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Archiv der Kategorie Kulturelles und so
10. Mai - Nachtrag
11.5.2008 von Wolf.
Am gestrigen 10. Mai spielte in meinem Berufsalltag die Bücherverbrennungvor 75 Jahren keine Rolle. Schon eher der heutige Muttertag.
Hier bemerkt man teilweise den Unterschied zwischen dem Handel mit Kulturgütern (vulgo Buchhandel [u.a. natürlich]) und Veranstaltungen in den übrigen Kultureinrichtungen.
Es ist zwar keinesfalls so, daß solche Geschichtsdaten komplett spurlos an den Händlern vorbeigehen. Aber Ladenöffnungszeiten und Kapazitäten in Präsentationsmodulen (Tische, Schauwände und -fenster) werden dann doch eher dem Ereignis eher Rechnung tragen, daß Umsatz verspricht. Eine moralisierende Rückschau bringt weniger als alltagstaugliche Anerkennung jener, denen man sein Leben verdankt (näheres dazu in der Wikipedia).
Als ich gestern abend noch den Fernseher einschaltete bemerkte ich weder von dem einen noch dem anderen Ereignis etwas … auch war das Programm m.E. nicht sehr pfingstlich: es lief “Schweigen der Lämmer”.
Das andere Dingen ist, ich bin beruflich derzeitig eher darum bemüht, die Umsätze in meinen Abteilungen zu steigern. Da sind für mich Ereignisse wichtiger, die meine Stammklientel (u.a. meine MangakundInnen) mit frischem Kapital ausstatten: also bestandene Abitur- oder MSA-Prüfungen, Erstkommunion, Konfirmation oder Jugendweihe, wahlweise auch die nächste Urlaubsreise, für die man noch frische Lektüre braucht.
So werden die in Berlin nun laufenden Pfinst- und die bald darauf kommenden Sommerferien für mich eine andere Bedeutung beruflich haben, als für andere Menschen: ich muß dann mein Lager entsprechend aufstocken.
Geschichtliche Daten sind dabei weniger von Interesse … das läßt für manche Menschen den Eindruck entstehen, daß wir geschichtsvergessen seien. De facto sind wir aber nur realistisch veranlagt, in dem wir (ich und meine Kollegen), dem mehr Platz einräumen, was uns mehr Umsatz verspricht … denn dieser beflügelt letztlich auch unsere Tarifverhandlungen, die im Einzelhandel ja nach wie vor nicht abgeschlossen sind … was wiederum ein Thema ist, daß an der übrigen Öffentlichkeit ziemlich vorbeizugehen scheint, und da, obwohl sicher ein nicht zu verachtender Teil der Bevölkerung im Einzelhandel tätig ist.
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Der 10. Mai …
9.5.2008 von Wolf.
… kehrt immer wieder. Wären vor 75 Jahren an jenem Tage auf dem Berliner Bebelplatz keine Bücher verbrannt worden, wäre dieser 10. Mai ein Maitag wie jeder andere auch: hoffentlich sonnig, schön und nicht allzu tödlich …
Tödlich ist leider das ganze Leben - es hat immer zum krönenden Abschluß den Tod. Aber nicht alles was lebt, stirbt friedlich und freiwillig (sofern man letzteres überhaupt erreichen kann, da es ja einen natürlicher Zwang zum Tode gibt). Und so war’s schon früher und ich fürchte es wird noch eine Weile dauern, bis das forcierte Sterben endet.
In meinen Augen sind die Ereignisse vom 10. Mai 1933 - wenn gleich sie eigentlich nur einen inszenierten Auftakt bildeten - gleichbedeutend mit dem ihm nachfolgenden Horror. Heine klingt einem immer im Ohr - Heine sprach zum Anlaß des Wartburgfestes 1817 von den verbrannten Büchern, als Studenten (sic!) im Taumel “undeutsche” Bücher wie den Code Napoleon aber auch Kotzebues “Geschichte des deutschen Reiches” und “Germanomanie” von Saul Ascher, einem jüdischen Schriftsteller verbrannten. Auch wenn sie nur makulierte Bücher seinerzeit verbrannten: es gilt die Signalwirkung, zumal Kotzebue zwei Jahre später von einem Studenten ermordet wurde; die Liste der verbrannten Bücher der SA-/SS-Aktion vom 10. Mai 1933 ist bedeutend länger und wurde in zwei Verlagen mittlerweile zum traurigen Jubiläum veröffentlicht, näheres findet man bspw. beim ZDF in der Titelliste zur letzten lesen!-Sendung (Elke Heidenreich, Gast: Claus Peymann).
