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Archiv der Kategorie Literatur
wat neues …
30.6.2008 von Wolf.
hier also mal wieder was neues:
ich habe vor kurzem Terry Pratchetts “Tiffany Weh”-Trilogie durchgelesen und möchtesie Euch wärmstens ans Herz legen, es ist einfach ein bezaubernder kleiner Zyklus über das Erwachsenwerden einer jungen Hexe und mit einerherzallerliebsten Oma Wetterwachs inklusive! Nanny Ogg ist natürlich auch wieder dabei. Das als Fantasy-Tipp.
Für alle Fans von Michael Tolliver und Armistead Maupins Stadtgeschichten: es gibt einen neuen siebten Roman um Michael Tolliver: “Michael Tolliver lebt: Die neuesten Stadtgeschichten” bei Rowohlt letzte Woche erschienen! Gewohnt witzig und einfühlsam blenden wir in das Leben Michael Tollivers, der nun etwa 50 Jahre alt ist und quicklebendig trotz AIDS. Nie habe ich mich so sehr über eine Fortsetzung gefreut, wie über diese. Mike Tolliver im begonnenen 21. Jahrhundert ist ein Spaß den Ihr Euch nicht entgehen lassen solltet.
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Lullaby
12.5.2008 von Wolf.
…. Chuck Palahniuk hat ein hübsches fieses kleines Buch geschrieben (er hat natürlich mehr als eines geschrieben): Lullaby - in deutscher Übersetzung bei Goldmann erschienen (EAN/ISBN: 97839442542197; Preis: € 7,95).
Dieses hübsche fiese Machwerk erzählt von einem Reporter, der auf Grund von Recherchearbeiten zu einer Serie zum plötzlichen Kindstod auf ein altes Wiegenlied stößt, das den Tod bringt. Der Adressat schläft ein und wacht nie mehr auf! Das dumme nur: wer das Wiegenlied einmal gelesen hat, dem setzt es sich im Kopf fest und bei jeder Rezitation - selbst nur in Gedanken - geht wieder jemand hops. Der Held des Buches will es anfangs nicht wahr haben und probiert es am ihm vorgesetzten Redakteur aus … am nächsten Morgen erscheint der nicht zur Arbeit, Tage später wird er tot in seiner Wohnung aufgefunden. Mittlerweile hat sich aber der Prozess verselbständigt und Leichen ohne erkennbare Todesursache pflastern den Weg des Reporters: die zu lauten Nachbarn, Leute die ihn in der U-Bahn anrempeln … urkomisch.
Doch der Reporter ist nicht allein und zusammen mit einer schrillen Immobilienmaklerin, die Spukhäuser verkauft und ebenfalls das Wiegenlied kennt (sie hat tatsächlich ihren Sohn versehentlich damit getötet und später ihren Mann, um ihre Theorie zu überprüfen), reist der Reporter durch die Staaten um alle Bücher aufzutreiben, in denen das Wiegenlied abgedruckt ist.
Einfach herrlich, amüsant und bitterböse ![]()
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Phänomen Jugendsprache
11.5.2008 von Wolf.
… seit einigen Jahren verucht der Ernst Klett Verlag in seiner Reihe PONS-Wörterbücher die Jugendsprache zu fixieren. Bei einer sehr lustigen Blättergelegenheit in diesem “Werk” in jüngerer Vergangenheit stellten Kollegen und ich fest, daß einige enthaltene Begriffe eigentlich seit Jahr(zehnt)en als umgangssprachliche Begriffe im DUDEN fehlen - sie sind eigentlich nicht (mehr) explizite Jugendsprache. Andere Begriffe haben die Zeit durch die Fixirung im Jugendsprachewörterbuch scheinbar überdauert, dritte wiederum waren allen beteiligten Kollegen fremd (auch der Azubine) und hätten daher m. E. einen redaktionellen Zusatz verdient, in welcher Bevölkerungsgruppe (soziologisch, herkunftsabhängig oder auch regionale Beschränkungen) sie vorwiegend Anwendung finden.
Es schien auch teilweise, daß Begriffe nicht wirklich im Umlauf waren, sondern eher Konstrukte sind, mit denen die Redaktion gelinkt wurde …
Vor allem fehlten diesen Begriffen Erklärungen zur Entstehung. Auch nur ansatzweise Versuche wären diesbezüglich ja schon interessant. Ich bin teils mit Begriffen konfrontiert worden, als ich nach Berlin kam, die mir zuvor vollkommen fremd waren. Bestes Bsp. ist der Begriff “dissen”, ein Verb, das in der Bedeutung ein wenig in Richtung “mobbing” geht.
Vielleicht kann mich ja mal einer in Bezug auf dieses und jenes aufklären …
So interessant das Unterfangen auch sein mag, den Sprachschatz einer Generation fixieren zu wollen, sowohl um damit Geld zu machen als auch um eine echt Hilfe bei der Verständigung zu bieten, so finde ich das ganze doch irgendwie auch reichlich überflüssig. Schließlich ist die Sprache der Jugend genauso vergänglich wie die Jugend selbst. Nur geglückte Wortschöpfungen gehen schließlich in die Umgangssprache ein.
Was mich in diesem Zusammenhang manchmal wesentlich eher interessierte: Wieso reden sich Teenager mit “Alter” an?
