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Archiv der Kategorie Literatur
Axolotl Roadkill
15.2.2010 von Wolf.
Die Feuilletons sind voll.
… voll des Lobes anfangs, voll der Berichterstattung nach Bekanntwerden von Plagiatsvorwürfen etc. hinterher.
Die Autorin blamiert sich bei Harald Schmidt total als gar nicht schlagfertig und unfähig, eigene Antworten zu geben. Sie scheint eine typische wiederkäuende Gymnasiastin zu sein. Reproduktion pur! Kein eigener Gedanke, keine Originalität. Nix!
Frau Hegemann scheint, ein paar Wörterbücher gefressen zu haben, das ist alles. Und der gesamte bundesdeutsche Literaturbetrieb steht de facto blamiert da. Die Jury des Leipziger Buchpreises will sich nicht die Blöße geben und die Nominierung zurückziehen; der Ullstein Verlag holt nach, was die Autorin versäumt hat.
Das einzig Originelle an dem Buch scheint mir der Einband bzw. das Titelbild – und dafür, denke ich, hat nicht Frau Hegemann das Lob verdient.
Ich frage mich außerdem, wieso bei “Feuchtgebiete” von Charlotte Roche alle Feuilletons noch schrien “wie kann man nur” und “ieh”, und nun soll diese Fäkalsprache besonders originell sein? Wer hat denn den Feuilletonisten jetzt schon wieder ins Hirn gesch…?
Hauptverantwortlich für den ganzen Trubel um dieses Buch soll ja angeblich Herr Schirrmacher sein … na toll!
Interessant fände ich jetzt die Äußerungen von MRR. Was würde er wohl sagen?
Der Standpunkt Frau Hegemanns ist ja im Prinzip der, daß es sowieso nichts neues mehr gibt. Bezieht sie sich womöglich mitunter auf eine Nummer aus dem Musical “Elisabeth”? Da heißt es in der Hochzeitsszene:
“Alle Fragen sind gestellt und alle Phrasen eingeübt
Wir sind die letzten einer Welt aus der es keinen Ausweg gibt
Denn alle Sünden sind gewagt
Die Tugenden sind einstudiert
und alle Flüche sind gesagt, und alle Segen revidiert
Die Häßlichkeit empört uns nicht
Die Schönheit scheint uns längst banal
Die gute Tat belehrt uns nicht
Die böse Tat ist uns egal
Denn alle Wunder sind gescheh’n
und alle Grenzen sind zerstört
Wir haben jedes Bild geseh’n
uns alle Klänge totgehört
Alle Fragen sind gestellt und alle Chancen sind verschenkt
Wir sind die letzten einer Welt
die stets an ihren Selbstmord denkt.
Und alles, alles was passiert
hilft uns, die Zeit zu bersteh’n
Weil jedes Leid uns delektiert
sehn wir dich gerne untergeh’n”Text: Michael Kunze, Sylvester Levay
Ich habe keine Ahnung, wie lange dieser Gedanke schon durch die Kulturszene irrt, aber er ist tatsächlich nicht neu. Manche machen eine Philosophie daraus und nehmen es eben als Rechtfertigung für eigene Unkreativität. Es ist eine Frage von Chuzpe, mit einem Werk, daß nicht originär aus eigener Verstandesleistung entstanden ist (außer, daß man halt zusammenträgt und neu kombiniert), die Öffentlichkeit zu suchen und sich Federn in den Arsch zu stecken, die nicht die eigenen sind.
Ich finde Harald Schmidt hat in seiner Sendung Frau Hegemann ausreichend vorgeführt, und wir dürften nun eigentlich das ganze Thema inkl. Autorin und Buch einmotten.
In Bezug auf diesen Roman möchte ich gerne privat noch etwas anderes loswerden, was ich beruflich nicht so ohne weiteres darf. Ein Apotheker in Marburg hatte eine Zeit lang in seinem Schaufester ja den “Scheiß des Monats” “beworben”, bis er von der Pharmalobby verklagt wurde. Ich weiß nicht mehr, wie das Verfahren ausging, es dürfte sich vermutlich online recherchieren lassen.
Ich finde aber, Frau Hegemann sollte einen Reinfall erleben dürfen, leider Gottes steht das Buch auf der SPIEGEL-Bestseller-Liste.
Ich frage mich gleichzeitig, ob Anti-Werbung, das Buch in diesem Fall nicht sogar noch besser verkäuflich machte *lol*.
Aber es gibt eine logische und logisch nachvollziehbare Erklärung, warum man ein Produkt – und ein Buch ist nichts anderes als ein Produkt (nämlich das eines Verlages, welcher wiederum auch letztlich ein Wirtschaftsunternehmen ist) – wenn in aller Regel auch mit einigen Besonderheiten im Gegensatz zu, sagen wir, einem T-Shirt, nicht schlecht machen soll: die Rechtsprechung und auch die Händler erwarten vom Konsumenten eine gewisse Mündigkeit. D.h. jeder Konsument ist rein theoretisch selbst in der Lage, sich vom Produkt eine Meinung zu bilden. Das ist ja in jeder Buchhandlung in Bezug auf die vorrätige Ware auch der Fall: man kann sich hinsetzen und reinlesen. Die eigene Meinung (des Verkäufers/Buchhändlers) soll nur dazu dienen, ein Produkt zu empfehlen, zu verkaufen, nicht aber um davon abzuraten. Das ist nicht leicht und will gekonnt und gelernt sein. Das kann man lernen. Man muß sich nur im Griff haben.