Als vor einiger Zeit in einem mitteldeutschen Dörflein eine Sonnenwendfeier zum Skandalakt geriet, weil ein Idiot meinte, ein Exemplar des Anne-Frank-Tagebuchs zu verbrennen, war hinterher die gesamte Bevölkerung dieses Örtchens dem Pilatus-Syndrom anheim gefallen. Wieso hat dieses Arschloch nicht seine Kopie von “Mein Kampf” ins Feuer geworfen? Zumal hinterher behauptet wurde, daß die Initiatoren Aussteiger seien, wäre das eine geglückte Zäsur gewesen. Der Dreck der deutschen Geschichte klebt uns hartnäckig an den Fersen!
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Kommunismus = Diebstahl?
9.3.2008 von Wolf.
Beim Aufräumen meiner Festplatte fand ich das hier eingefügte Bild: kann mir vielleicht mal einer sage, was der Diebstahl geistigen Eigentums mit Kommunismus zu tun hat?
Ich bin selbst kein Kommunist und halte den Kommunismus für eine Utopie, die nicht umsetzbar ist. Dennoch denke ich, daß der reine (nur theoretisch existente) Kommunismus es nicht verdient hat, so verteufelt zu werden, wie mitunter in diesem Plakat. Davon abgesehen, daß das Plakat mit Hammer und Sichel ein gezielter Angriff auf alle Nachfolgerstaaten der Sowjetunion ist.
Das, was in Experimenten als Kommunismus bezeichnet wurde/wird, sind gemeinhin simple Militärdiktaturen, die vorgeben oder vorgaben, alle im kommunistischen Sinne gleich zu stellen und zu behandeln. Es gibt kein einziges wirklich kommunistisches Regime auf dieser Welt. Alles sind machtgeile Emporkömmlinge, die vermutlich nicht mal im Ansatz die kommunistische Idee verstanden haben.
Ich frage mich nun, bei allem berechtigten Rechtsansprüchen zur Wahrung des geistigen Eigentums und der Verwertungskette von intellektuellen Gütern, ob diese Kampagnenanzeige nicht zu weit geht … ? Hier werden dümmste Vorurteile geschürt. Und die Plattenindustrie entblödet sich nicht ….
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Neues Layout und Schwerpunktsetzung …
1.3.2008 von Wolf.
Der Mai ist noch nicht da, es ist erst März, aber das hindert niemanden daran, nicht mal wieder etwas neues auszuprobieren.
Beim durchstöbern der Einstellungen fand ich heraus, daß offenbar seit einiger Zeit neue Gestaltungsmotive für die Weblogs von ⇒ 1 & 1 bereitgestellt wurden. Da ich seit einiger Zeit mich Schwerpunktmäßig (auch berufsbedingt) mit Literatur und dort vor allem mit meinem Schwerpunktthema Fantasy und Phantastik (Oberbegriff) auseinandersetzte, habe ich ein entsprechendes Layout nun gewählt. Ich werde aber auch zukünftig zu anderen Themen nicht schweigen.
Da in letzter Zeit ja politisch und gesellschaftlich überhaupt sehr viel passiert (Wahlen, Rauchverbot, wieder Wahlen, Steueraffäre inkl. BND-Schelte, Streiks und Tarifauseinandersetzungen in verschiedenen Branchen [ein Thema, das eventuell bei mir eine eigene Rubrik erhält]), kann es immer wieder sein, daß Ihr auf Themen stoßen werdet, die nur durch das Lesen als literarisch betrachtet werden können. Aber man muß eben auch immer wieder über den eigenen Tellerrand hinaus blicken: nicht nur um mitreden zu können oder sich mitteilen zu können, sondern auch, um überhaupt etwas zu erfahren, den Kontakt mit dem Rest der Menschheit zu erhalten und nicht zu vereinsamen.