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10. Mai - Nachtrag
11.5.2008 von Wolf.
Am gestrigen 10. Mai spielte in meinem Berufsalltag die Bücherverbrennungvor 75 Jahren keine Rolle. Schon eher der heutige Muttertag.
Hier bemerkt man teilweise den Unterschied zwischen dem Handel mit Kulturgütern (vulgo Buchhandel [u.a. natürlich]) und Veranstaltungen in den übrigen Kultureinrichtungen.
Es ist zwar keinesfalls so, daß solche Geschichtsdaten komplett spurlos an den Händlern vorbeigehen. Aber Ladenöffnungszeiten und Kapazitäten in Präsentationsmodulen (Tische, Schauwände und -fenster) werden dann doch eher dem Ereignis eher Rechnung tragen, daß Umsatz verspricht. Eine moralisierende Rückschau bringt weniger als alltagstaugliche Anerkennung jener, denen man sein Leben verdankt (näheres dazu in der Wikipedia).
Als ich gestern abend noch den Fernseher einschaltete bemerkte ich weder von dem einen noch dem anderen Ereignis etwas … auch war das Programm m.E. nicht sehr pfingstlich: es lief “Schweigen der Lämmer”.
Das andere Dingen ist, ich bin beruflich derzeitig eher darum bemüht, die Umsätze in meinen Abteilungen zu steigern. Da sind für mich Ereignisse wichtiger, die meine Stammklientel (u.a. meine MangakundInnen) mit frischem Kapital ausstatten: also bestandene Abitur- oder MSA-Prüfungen, Erstkommunion, Konfirmation oder Jugendweihe, wahlweise auch die nächste Urlaubsreise, für die man noch frische Lektüre braucht.
So werden die in Berlin nun laufenden Pfinst- und die bald darauf kommenden Sommerferien für mich eine andere Bedeutung beruflich haben, als für andere Menschen: ich muß dann mein Lager entsprechend aufstocken.
Geschichtliche Daten sind dabei weniger von Interesse … das läßt für manche Menschen den Eindruck entstehen, daß wir geschichtsvergessen seien. De facto sind wir aber nur realistisch veranlagt, in dem wir (ich und meine Kollegen), dem mehr Platz einräumen, was uns mehr Umsatz verspricht … denn dieser beflügelt letztlich auch unsere Tarifverhandlungen, die im Einzelhandel ja nach wie vor nicht abgeschlossen sind … was wiederum ein Thema ist, daß an der übrigen Öffentlichkeit ziemlich vorbeizugehen scheint, und da, obwohl sicher ein nicht zu verachtender Teil der Bevölkerung im Einzelhandel tätig ist.
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Der 10. Mai …
9.5.2008 von Wolf.
… kehrt immer wieder. Wären vor 75 Jahren an jenem Tage auf dem Berliner Bebelplatz keine Bücher verbrannt worden, wäre dieser 10. Mai ein Maitag wie jeder andere auch: hoffentlich sonnig, schön und nicht allzu tödlich …
Tödlich ist leider das ganze Leben - es hat immer zum krönenden Abschluß den Tod. Aber nicht alles was lebt, stirbt friedlich und freiwillig (sofern man letzteres überhaupt erreichen kann, da es ja einen natürlicher Zwang zum Tode gibt). Und so war’s schon früher und ich fürchte es wird noch eine Weile dauern, bis das forcierte Sterben endet.
In meinen Augen sind die Ereignisse vom 10. Mai 1933 - wenn gleich sie eigentlich nur einen inszenierten Auftakt bildeten - gleichbedeutend mit dem ihm nachfolgenden Horror. Heine klingt einem immer im Ohr - Heine sprach zum Anlaß des Wartburgfestes 1817 von den verbrannten Büchern, als Studenten (sic!) im Taumel “undeutsche” Bücher wie den Code Napoleon aber auch Kotzebues “Geschichte des deutschen Reiches” und “Germanomanie” von Saul Ascher, einem jüdischen Schriftsteller verbrannten. Auch wenn sie nur makulierte Bücher seinerzeit verbrannten: es gilt die Signalwirkung, zumal Kotzebue zwei Jahre später von einem Studenten ermordet wurde; die Liste der verbrannten Bücher der SA-/SS-Aktion vom 10. Mai 1933 ist bedeutend länger und wurde in zwei Verlagen mittlerweile zum traurigen Jubiläum veröffentlicht, näheres findet man bspw. beim ZDF in der Titelliste zur letzten lesen!-Sendung (Elke Heidenreich, Gast: Claus Peymann).
Als vor einiger Zeit in einem mitteldeutschen Dörflein eine Sonnenwendfeier zum Skandalakt geriet, weil ein Idiot meinte, ein Exemplar des Anne-Frank-Tagebuchs zu verbrennen, war hinterher die gesamte Bevölkerung dieses Örtchens dem Pilatus-Syndrom anheim gefallen. Wieso hat dieses Arschloch nicht seine Kopie von “Mein Kampf” ins Feuer geworfen? Zumal hinterher behauptet wurde, daß die Initiatoren Aussteiger seien, wäre das eine geglückte Zäsur gewesen. Der Dreck der deutschen Geschichte klebt uns hartnäckig an den Fersen!
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