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Kulturzeit
8.10.2008 von Wolf.
… gestern schaute ich mir mal wieder beim Abendessen die Sendung Kulturzeit an:
wenn ich mir diese Sendung anschaue, habe ich manchmal den Verdacht, daß Kultur in einigen Teilen der Bevölkerung zurecht belächelt wird. Es gibt Beiträge in dieser Sendung, bei denen ich mich nur noch Frage, von welch weit entferntem Planeten die Protagonisten kommen: da wird ein Bildband zur Reihenhauskultur in Deutschland vorgestellt, der Bildband beinhaltet erstklassige Photographie, aber sollten die Texte dazu den Kommentaren in der Sendung ähnlich sein, wäre ich für ein Ausschwärzen dieses Geschwafels!
Es gab einen Beitrag zu Unterschichte und einem neuen Buch, das “Der Aufstand der Unterschicht” heißt. Ganz korrekt fragte der Moderator die Autorin im Interview, wie denn die dem Buch zu Grunde liegende Definition von Unterschicht sei. Ihre Antwort lässt sich so zusammen fassen:
- Eine materiell benachteiligte Schicht.
- Bildungsferne
- Sozialisation
Ich kenne genügend Angehörige der Unterschicht, bei denen von Bildungsferne und Sozialisation (also Aufwachsen in der Unterschicht) nichts zu spüren ist. Die Unterschicht ist eben nicht mehr das klassische Prekariat, das nicht hochkommt und ohne Aufstiegschancen ist - diese Art Unterschicht existiert weiterhin, aber die Unterschicht umfasst ganz klar auch Abstürzler und schlichtweg die schwächeren der Bildungsschichten. Das ganze Sozialgewebe ist nämlich eben kein Schichtkuchen. Das ist nur das schiefe Bild, das Akademiker und Philosophen weiterhin pflegen und in Politik und Wirtschaft kommunizieren.
Ihr glaubt doch nicht etwa, daß ich mich nur auf Grund meiner Bildung zur Ober- oder Mittelschicht zähle. Das gravierenste Merkmal einer jeden Existenz in Zentraleuropa ist das Konto bzw. dessen nicht vorhanden sein oder dergleichen.
Die Unterschicht beginnt dort, wo das Leben im bzw. unter dem Existenzminimum existiert. Unterschicht hat nur ein primäres Merkmal, die anderen sind sekundär, weil nicht immer zutreffend.
Also auch bei diesem Beitrag in der Kulturzeit: Geschwafel und Realitätsferne.
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Deutschtümelei und offener Revanchismus
4.10.2008 von Wolf.
… bisweilen möchte einem im eigenen Beruf angesichts der einen oder anderen Buchbestellung kotzübel werden: da werden via Internet zur Abholung in der Filiale Bücher bestellt, die einen vermeintlich verräterischen Hintergrund zum Verlust der ehemaligen Reichsgebiete östlich der Oder-Neiße-Linie besprechen, die zionistische Weltverschwörung herbeireden oder in anderen Formen rechtsradikales Gedankengut verbreiten.
Andere Kunden bringen einen fast zum Kotzen in dem sie sich zuerst noch Bücher zur Blutgruppendiät zeigen lassen, und während man noch im Regal verkrallt ist plötzlich anfangen, vom Verrat einiger Generäle an der Westfront zu faseln, wo man die Russen doch zu jenem Zeitpunkt noch hätte überrennen können, um siegreich aus dem Krieg hervorzugehen. Meine Herren: ich kann getrost auf Ihre Kundschaft verzichten!
Mir wird speiübel, wenn solch rechts- und rückwärtsgewandtes Gesindel aufkreuzt. Meist sind es ohnehin übelgelaunte Zeitgenossen, verbiestert, ohne jeden Lachmuskel und zum Glück ohnehin schon halbtot. Dennoch find ich es widerlich, wenn sie anfangen ihr Gift abzusondern - denn nicht selten versuchen diese Mistkäfer einen in heillose Diskussionen zu verwickeln.
Wieso kann sich dieses Kruppzeug nicht endlich unter die Erde zurückziehen und ihre geistige Nachgeburt endlich mitnehmen?
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Werbung auf privaten Seiten
3.10.2008 von Wolf.