Der Akt des Lesens ist nämlich ein eher einsamer Vorgang, er isoliert uns obgleich er uns mit anderen Dingen verbindet bzw. uns über sie aufklärt (im Idealfall; manche geschriebene Dinge klären nicht auf, sondern vernebeln, manipulieren, führen in die Irre und informieren bewußt falsch! vergl. ⇒ politische Meinungsbildung etc.)
Zurück zum Layoutwechsel: Außerdem ist es immer schön, wenn man die Ausdrücke und die Sprache mit der optischen Wahrnehmung übereinstimmend zusammenbringen kann: wenn also hier von Seiten und Unterseiten die Rede ist, passt es ganz gut auf dem Bildschirm ein Buch mit aufgeschlagenen Seiten abgebildet zu sehen.
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Religion(en), Kirche(n) und Phantastik …
16.2.2008 von Wolf.
Beim Übertragen der letzten drei Beiträge, die einst auf meiner normalen Webseite (⇒ en-shandra.de) platziert waren, fiel mir auf, daß man in vielen phantastischen Werken Bezüge zu Religion und Kirche findet: ganz offensichtlich in “The Chronicles of Narnia” (C. S. Lewis) , “His Dark Materials” (Philip Pullman) und “The Prince of Nothing” (R. Scott Bakker) sowie “The Vampyre Chronicles” (Anne Rice). Etwas versteckter oder indirekter findet man die Bezüge bei Tad Williams (”Shadowmarch”, “Dragonbone Chair”, “Burning Man”), bis man sie schließlich schnell überliest (Joanne K. Rowling mit “Harry Potter” und John Ronald Reuel Tolkien mit “The Silmarillion” und “Lord of the Rings” [letzterer sucht nur nach einem alternativen Enstehungsmythos und einer Welterklärung außerhalb nach England importierter Mythen]).
Dennoch sind überall Bezüge zur Religion oder Kirche und sie sind nicht immer so krass atheistisch wie in “His Dark Materials” oder so offensichtlich messianisch wie in “The Chronicles of Narnia”. Anne Rice läßt ihre Leser hingegen allein am Verstand und der Ernsthaftigkeit Gottes (und des Teufels) zweifeln, der in einem harmlos anmutenden Streit mit einem seiner Engel ein alter Rechthaber ist (sie schlägt hier im übrigen eher der jüdischen Tradition nach, worin Satan zwar Gott widerspricht, aber ihm dennoch dient und irgendwie auch freundschaftlich zugeneigt scheint). Tad Williams hingegen lässt Misstrauen gegenüber jenen aufkommen, die die alten Göttergeschichten weitertragen und weitererzählen, sie ausschmücken, abändern und schließlich zu Lügen verkommen lassen, während die Götter selbst sich darum nicht scheren und man froh sein kann, daß sie einen nicht beachten … nicht so sehr …
GOTT … und Religion an sich, sind immer wieder - teils auch nur indirekt, Gegenstand der phantastischen Literatur … wieso?
Wird von jenen, die phantastische Literatur verfassen, GOTT so innig verehrt … oder gefürchtet? … was bewegt einen, sich wieder und wieder mit GOTT, der GOTTwerdung von Menschen, der Menschwerdung GOTTes etc. zu befassen? Was treibt diese Leute um? Und wieso geschieht das so häufig in jener Literaturgattung, die gemeinhin als trivial betrachtet wird? Ist GOTT trivial?
Ich muß zugeben: nicht selten sind in der phantastischen Literatur alte Mythen nicht nur aufgegriffen, sondern teils total verquast wiedergegeben oder komplett umgeschrieben. Einige Autoren nutzen sie als Versatzstücke, biegen sie zurecht, bis sie unkenntlich werden und passen sie ihren Bedürfnissen an.
Nicht selten existieren von alten Mythen mehrere Fassungen: eines der bekanntesten Beispiele findet sich in der Genesis: dort liegen zwei verschiedene Schöpfungsberichte vor. Außerhalb der Bibel existieren weitere Fassungen anderer Geschichten, die wir ansonsten durchaus aus der Bibel kennen.
Aber nicht nur die Bibel wird in modernen phantastischen Werken verwendet, auch antike nicht-christliche Mythen werden immer wieder aufgegriffen, teils neuinterpretiert oder komplett neu geschrieben (vergl. “Die Nebel von Avalon” von Marion Zimmer Bradley u. a.) .
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