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The judging eye
14.2.2010 von Wolf.
Per Zufall entdeckte ich heute, daß die “Prince of Nothing” Trilogie von R. Scott Bakker endlich ihre Fortsetzung erfährt. Titel des neuen Buches ist “The judging eye”. Ich habe es mir gleich bestellt. Hätte ich das früher gewusst …
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Es ist Sonntag
24.1.2010 von Wolf.
Draußen ist es arschkalt, die Minusgrade sind gefühlt fast 40, tatsächlich liegen sie aber nur bei 12.
Drinnen sitze ich vorm PC und schreibe diesen Eintrag, getrieben von Langeweile und Langeweile. Das TV-Programm gibt wie üblich nicht viel her. Die Internetforen öden auch nur noch an, (wenige Gesprächspartner und diese wenigen wissen meist auch nicht viel zu berichten …). Totenstille breitet sich aus.
Die Bücher sind gelesen (zuletzt Harper Lee: Wer die Nachtigall stört – wer es noch nicht kennt, ein sehr empfehlenswerter Roman über Rassismus.)
Das einzig Sinnvolle, was man noch tun kann an diesem späten Nachmittag: sich ins Bett zurückziehen und einkuscheln. Nur zuvor müssen noch die wirbelnden Gedanken geordnet und gebannt werden ….
Die Politik lohnt keiner Kommentierung mehr. Ich bin es Leid, diesen Mist noch kommentieren zu wollen. Man kann sich so oder so nur noch an den Kopf fassen und hoffen, daß irgendwann der ganze Scheiß zur Hölle fährt.
Als denn: heute Abend dürfte wieder Inspector Barnaby laufen. Ein kleiner Trost im Fernsehapparat. Dazu gefälligst ein paar Mettbrötchen? Wohl bekommt’s!
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Der Name des Windes …
2.11.2009 von Wolf.
Gute Fantasy-Literatur erkennt man nicht selten daran, daß die deutsche Übersetzung bei Klett-Cotta in der Hobbitpresse erscheint.
So erschien auch dieses Frühjahr dort der Name des Windes von Patrick Rothfuss.
Die Geschichte hat alles, was gute Fantasy braucht: eine Welt voller Magie und verschiedener Völker, einen Helden, der mich in einigen Punkten sehr an Aragorn (HdR) erinnert, Intrigen und Ränke à la Tad Williams oder Markus Heitz (Ulldart) und das Böse und verderbte in Form von Untoten besonderer Art - hier sind es die Chandrian - sie erinnern ein wenig an Lord Voldemort / Sauron und die Todesser / Nazgûl.
Und das ganze gepackt in eine süffige spannende Erzählung, die es schafft, zu vermitteln, diese andere Welt habe ihre eigene Geschichte, ihre eigenen Mythen, ihren eigenen Charakter …
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Gesetzgeber …
18.10.2009 von Wolf.
Zuletzt erschien ja bei Rowohlt von Ralf König der Archetyp, die Ralf-König-Version von Noahs Bau der Arche und der Sintflut …
Anbei habe ich Euch einen Link für eine Geschichte gelegt, die so offenbar nur auf seiner Webseite existiert bzw. in einer Anthologie mehrerer Comic-Künstler: der Gesetzgeber. Ralf König adaptiert in letzter Zeit häufiger biblische Geschichten … in jener vom “Gesetzgeber” ist es die Geschichte Moses’ auf dem Berg Sinai. Jene Episode, wie die jüdisch-christliche “Wertegemeinschaft” zu Ihren zehn Geboten kam.
GOTT ist bei Ralf König allein der von seiner menschlichen Schöpfung angenervte. ER findet Gefallen an SEINER Arbeit. Das hat GOTT manchem Menschen offenbar voraus. ![]()
Das Gottesbild bei Ralf König ist ein ganz anderes, aufgeklärteres, abgeklärt vermutlich auch … und da ist kein GOTT, den man fürchten muß, in seiner Rachsucht, seiner Dominanz und seinem Herrschaftsanspruch. Letztlich karikiert König auch hier wieder nur den Menschen in seiner Engstirnigkeit, seiner Hilflosigkeit, das Leben ohne eingemeißelte Leitplanken zu meistern. Gesetze und Vorschriften statt Freiheit und Einsicht … typisch deutsch? Ist es wirklich nur deutsch? Oder ist es nicht typisch menschlich … Wir fallen wieder auf Kant zurück, Rousseau, Descartes und damit auf andere, ältere Philosophen ….
Der Mensch als Neidhammel, der Mensch als Miesepeter, der Mensch als Herrschaftssüchtiger - der Mensch kurzum in seiner vollständigen Unvollkommenheit und Ignoranz. Wieso treiben Mißgunst und Neid uns soweit?
… und weil Ralf König so schön ist, noch einer: Hommage an Loriot und Shakespeare.
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