Ich habe ja neben diesem blog auch eine eigene webpage. Diesbezüglich bekam ich neulich die Anfrage von jemandem, ob ich ihm auf dieser Seite Werbeplatz zur Verfügung stelle und welchen Preis er dafür zahlen müsse. Ich habe die mail kommentarlos gelöscht. Es ist meine private homepage. Ich habe manchmal den Eindruck, daß Leute teils nicht mehr begreifen, was privat ist, was privat bedeutet. Ich stelle doch keinen Werbeplatz zur Verfügung! Bin ich eine Litfaßsäule? Kann es im www nicht auch reklamefreie Zonen geben? Muß immer überall ein Werbebanner flattern? Selbst die höfliche Anfrage nach Werbeplatz ist m.E. spam! Ich habe nirgends auf meiner Seite darum gebeten, entsprechende Anfrage zu stellen oder angedeutet, daß ich für so etwas offen sei. Was soll das? Diese übermäßige Kommerzialisierung von Flächen.
Es scheint natürlich andererseits so, daß meine Seite entsprechend attraktiv zu sein scheint. Keine Ahnung, welche Relevanz meine Seiten haben, welche Positionen sie im Google-ranking oder dergleichen sie einnehmen bzgl. bestimmter Themen.
Es war bisher nur eine Anfrage, von der ich nichtmal wirklich sagen kann, wie ernsthaft sie war … aber ich finde es dennoch gräßlich. Ich kann sowieso nicht nachvollziehen, welches die relevanten Suchwörter sind, um meine Seiten unter den ersten zehn zu finden. Ich hatte ja schon mal einen Test gemacht bzgl. meines Namens. Da war meine Seite glaube ich erstmals auf der siebenten Suchseite gelistet … (bei Google.de).
Welche entscheidenden Stichworte mögen es sein? Das Stichwort”Babylon” bringt meinen blog z.Zt. auf Seite 4 der Google.de-Ergebnisanzeige. Nimmt man das trunkierte Wort “blog” dazu, erreiche ich Seite 2. Aber das ist der blog, und da gehört dann schon eine merkwürdige Suchabsicht dahinter. Wenn ich in Google.de “dordos” eingebe, ist meine Seite die erste angezeigte - aber wer sucht nach dem Kunstwort “dordos”? Die simple Eingabe des Suchwortes “Wolfram” bringt kein mich bezügliches Ergebnis auf den ersten zehn Suchseiten. Mit “Wolfram Schneider” erzielt man immerhin ein Ergebnis, das den blog auf Seite 1 an vierter Stelle listet. Die Webseite taucht immerhin auf Suchseite 6 auf, der Rest der Suchergebnisse sind Namensvettern (was mich beim ersten Mal googlen ziemlich überraschte, wie viele es doch davon gibt). Addiert man zur Sucheingabe meines Namens “Berlin”erreiche ich Suchseite 1. Doch wer sucht im Netz nach Wolfram Schneider in Berlin? Doch wohl nur Leute, die mich kennen oder meinen dieses zu tun. Welche Suchworte sind noch mit meiner Seite assoziiert?
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ein neues Geschreibsel von Bohlen
3.10.2008 von Wolf.
… Herr Bohlen ließ erneut Bäume sterben für Mitteilungen, die die Welt nicht braucht. Und Heyne hat wieder mitgemacht.
Ich bin mittlerweile - auch angesichts der jährlichen Titelflut bei den Verlagen - mehr denn je für eine echte Zensur. Das auch im Hinblick auf die Klimakatastrophe, die uns noch bevorsteht (damit meine ich jenen vorläufigen Kollaps des Ökosystems, bis sich die Erde von homo sapiens erholt hat).
Vielleicht reicht auch schon eine Strafgebühr von nur einem Cent für jedes Gramm Papier, das mit Schwachsinn bedruckt wird (dann kann Herr Döpfner einpacken).
Wow, was für ein wahnsinniger Gedanke: eine Zensurbehörde, die alle Publikationen auf ihren intellektuellen Wert hin überprüft … das müßte ein gigantischer Apparat sein, der garantiert Vollbeschäftigung verspricht … gleichzeitig dürfte sich die Freiheit des gesprochenen wie des geschriebenen Wortes verflüchtigen. Das ist der Haken an der Sache.
