Archiv der Kategorie Politik un' so'n Kram

Finanzmarkt

In einer aktuellen Stunde zur Finanzkrise sagte Brandenburgs MP Platzeck, daß die Pervertierung und Entfesselung der Finanzmärkte ein Ende haben müsse und dieser Sektor zurückfinden müsse zu seiner Aufgabe, der Realwirtschaft zu dienen. Liest man heute aber die Börsenticker und Kurzmitteilungen, so ist von einem dortigen entsprechenden Sinneswandel keine Spur. Ob die noch nicht begriffen haben, was Sache ist? Wird es in Zukunft immer einen krampfhaften Kampf zwischen Finanz- und Realwirtschaft geben? Irgendwie ist ja die Bezeichnung schon entlarvend. Realwirtschaft: Damit sind alle Betriebe gemeint, die real Werte produzieren durch Produktion, Verkauf, Dienstleistung - also die bodenständige Wirtschaft, wei wir sie erleben, wenn wir einkaufen gehen oder den Klempner rufen. Die Finanzwirtschaft hat etwas nichtreales an sich, etwas, was sie von jener Realwirtschaft abkoppelt. Mitunter ist das die Fixierung auf Kurssteigerungen, Gewinnmaximierung, Benchmarking.

Der Wandel in den Köpfen der Verantwortlichen findet bisher nicht statt - es ist ein munteres Weiter-so. Die Rettungspakete sind aber - zumindest nach öffentlichen Bekundungen der Politiker an bestimmte Bedingungen geknüpft, die dieses Weiter-so eigentlich nicht zulassen. Eine erste Pflaume von der Raiffeisengruppe hatte sich ja auch entsprechend nach Verkündigung des 500 Mrd. €-Pakets geäußert: der Staat solle nicht versuche, auf das Bankmanagement einzuwirken. Ich würde sagen: dann gibt’s auch keine Knete. Die Sache ist die: Welche Hinterzimmermauscheleien werden da wieder verzapft, daß es doch Knete gibt, die Kontrolle aber effektiv nicht verschärft wird?

Welthungerhilfe und Finanzdesaster

Angesichts der schnellen Bereitschaft der Politik, die Banken bei dem selbst verzapften Mist so schnell mit hunderten von Milliarden Euro zu helfen, wird einem doch schier übel, wenn man hört, daß die gleichen Summen in anderen Einsatzfeldern auf mindestens 70 Jahre die hungernden Teile der Weltbevölkerung aus ihrem Elend befreien könnten.

Zwar scheint alles so, daß eine Nichthilfe bei den Banken uns in ähnliche oder zumindest miesere Verhältnisse zurückwerfen könnte, dennoch finde ich es erbärmlich, daß sich die Industriestaaten nicht darauf einigen können ähnlich schnell und unbürokratisch den Hungerleidenden zu helfen. Oder was meint Ihr?

Es gibt sicherlich viele Institutionen, die unsere Hilfe durch Spendengelder verdienen (wirklich verdienen!!!), warum wird da nicht mit Steuermitteln geholfen, da könnte sich die Politik im Ansehen im Nu sanieren. Da kann sie greifen, bewegen, gestalten.

=> Welthungerhilfe; Hoffnung für Zukunft; Arche Berlin

Das sind nur drei von vielen, vielen Hilfsprojekten, die alle auf Spenden angewiesen sind, weil die Staaten nicht willens sind, sie mit Steuergeldern zu unterstützen. Das Finanzhilfspaket für die Bankwirtschaft, das die Bundesrepublik für die deutschen Banken schnürte, könnte im Rahmen der Welthungerhilfe Millionen von Menschen für knapp 35 Jahre vom Hunger befreien - vorausgesetzt das Geld versickert nicht in dunklen Kanälen.

Finanzkrise

Wie alles in den vergangenen 20 Jahren, erhält auch der Zusammenbruch des amerikanischen Hypothekenmarktes eine euphemistische Bezeichnung: Finanzkrise, Krise der Finanzmärkte. Daß diese Krise hausgemacht ist, wird immer wieder verschwiegen. Daß die Finanzmärkte pervertiert sind, indem man auf alles spekuliert wie bei einem Pferderennen, erwähnen die wenigsten. Die Finanzmärkte haben die Bodenhaftung verloren. Alles wird zum Spekulationsgegenstand: eine Brezel, Öl, Getreide, die Gewinne von Unternehmen oder die Unternehmen selbst. Die Bezüge zu Produkten und wirklich geschaffener Werte sind vollkommen verloren.

Marxisten werden natürlich sagen: und wir hatten doch Recht! Stimmt!

Das macht den Marxismus dennoch nicht zur echten Alternative.

