben ohnehin irgendwo in der Lektüre stecken, weil das Buch so grauslich geschrieben ist und so verworren und verquast, daß es de facto gar nicht lesbar ist. Dagegen ist Frau Jelinek ein Kinderspiel.

Der geneigte Leser möge sich doch bitte an intelligent geschriebenen Bücher festhalten, "Mein Kampf" ist verzichtbar und gehört in die Kategorie Bohlen und Konsorten: man sollte um die Bäume trauern, die für den Druck dieses Textes sterben mussten. Damit verweise ich erneut auf meine Idee einer Ökoabgabe für Verlage verzichtbarer Inhalte …

Gretchen

Im letzten Dezember erschien bei Rowohlt ein Taschenbuch, daß vordergründig ein historischer Kriminalroman ist und die Geschichte der Susanne Brand aufgreift, jener real einst existierenden Kindsmörderin, die Goethe als Vorbild für sein Gretchen (Faust) gewählt haben soll.

Mit einer sehr komisch anmutenden Sprache (im Falle der wörtlichen Rede) hat dieses Buch nicht nur einen wirklich humoristischen Zug (wenn man einen etwas verqueren Humor hat), sondern es zeichnet zudem ein sehr plastisches Bild eines Frankfurts um 1770/71 in Bezug auf Gesellschaftsstruktur und Makel einer jeden Gesellschaft: die Egozentrik des Menschen und seine Raffgier. Probleme werden dort am Rande aufgegriffen, die aktueller kaum sein könnten: es handelt mitunter von Menschen, die nicht genug Geld verdienen, um wirklich überleben zu können, Menschen, die sich Rechte erkaufen, und anderen, die sich so etwas nicht leisten können. Es handelt mittelgründig von der ganzen Verderbtheit einer Spezies: dem Menschen.

Der Mensch, obgleich ein Herdentier und sich zusammenrottend, zeigt sich auch in dieser Geschichte wieder unfähig und unwillig, echte Solidarität und Hilfe zu leisten. Inkompetenzen und Hokuspokus werden am Rande auch thematisiert, aber im Zentrum steht doch das Gretchen bzw. sein historisches Vorbild, die Magd Susanne Brand, unverheiratet, verhätscheltes Nesthäkchen einer eigentlich fast mittellosen Familie, die den Schwestern fast nur Kummer bereitet.

Ein sehr empfehlenswertes Buch, das über die bloße Unterhaltung mit einer Kriminalgeschichte dem Leser auch wieder einmal eindrucksvoll vor Augen führt, welch widerlicher Spezies er angehört.