… das geschriebene Wort, die Errungenschaft, daß nahezu jeder lesen und schreiben kann, daß alles mögliche publik werden kann - dafür ist Blut vergossen worden, dafür sind Menschen von anderen hingerichtet worden, dennoch wurde es Realität.
Dennoch gibt es immer wieder auch Publikationen, die einen riesigen Brechreiz hervorrufen. Wenigstens das muß gesagt werden. Dazu gehören auch Bücher, Zeitungen und Zeitschriften jenseits des Boulevards, jene Erzeugnisse von radikalen Gruppierungen, die gezielt Unfrieden, Zwietracht, Neid und Haß säen. Dagegen ist Herr Bohlen nur lästig und nervtötend - aber ansonsten vollkommen harmlos.
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herbstliche Finanzkrise …
3.10.2008 von Wolf.
Die internationale Finanzkrise macht den Herbst irgendwie noch herbstlicher. Das Dumme daran sind die Rettungsversuche staatlicherseits an den falschen Objekten. Ich denke, es sollte ruhig das eine oder andere Investment- und Immobilienbankhaus richtig derbe crashen - am besten inkl. Selbstmorden und Strafverfahren in den Chefetagen. Hier eine Verhaftung, da die Einnahme von Medikamenten oder ein sauberer Kopfschuss. Jene, die gezockt haben, sollten nicht noch finanzielle Hilfe vom Staat bekommen. Der Staat darf nur retten, um Arbeitsplätze und Vermögen der Allgemeinheit bzw. seiner Bürger zu sichern, sollte zeitgleich aber die unverantwortlich Handelnden vor Gericht stellen - ohne echte Aussicht auf Freispruch, will meinen: nicht, daß sich die Staatsanwaltschaft wieder auf irgendeinen faulen Kuhhandel einläßt.
Viele haben daran verdient, sich die Taschen vollgestopft ohne Rücksicht auf Verluste anderer … wieso sollte es Ihnen nun besser gehen?
Ob der Kapitalismus damit am Ende ist? Wohl kaum, aber er wird nun wieder stärker an die Kandare genommen. Die EU-Kommission denkt schon laut über schärfere Zulassungsregelungen nach und höhere Absicherungen. Insgesamt erweist sich das europäische und insbesondere das deutsche Bankensystem als solider denn das amerikanische …
Jahrelang haben die Amis uns mit Spott und Häme übergossen, nun bekommen sie die Quittung.
Es gibt aber keinen Grund zum Jubel für Freunde des Antiamerikanismus: wir sollten wachsam sein und die Entwicklungen in Amerika auch mit Sorge betrachten. Auf Grund der sehr weit entwickelten Verflechtungen der Finanzmärkte, haben Turbulenzen auf dem einen Markt immer auch Auswirkungen anderswo. Das ist zwar kein Naturgesetz (die ganze Finanzwelt beruht nicht auf Naturgesetzen oder göttlichen Gegebenheiten, sondern ist ein höchst künstliches Konstrukt menschlicher Machart), doch allein daß viele an diese starken Verflechtungen glauben, zieht uns in den Strudel mit rein. Wieder einmal zeigt sich die Macht des Wortes!
Die Globalisierung wirkt überall dort, wo von ihr gesprochen wird.
Es ist sehr herbstlich. Aber es ist nicht das Ende der Geschichte. Es ist auch immer die Chance auf einen Neuanfang - Restrukturierung nennt man das im Fachjargon. Banken sollen jetzt sehr günstig zu haben sein. Wer Geld hat …. die Commerzbank steht pro Stück momentan bei ca. 12,- €, die Postbank bei rund 30,-,oder habt Ihr eher Interesse daran, einen Aktienhandelsplatz zu erwerben? Die Deutsche Börse AG bringt es auf satte 67,- € pro Stück, die HypoReal Estate ist für lächerliche 6,- € pro Stück zu haben.
Schauen wir den Akteuren stärker auf die Finger. Kauft Euch Lektüre zur Funktion der Märkte und Wirtschaften, lest richtige Zeitungen abseits des Effenberg-Bohlen-Paris-Hilton-Schwachsinns in der BILD. Die BILD ist nur dazu da, um Euch von den wirklich wichtigen Dingen abzulenken!
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