Die Abkopplung der Finanzflüsse von Produktion und echter Wertschöpfung hat zum Kollaps geführt, da alle Spekulationen in virtuellen Welten stattfanden. Es wird leider garantiert wieder dazu führen, daß Menschen arbeitslos werden, obwohl sie ehrliche Arbeit leisteten, während jene Finanzjongleure ggf. nur mit einem blauen Auge davon kommen.

Einige Spekulationsarten müssen einfach verboten werden! Sie sind zu riskant für die Volkswirtschaften - zumal die Risiken in jeder Krise sozialisiert werden, während die Gewinne privat bleiben. Der Nutzen (Steuern auf Gewinne) einer Spekulation muß für den Staat im Finanzsäckel spürbar sein - oder die Spekulation verboten werden. Das Prinzip der Verstaatlichung der Risiken darf nicht beibehalten werden, wenn  der Staat nicht auch an den Gewinnen beteiligt wird.

Kulturzeit

… gestern schaute ich mir mal wieder beim Abendessen die Sendung Kulturzeit an:

wenn ich mir diese Sendung anschaue, habe ich manchmal den Verdacht, daß Kultur in einigen Teilen der Bevölkerung zurecht belächelt wird. Es gibt Beiträge in dieser Sendung, bei denen ich mich nur noch Frage, von welch weit entferntem Planeten die Protagonisten kommen: da wird ein Bildband zur Reihenhauskultur in Deutschland vorgestellt, der Bildband beinhaltet erstklassige Photographie, aber sollten die Texte dazu den Kommentaren in der Sendung ähnlich sein, wäre ich für ein Ausschwärzen dieses Geschwafels!

Es gab einen Beitrag zu Unterschichte und einem neuen Buch, das “Der Aufstand der Unterschicht” heißt. Ganz korrekt fragte der Moderator die Autorin im Interview, wie denn die dem Buch zu Grunde liegende Definition von Unterschicht sei. Ihre Antwort lässt sich so zusammen fassen:

  1. Eine materiell benachteiligte Schicht.
  2. Bildungsferne
  3. Sozialisation

Ich kenne genügend Angehörige der Unterschicht, bei denen von Bildungsferne und Sozialisation (also Aufwachsen in der Unterschicht) nichts zu spüren ist. Die Unterschicht ist eben nicht mehr das klassische Prekariat, das nicht hochkommt und ohne Aufstiegschancen ist - diese Art Unterschicht existiert weiterhin, aber die Unterschicht umfasst ganz klar auch Abstürzler und schlichtweg die schwächeren der Bildungsschichten. Das ganze Sozialgewebe ist nämlich eben kein Schichtkuchen. Das ist nur das schiefe Bild, das Akademiker und Philosophen weiterhin pflegen und in Politik und Wirtschaft kommunizieren.

Ihr glaubt doch nicht etwa, daß ich mich nur auf Grund meiner Bildung zur Ober- oder Mittelschicht zähle. Das gravierenste Merkmal einer jeden Existenz in Zentraleuropa ist das Konto bzw. dessen nicht vorhanden sein oder dergleichen.

Die Unterschicht beginnt dort, wo das Leben im bzw. unter dem Existenzminimum existiert. Unterschicht hat nur ein primäres Merkmal, die anderen sind sekundär, weil nicht immer zutreffend.

Also auch bei diesem Beitrag in der Kulturzeit: Geschwafel und Realitätsferne.

Deutschtümelei und offener Revanchismus

… bisweilen möchte einem im eigenen Beruf angesichts der einen oder anderen Buchbestellung kotzübel werden: da werden via Internet zur Abholung in der Filiale Bücher bestellt, die einen vermeintlich verräterischen Hintergrund zum Verlust der ehemaligen Reichsgebiete östlich der Oder-Neiße-Linie besprechen, die zionistische Weltverschwörung herbeireden oder in anderen Formen rechtsradikales Gedankengut verbreiten.

Andere Kunden bringen einen fast zum Kotzen in dem sie sich zuerst noch Bücher zur Blutgruppendiät zeigen lassen, und während man noch im Regal verkrallt ist plötzlich anfangen, vom Verrat einiger Generäle an der Westfront zu faseln, wo man die Russen doch zu jenem Zeitpunkt noch hätte überrennen können, um siegreich aus dem Krieg hervorzugehen. Meine Herren: ich kann getrost auf Ihre Kundschaft verzichten!

Mir wird speiübel, wenn solch rechts- und rückwärtsgewandtes Gesindel aufkreuzt. Meist sind es ohnehin übelgelaunte Zeitgenossen, verbiestert, ohne jeden Lachmuskel und zum Glück ohnehin schon halbtot. Dennoch find ich es widerlich, wenn sie anfangen ihr Gift abzusondern - denn nicht selten versuchen diese Mistkäfer einen in heillose Diskussionen zu verwickeln.

Wieso kann sich dieses Kruppzeug nicht endlich unter die Erde zurückziehen und ihre geistige Nachgeburt endlich mitnehmen?